Liquid Alternatives erleben 2026 ein starkes Comeback. So flossen im ersten Halbjahr netto 21,5 Milliarden Euro in liquide alternative Fonds, wie aus der von Lupus alpha erstellten Liquid-Alternatives-Studie hervorgeht. Das Marktvolumen stieg damit auf den Rekordwert von 296,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig fiel die durchschnittliche Rendite mit 4,16 Prozent erneut deutlich positiv aus. Besonders gefragt waren Absolute-Return- und Rentenstrategien.
13.08.2026 | 13:40 Uhr
Der Aufschwung bei Liquid Alternatives gewinnt deutlich an Fahrt. Im ersten Halbjahr 2026 flossen der Anlageklasse netto 21,5 Milliarden Euro zu. Damit wurden bereits mehr als 80 Prozent der gesamten Nettozuflüsse des Jahres 2025 erreicht. Gleichzeitig kletterte das Marktvolumen liquider alternativer Strategien im UCITS-Mantel auf einen neuen Rekordwert von 296,4 Milliarden Euro. Damit wurde erstmals der bisherige Höchststand von 274,3 Milliarden Euro aus dem Jahr 2019 übertroffen. Gegenüber dem Jahresende 2025 entspricht das einem Anstieg um 37,5 Milliarden Euro beziehungsweise 14,5 Prozent. Auch die Zahl der Fonds erhöhte sich erstmals seit 2022 wieder. Im ersten Halbjahr kamen 14 Fonds hinzu, sodass das Universum nun 727 Fonds umfasst. Das sind Ergebnisse der halbjährlich von Lupus alpha erstellten Liquid-Alternatives-Studie auf Basis von Daten des Analysehauses LSEG Lipper.

Bei der Aufteilung des Marktes setzt sich ein Trend fort, der bereits seit 2024 zu beobachten ist. Absolute-Return-Strategien bauen ihren Anteil am verwalteten Vermögen weiter aus. Er stieg von 34,6 Prozent im Jahr 2024 auf inzwischen 38,3 Prozent. Nach der Zahl der Fonds ist das Verhältnis dagegen weitgehend stabil: Rund ein Drittel des Universums entfällt auf Absolute Return, zwei Drittel auf andere alternative Strategien. Absolute-Return-Fonds sind damit im Durchschnitt deutlich größer und wachsen schneller.
Laut Lupus alpha spiegelt dies die Nachfrage nach Konzepten wider, die auf möglichst stetige positive Renditen ausgerichtet sind. „Das außergewöhnlich starke Wachstum der Anlageklasse zeigt, dass Investoren liquide alternative Strategien wieder als festen Bestandteil ihrer strategischen Asset-Allokation betrachten“, sagt Ralf Lochmüller, Gründungspartner und CEO von Lupus alpha. „In einem anspruchsvolleren Marktumfeld steigt die Nachfrage nach Strategien, die Diversifikation, Risikokontrolle und eigenständige Ertragsquellen miteinander verbinden.“
Die Mittelzuflüsse verteilen sich ungewöhnlich breit. In jedem Monat des ersten Halbjahres 2026 verzeichnete das Segment positive Nettoflüsse. Von 15 untersuchten Strategien verbuchten 13 Nettozuflüsse. Lediglich zwei Strategien mussten kleinere Abflüsse hinnehmen: Alternative Event Driven mit minus 0,70 Milliarden Euro und Alternative Equity Leveraged mit minus 0,32 Milliarden Euro. An der Spitze steht unverändert Absolute Return Bond. Die Strategie zog im ersten Halbjahr 8,7 Milliarden Euro an, ein Plus von 13,6 Prozent. Dahinter folgen mit Alternative Long/Short Equity und Alternative Equity Market Neutral zwei Aktienstrategien mit kontrolliertem Marktrisiko. Besonders stark blieb der Bereich Fixed Income. Die beiden Strategien Absolute Return Bond und Alternative Credit Focus vereinten zusammen 9,3 Milliarden Euro an Zuflüssen auf sich und waren damit der wichtigste Treiber des Mittelaufkommens. Gleichzeitig zeigt die Nachfrage nach Equity Market Neutral, Long/Short Equity und Managed Futures, dass Anleger ihre Allokation über reine Zinsstrategien hinaus ausweiten.

Rund 60 Prozent der Nettozuflüsse und 50 Prozent des gesamten Marktvolumens entfielen auf institutionelle Anteilsklassen. Innerhalb des Marktes nimmt die Bedeutung defensiver Rentenstrategien weiter zu. Absolute Return Bond und Alternative Credit Focus kommen inzwischen zusammen auf 31,4 Prozent des gesamten Marktvolumens. Damit unterstreichen beide Strategien ihre zentrale Bedeutung innerhalb des Liquid-Alternatives-Segments. Der Aufschwung ist allerdings gleichzeitig von einer zunehmenden Konzentration geprägt. Allein die größten fünf Prozent der Fonds vereinigten 70,1 Prozent der Nettozuflüsse auf sich. Die größten 20 Prozent kamen sogar auf 81,7 Prozent. Die untere Hälfte des Fondsuniversums erhielt dagegen lediglich 8,4 Prozent der Nettozuflüsse. Damit ist die Erholung bei Liquid Alternatives zugleich ein Konzentrationsprozess. Anleger bevorzugen etablierte, größere Produkte mit einem längeren Track Record. Für kleinere Anbieter bleibt die Marktdurchdringung entsprechend schwierig.
Die Fondsgrößen verdeutlichen diese Entwicklung. 90,5 Prozent aller Fonds verwalten weniger als eine Milliarde Euro. Bei 80 Prozent liegt das verwaltete Vermögen sogar unter 500 Millionen Euro. Von insgesamt 727 Fonds überschreiten lediglich 64 Fonds die Marke von einer Milliarde Euro. Damit konzentriert sich ein großer Teil der Mittelzuflüsse auf einen vergleichsweise kleinen Teil des Marktes, während die überwiegende Mehrheit der Fonds deutlich kleinere Volumina verwaltet.

Neben den Mittelzuflüssen überzeugte auch die Performance. Nach einem durchwachsenen Jahr 2025 erzielten Liquid Alternatives im ersten Halbjahr 2026 über alle Fonds betrachtet eine durchschnittliche Rendite von 4,16 Prozent. Auf Ebene der einzelnen Strategien fällt die Entwicklung allerdings sehr unterschiedlich aus. Alternative Managed Futures erzielten mit einer Medianrendite von 7,7 Prozent das beste Halbjahresergebnis unter den ungehebelten Strategien. Nach dem schwachen Jahr 2025 meldeten sich die Trendfolgemodelle damit zurück. Offenbar konnten sie die Marktbewegungen im ersten Halbjahr erfolgreich nutzen. Die beiden gehebelten Strategien bildeten erwartungsgemäß die Pole des Performance-Spektrums. Alternative Equity Leveraged erreichte eine Medianrendite von 13,3 Prozent. Der beste Fonds dieser Kategorie kam sogar auf 41,5 Prozent. Am anderen Ende stand Alternative Dedicated Short Bias mit einer Medianrendite von minus 5,9 Prozent.
Die Fixed-Income-Strategien erzielten dagegen überwiegend solide, wenn auch weniger spektakuläre Ergebnisse. Alternative Credit Focus kam auf eine Medianrendite von 1,7 Prozent, Absolute Return Bond auf 1,1 Prozent. Bei Absolute Return Bond blieb die Streuung vergleichsweise gering: Zwischen dem besten Fonds mit plus 6,8 Prozent und dem schwächsten Fonds mit minus 3,4 Prozent lagen gut zehn Prozentpunkte. Deutlich größer war die Performance-Spanne bei Alternative Managed Futures und Alternative Long/Short Equity. Bei Managed Futures reichte sie von minus 19,1 Prozent bis plus 28,3 Prozent, bei Long/Short Equity von minus 20,7 Prozent bis plus 25,3 Prozent. Damit betrug die Differenz jeweils mehr als 45 Prozentpunkte. Die hohe Streuung innerhalb der einzelnen Strategiekategorien zeigt laut Lupus alpha erneut, wie wichtig die konkrete Auswahl von Fonds und Managern für den Anlageerfolg ist. „Diese Zahlen zeigen, dass Liquid Alternatives wieder in ihrer angestammten Rolle angekommen sind“, sagt Michael Lichter, Head of Product Management bei Lupus alpha. „Sie liefern keine Aktienersatzrendite, sondern ein eigenes Rendite-Risiko-Profil. Entscheidend ist dabei die sorgfältige Auswahl der Strategien und Fonds, denn gerade innerhalb einzelner Kategorien ist die Rendite-Streuung erheblich.“

Auch über längere Zeiträume bestätigt sich der Beitrag der Anlageklasse zur Stabilisierung von Portfolios. Über drei Jahre erzielten Liquid Alternatives eine annualisierte Rendite von 6,40 Prozent, über fünf Jahre waren es 5,08 Prozent. Gleichzeitig blieb das Risiko vergleichsweise überschaubar. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die durchschnittlichen Maximalverluste bei elf der 15 Strategien klar unter dem des MSCI World Euro-hedged, der bei minus 8,5 Prozent lag. Noch deutlicher zeigt sich das Bild über einen längeren Zeitraum. Über fünf Jahre weisen zwölf der 14 Strategien mit einer Fünf-Jahres-Historie geringere Maximalverluste auf als globale Aktien. Angesichts der begrenzten Diversifikationseffekte traditioneller Anlageklassen könnte die Nachfrage nach robusten und flexibel einsetzbaren Liquid-Alternatives-Strategien damit weiter hoch bleiben.

Auch die Sharpe Ratio spricht für ein insgesamt solides Rendite-Risiko-Profil. Im ersten Halbjahr 2026 erzielten 62,5 Prozent der Fonds eine positive Sharpe Ratio. 30,3 Prozent kamen auf einen Wert von mehr als 1 und damit auf ein sehr gutes Verhältnis von Rendite zu Risiko. Über ein Jahr weisen 72,1 Prozent der Fonds eine positive Sharpe Ratio auf. Bei 38,2 Prozent lag die Kennzahl über 1. Über fünf Jahre hatten 71,1 Prozent der Fonds eine positive Sharpe Ratio. Allerdings erreichten nur 6,9 Prozent einen Wert von mehr als 1. Auf Strategieebene erzielten über fünf Jahre insbesondere Alternative Credit Focus, Alternative Equity Leveraged, Alternative Event Driven und Alternative Equity Market Neutral die besten durchschnittlichen risikobereinigten Ergebnisse. Die durchschnittliche Sharpe Ratio lag bei 0,63, 0,55, 0,44 beziehungsweise 0,43.

Die Zahlen von Lupus alpha zeigen einen deutlichen Stimmungswechsel gegenüber dem Vorjahr. Steigende Mittelzuflüsse, ein Rekordmarktvolumen und wieder positive Renditen sprechen für eine zunehmende Bedeutung liquider alternativer Strategien in den Portfolios institutioneller und anderer Anleger. Gleichzeitig ist die Entwicklung keineswegs homogen. Die großen Zuflüsse konzentrieren sich auf wenige etablierte Fonds, während die Mehrheit der Produkte nur einen vergleichsweise kleinen Teil der neuen Mittel erhält. Auch die teils enorme Rendite-Streuung innerhalb einzelner Strategiekategorien macht deutlich, dass die Bezeichnung „Liquid Alternatives“ allein noch keine ausreichende Aussage über Chancen und Risiken eines Produkts zulässt. Für Anleger bleibt daher entscheidend, nicht nur die Strategieklasse, sondern auch Fondsstruktur, Risikoprofil, Track Record und Managerqualität zu analysieren. (jk)
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