Auf der TiAM Investment-Konferenz in Berchtesgaden zeigen die Investmentexperten führender Fondsgesellschaften, welche Renditechancen die verschiedenen Assetklassen bieten. Teil 2: Value-Aktien, Konsumentenkredite und volkswirtschaftlicher Ausblick.
17.04.2026 | 14:55 Uhr von «M. von Arnim, P. Gewalt und J. Kränicke»
Global Value im Fokus: Disziplinierte Aktienauswahl für langfristigen Erfolg
Der zweite Tag der TiAM Investment-Konferenz in Berchtesgaden startet mit Brian McCormick von der Investmentgesellschaft Jupiter Asset Management. Der Fondsmanager präsentiert seinen Ansatz für globales Value-Investing – und er erklärt, warum er die aktuelle Marktlage als historische Chance begreift. Seine Argumentation: Der Ansatz, langfristigen Kapitalzuwachs durch konsequentes Investieren in unterbewertete Aktien weltweit zu erzielen, sei gerade jetzt die passende Antwort auf die gestiegene Unsicherheit an den Kapitalmärkten. Ein disziplinierter, wiederholbarer Investmentprozess sei zielführender als hektisches Hin und Her. McCormick beginnt, um seine These zu unterstreichen, mit einer grundsätzlichen Frage: Was ist eigentlich Risiko? „Während Ökonomen Volatilität messen, Investmentbanken auf Value-at-Risk setzen und viele Vermögensverwalter vor allem den Abstand zum Benchmark fürchten, definiert Jupiter Risiko anders – nämlich als die dauerhafte Vernichtung von Kapital“, so Brian McCormick. Daraus leiteten sich drei Kernprinzipien für erfolgreiches Handeln ab: erstens das Investieren mit einer Sicherheitsmarge, zweitens breite Diversifikation der fundamentalen Risiken und drittens das Beherrschen des eigenen Verhaltens als Investor.
Und so setzt McCormick diese Erkenntnis um: Sein Fonds Jupiter Global Value hält derzeit rund 90 Prozent seiner Positionen in Unternehmen, die außerhalb der USA notiert sind – ein bewusster Gegenentwurf zum MSCI All Country World Index, der von US-amerikanischen Mega-Cap-Wachstumsaktien dominiert wird. McCormick zeigt anhand des Shiller-KGV, dass US-Aktien aktuell auf einem Bewertungsniveau handeln, das historisch nur während der Dotcom-Blase, dem Crash von 1929 und einer möglichen KI-Blase erreicht wurde. Im Gegensatz dazu seien Aktien in Europa, Japan, Brasilien, Hongkong und anderen Märkten deutlich günstiger bewertet, so McCormick. Deshalb investiere er gezielt in kleine, mittlere und große Unternehmen außerhalb der teuren US-Megacaps – in Werte wie Burberry, Swatch, Molson Coors, VTech, Banco do Brasil oder Jardine Matheson. Der Active Share liege bei fast 99 Prozent, was die Eigenständigkeit des Portfolios unterstreiche.
Historische Daten belegten, dass Value als Faktor funktioniere: Günstig bewertete Aktien überträfen den Markt langfristig deutlich. In einer US-Studie über sieben Jahrzehnte erzielten die zehn Prozent günstigsten Aktien eine jährliche Rendite von 15,9 Prozent, während die teuersten nur auf 10,2 Prozent kamen. Der Grund liege laut McCormick in menschlichen Verhaltensfehlern: „Anleger neigen zu Herdenverhalten und kurzfristigem Denken. Diese Fehlbewertungen schafften Chancen für geduldige, disziplinierte Investoren", so McCormick
Schließlich macht der Fondsmanager den Prozess und Struktur seines Portfolios transparent: Der Investmentprozess beginne mit quantitativen Screens aus einem Universum von rund 70.000 Wertpapieren, die auf etwa 2.000 günstig bewertete Kandidaten reduziert würden. Daraus wählt McCormick 400 bis 500 qualitativ hochwertige Unternehmen und baut schließlich ein Portfolio von 60 bis 80 Positionen auf. Dabei achtet der Fondsmanager auf breite Streuung nach Ländern, Sektoren und Marktkapitalisierungen geachtet. Der Fonds bevorzugt zudem familiengeführte Unternehmen mit geringer Verschuldung.
Die Zahlen, die McCormick präsentiert, sprechen für den Ansatz: In den zwölf Monaten bis Februar 2026 erzielte der Fonds eine Rendite von 42,3 Prozent – deutlich mehr als der MSCI ACWI mit 24,2 Prozent. Über drei Jahre liegt der Fonds mit 60,8 Prozent ebenfalls vor dem Index. McCormick sieht darin eine Bestätigung seines Ansatzes.
Gefährliche Inflation: Mit welchen Strategien Anleger ihr Portfolio jetzt stärken können
Jens Franck und Leopold Hartlöhner von der Investmentgesellschaft nordIX gewähren einen Einblick in ihre Einschätzungen zur Zinsentwicklung im geopolitischen Spannungsfeld. Sie präsentieren zwei passende Lösungsansätze, mit denen Investoren ihre Portfolios nun weiter diversifizieren und damit stärken können.
Zu Beginn skizzieren die beiden Referenten das aktuelle makroökonomische Umfeld. Ihre Analyse: Die Inflationsrate in der Eurozone liege derzeit bei rund 2,5 Prozent, die Kerninflation bei etwa 2,3 Prozent. Vor diesem Hintergrund dürfte die Europäische Zentralbank zunächst an ihrem derzeitigen geldpolitischen Kurs festhalten. Zinssenkungen erschienen kurzfristig wenig wahrscheinlich, zumal geopolitische Risiken – etwa steigende Energiepreise infolge internationaler Konflikte – erneut Inflationsdruck erzeugen könnten. Auch in den USA bleibe die geldpolitische Perspektive von Unsicherheit geprägt. Zwar hielte die US-Notenbank perspektivisch Zinssenkungen für möglich, doch könnten diese angesichts eines weiterhin robusten Arbeitsmarktes und steigender Inflationsrisiken weiter nach hinten verschoben werden. Insgesamt geht nordIX für 2026 von einem moderaten Basisszenario aus: solides Wachstum, zeitweise Volatilität an den Märkten und ein Umfeld, in dem Carry-Strategien im Rentenbereich weiterhin dominieren.

Brian McCormick, Investment Manager, Value Equities Team
„Anleger neigen zu Herdenverhalten und kurzfristigem Denken"
Vor diesem Hintergrund bringt Leopold Hartlöhner seinen Zuhörern das Thema Konsumentenkredite näher. Der Markt für Verbraucherkredite in der Eurozone wachse auf mehr als 800 Milliarden Euro an, während in den USA ein Volumen von über fünf Billionen Dollar ausstehe, erklärt er. „Gleichzeitig steigt der Anteil digitaler Kreditplattformen und Fintech-Anbieter kontinuierlich“, so Hartlöhner. Für Investoren sieht er in dieser Anlageklasse strukturelle Vorteile: „Konsumentenkredite zeichnen sich vor allem durch hohe Granularität, stabile Rückzahlungsquoten und eine vergleichsweise geringe Korrelation zu klassischen Kapitalmärkten aus“, so Hartlöhner. Durch digitalisierte Kreditprozesse würden zudem die operativen Kosten sinken, wodurch ein größerer Teil der Zinsmarge den Investoren zugutekomme. Privatinvestoren müssten jedoch viel Aufwand betreiben, um Risiken in diesem sehr speziellen Marktsegment zu minimieren. Genau hier setze der European Consumer Credit Fonds an. Er biete Privatinvestoren einen breit diversifizierten Zugang zu dieser Anlageklasse, denn er investiere breit gestreut in verschiedene Plattformen und Kreditmodelle in Europa.
Im zweiten Investment-Case von nordIX geht Jens Franck auf das Thema Nachranganleihen von Banken und Versicherern ein. Der europäische Bankensektor präsentiere sich heute deutlich stabiler als vor der Finanzkrise, so Franck. Kapitalquoten von durchschnittlich über 16 Prozent, niedrige Ausfallraten bei Krediten und eine solide Profitabilität unterstrichen nach seiner Einschätzung die Widerstandsfähigkeit des Sektors. Gleichzeitig sorge die strenge Regulierung nach Basel III für hohe Transparenz und klare Kapitalstrukturen. In dieser Struktur nähmen Nachranganleihen eine besondere Rolle ein. Sie rangierten im Kapitalgefüge zwischen Eigenkapital und klassischen Anleihen und böten attraktive Renditen. Nach Einschätzung von nordIX stellen sie derzeit den „Sweet Spot“ des Anleiheuniversums dar: Investoren erhielten eine deutlich positive Realverzinsung bei gleichzeitig stabilen Fundamentaldaten der Emittenten. Historisch lieferten entsprechende Strategien – etwa im Fonds „nordIX Renten plus“ – kontinuierliche Realrenditen und nutzen Marktverwerfungen regelmäßig als Re-Investitionschancen, erklärt Jens Franck.
Das Fazit der nordIX-Vorträge fällt entsprechend klar aus: In einem von geopolitischen Unsicherheiten und moderatem Wachstum geprägten Umfeld bleiben selektive Kreditstrategien attraktiv. Konsumentenkredite stellten eine stabile und diversifizierende Ertragsquelle jenseits klassischer Kapitalmarktzyklen dar. Nachranganleihen lieferten strukturelle Überrenditen im regulierten Bankensektor.

Jens Franck, Partner und Leiter Portfoliomanagement nordiX
„Der europäische Bankensektor präsentiere sich heute deutlich
stabiler als vor der Finanzkrise.“
Im Anschluss ging Volkswirt Dr. Martin Lück in seinem Vortrag "Diversifizieren, aber wie? Europa im Sandwich der Supermächte“ geht detailliert auf die neuen geopolitischen Realitäten ein. Der Gründer des Research- und Beratungshauses Macro Monkey, das Vermögensverwalter, Family Offices und andere Unternehmen zu Themen der Makroökonomie, Kapitalmärkte und Geopolitik berät, wirft dabei einen kritischen Blick auf die neuen Realitäten angesichts des Irankriegs und der zunehmenden Verschuldung der Staaten.

Dr. Martin Lück ist Gründer des Research- und Beratungshauses Macro Monkey
„VieleInvestoren gehen davon aus, dass die geopolitische Krisen die Börsen nur
kurzfristig belasten.“
Nach einem Überblich über die unsichere Situation der Weltwirtschaft, die laut Lück allein aufgrund des Irankrieges schwere Schäden nehmen könnte, befasst er sich mit den frischen Rekorden an den Aktienmärkten. „Viele Investoren gehen davon aus, dass die geopolitische Krisen die Börsen nur kurzfristig belasten.“ Ob dies so komme, sei aber unsicher. Grund: Die Gewinnerwartungen für die Unternehmen seien immer noch hoch, negative Veränderungen noch nicht eingepreist. Sollte dies aber wie erwartet eintreten, würden die Gewinnerwartungen reduziert werden und die Bewertungen im Gegenzug zunehmen. Dies berge hohes Rückschlagpotenzial.
Insgesamt würden Indikatoren zeigen, dass die Unsicherheit so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr sei. So sorge auch die massive Verschuldung der Staaten für Verunsicherung. Investorenwürden daher Immer höhere Risikoprämienin Form von Realzinen verlangen. „Die Anleihemärkten sind damit keine so sichere Anlagealternative mehr.“ Auch die US-Zinspolitik unter dem neuen Notenbankchef Kevin Welch könne künftig für Verwerfungen sorgen. Der Vertrauensverlust in den Dollar und das Papiergeld nehme zu. Gold profitiere davon.
Beunruhigend Lücks Ausblick für die USA unter Donald Trump. Lück befürchtet, dass das Land sich auf dem Weg in die Autokratie befinden könnte - mit schwerwiegenden Folgen für den demokratischen Rest der Welt sondern auch für die Kapitalmärkte.
Lücks Rat für Anleger die Anleger: Portfolios sollten breiter diversifiziert werden – nicht nur innerhalb von Aktien, sondern auch über verschiedene Anlageklassen und Regionen hinweg. Lück warnt vor Klumpenrisiken, etwa der starken Konzentration vieler Anleger auf US‑Technologiewerte. Edelmetalle hätten zuletzt gezeigt, wie alternative Anlagen Stabilität schaffen können.
Nächste TiAM Investment-Konferenz in Berchtesgaden
Am Ende der zweitägigen TiAM Investment-Konferenz hatten die Teilnehmer reichlich Meinungen und Fakten gesammelt, um sich über die Zukunft Deutschlands, aber auch für ihre künftigen Investmententscheidungen Gedanken zu machen. Bis zur nächsten TiAM Investment-Konferenz am Tegernsee am 25. und 26. AJuni 2026 sollte genug Zeit sein, die aufgenommenen Informationen für sich oder die Kunden gewinnbringend zu verarbeiten.
Hier lesen Sie Teil 1 der Berichterstattung zur TiAM Investment-Konferenz.
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