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Zufriedene Gesichter in der Versicherungsbranche

Die deutsche Versicherungsbranche zieht eine erfreuliche Bilanz für das Jahr 2019: Die Beitragseinnahmen sind überdurchschnittlich stark gestiegen, und Lebensversicherungen feiern ein überraschendes Comeback.

30.01.2020 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Wer Versicherungen verkauft, verweist naturgemäß auf Gefahren, gegen die es sich zu wappnen gelte. Und so überraschten in den vergangenen Jahren die Unkenrufe aus den Reihen der Versicherungsbranche nicht: Das Geschäft sei schwieriger geworden, die Niedrigzinsen belasteten die Bilanzen, und insbesondere Lebensversicherungen seien immer schwerer an den Mann oder die Frau zu bringen. Auch gestern, auf der Jahresmedienkonferenz des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin, fehlte nicht der obligatorische Hinweis auf die Risiken: Es gebe keinen Grund für Euphorie, da das Marktumfeld wegen der niedrigen Zinsen extrem herausfordernd sei. 

Doch das Resümee fiel diesmal überaus positiv aus: „Insgesamt war 2019 von den Beitragseinnahmen her ein ausgesprochen zufriedenstellendes Jahr“, fasste GDV-Präsident Wolfgang Weiler die Geschäftszahlen der Branche für das Jahr 2019 zusammen. 

Das Comeback der Lebensversicherung

Und in der Tat hat die Branche durchaus Anlass, zufrieden auf den Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr zurückzublicken: Überraschenderweise überzeugten ausgerechnet Lebensversicherungen mit hohen Wachstumsraten. Die Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds verzeichneten 2019 zusammen ein Beitragsplus von 11,3 Prozent auf 102,5 Milliarden Euro. Davon entfielen 64,3 Milliarden Euro auf das Geschäft gegen laufenden Beitrag (+0,1 Prozent) und 38,2 Milliarden Euro auf Einmalbeiträge (+37,1 Prozent). „Die Beitragsentwicklung ist für unsere Branche ein klarer Vertrauensbeweis der Kunden“, so Weiler.

Auch die Umstellung auf neue Produkte wird von den Kunden immer besser angenommen. Verträge mit modifizierten Garantien machen in der Lebensversicherung inzwischen 60,3 Prozent am gesamten Neugeschäft aus (Vorjahr: 57,2 Prozent). Ebenfalls erfreulich entwickelte sich der Jahresstatistik zufolge die betriebliche Altersversorgung (bAV): Die gesamten Brutto-Beiträge wuchsen 2019 um 5,3 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro.

Ein gutes Jahr für Schaden- und Unfallversicherer

In der Schaden- und Unfallversicherung kletterten die Beitragseinnahmen 2019 laut Hochrechnung um 3,2 Prozent auf 72,9 Milliarden Euro. Die Leistungen erhöhten sich um 1,7 Prozent auf 53,4 Milliarden Euro. Unterm Strich verbuchten die Unternehmen schwarze Zahlen. Der versicherungstechnische Gewinn dürfte bei 4,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,1 Milliarden Euro) liegen. Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf rund 93 Prozent (Vorjahr: 94,1 Prozent). In der größten Sparte Kraftfahrtversicherung nahmen die Einnahmen um 2,0 Prozent auf 28,5 Milliarden Euro zu, während die Leistungen um 4,5 Prozent auf 25,0 Milliarden Euro kletterten. Damit stieg die Schaden-Kosten-Quote von 96,1 auf 98,0 Prozent. Die Zahl der Verträge in der gesamten Kfz-Versicherung erhöhte sich um 2,0 Prozent auf 121 Millionen. „2019 war damit ein gutes Jahr für die Schaden- und Unfallversicherer“, kommentierte GDV-Präsident Weiler die Zahlen.

Private Krankenversicherung ist kerngesund

Die Beitragseinnahmen der privaten Krankenversicherer verbesserten sich 2019 um 2,3 Prozent auf 40,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 38,0 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung (+2,1 Prozent) und 2,7 Milliarden auf die Pflegeversicherung (+5,2 Prozent). Die ausgezahlten Versicherungsleistungen stiegen um 4,5 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro (Krankenversicherung: 28,4 Milliarden Euro; Pflegeversicherung: 1,5 Milliarden Euro). Der Bestand aus Voll- und Zusatzversicherungen nahm um 1,2 Prozent auf 35,2 Millionen zu.

Die großen Themen für 2020: Klimawandel, Altersvorsorge und EZB-Geldpolitik

Beim Blick in die Zukunft richtet sich der Fokus der Branche derzeit auf drei Kernthemen: die Diskussion um den Klimawandel, die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform der privaten Altersvorsorge und die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Wolfgang Weiler sieht die Versicherungsbranche als Partner der EU-Kommission und Unterstützer des „Green Deal“ zur Bekämpfung des Klimawandels. 

Geht es um die Zukunft der privaten Altersvorsorge, lehnt Weiler Staatsfonds-Lösungen ab und plädiert stattdessen für eine tiefgreifende Reform der geförderten Privatvorsorge. Die gemeinsam mit anderen Verbänden vorgelegten Vorschläge wiesen dafür den Weg, so Weiler. 

Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde forderte der GDV-Präsident dazu auf, eine Trendwende einzuleiten, um die Folgen der Niedrigzinsen für Sparer und Sparklima einzudämmen. Die von der EZB angekündigte Überprüfung der geldpolitischen Strategie werde von der Versicherungswirtschaft in diesem Zusammenhang als große Chance ausdrücklich begrüßt.

Und so startet die Branche mit Rückenwind ins neue Geschäftsjahr: Für 2020 erwartet die Versicherungswirtschaft ein Beitragswachstum von 1,5 bis 2,0 Prozent. Für die Lebensversicherung wird mit einem Zuwachs von gut einem Prozent gerechnet und für die Schaden- und Unfallversicherung mit einem Beitragsplus von 2,5 Prozent. „Neben der schwächeren Konjunktur dämpft das anhaltende, extreme Niedrigzinsumfeld das Wachstum im Versicherungsgeschäft zusätzlich und spürbar“, warnt Wolfgang Weiler. Das überrascht nicht. Der Verweis auf die Risiken darf natürlich nicht fehlen. Es geht hier schließlich um den Verkauf von Versicherungen.

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