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Der Wind hat sich gedreht: Erneuerbare Energien sind wieder „In“.
Energie

Strom statt Öl: Warum diese Erneuerbare-Energien-Fonds jetzt so gefragt sind

Nicht erst seit dem Iran-Krieg sind Erneuerbare Energien wieder gefragt. Nach vier mageren Jahren hat der Sektor bereits 2025 ein spektakuläres Comeback hingelegt.

15.04.2026 | 10:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Nicht erst seit dem Iran-Krieg sind Erneuerbare Energien wieder gefragt. Nach vier mageren Jahren hat der Sektor bereits 2025 ein spektakuläres Comeback hingelegt. Für Anlageberater und Vermögensverwalter stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wie man positioniert ist. Spätestens der Militäreinsatz in Venezuela und der Krieg am Golf haben der Welt vor Augen geführt, wie riskant es ist, sich auf fossile Brennstoffe als zentrale Quelle für die Wirtschaft zu verlassen. Es ist eben nicht nur der Klimaschutz, der Politiker und Unternehmen zum Umdenken zwingt, sondern die schlichte Einsicht, dass Energiesicherheit nicht zu gewinnen ist, wenn wichtige Lieferanten die Lieferrouten aus bösem Willen einfach schließen können. Oder wenn übermütige und unberechenbare Staatenlenker Kriege vom Zaun brechen. Nun besinnt man sich wieder auf die mittlerweile auch günstigen Alternativen.

Der Trendwechsel hat bereits im Verlauf des vergangenen Jahres eingesetzt. Dabei standen die Vorzeichen für die Erneuerbaren Energien zunächst auf Rot. Noch zum Jahresbeginn 2025 hätte wohl kaum jemand auf den Sektor gewettet. Die US-Regierung unter Donald Trump ließ erkennen, dass Nachhaltigkeit aus dem politischen Vokabular gestrichen würde. Der Inflation Reduction Act, die größte Klimainvestitionsoffensive der amerikanischen Geschichte, schien auf der Abschussliste zu stehen. Die Stimmung war jedoch miserabler als die Auftragslage der Unternehmen. Denn verbesserte Fundamentaldaten, nachlassender Finanzierungsdruck und steigende Stromnachfrage aus der Industrie sorgten bei Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien für einen realwirtschaftlichen Boom, der sich schließlich auch in den Kursen an der Börse ausdrückte. Viele Investoren, die die Zahlen richtig interpretierten, griffen zu. Nach neun Quartalen mit Nettoabflüssen investierten allein europäische Anleger im letzten Quartal 2025 wieder fast 900 Millionen Euro in Fonds mit Fokus auf saubere Energien. Aktien aus diesem Bereich übertrafen 2025 schließlich die globalen Aktienmärkte. Der Morningstar Global Renewable Energy Index schloss das Jahr in Euro mit einem Plus von fast zehn Prozent– und ließ damit den klassischen Energieindex Morningstar Global Energy weit hinter sich. 

KI als unerwarteter Turbo

Ein wichtiger Treiber für die höhere Nachfrage nach Erneuerbaren Energien kommt aus einer Ecke, die vor wenigen Jahren noch niemand auf der Rechnung hatte: Künstliche Intelligenz. KI-Rechenzentren verschlingen Strom in einer Dimension, die das Netz an seine Grenzen bringt. Xavier Chollet, Manager des Pictet Clean Energy Transition Fund, schätzt, dass sich das Wachstum der Stromnachfrage in den USA mindestens vervierfachen wird – angetrieben durch KI-Rechenzentren, die Elektrifizierung der Wirtschaft und den Ausbau energieintensiver Fertigungsprozesse wie die Produktion von Halbleitern und Batterien. 

Kein Zyklus, sondern strukturell steigende Nachfrage

Hinzu kommt die prekäre wirtschaftliche und politische Situation Europas. Die Abhängigkeit von russischem Gas hat den Kontinent politisch aufgerüttelt wie kaum ein Ereignis zuvor. Das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität setzt zusätzliche Investitionsimpulse frei, die direkt den Unternehmen zugutekommen, in die grüne Fonds investieren: Windturbinenhersteller, Netzbetreiber, Solar-Tracker-Produzenten, Stromspeicher-Entwickler. Die Zinswende hilft, ist aber nicht der ganze Erklärungsansatz Ein verbreiteter Irrtum: Die Erholung des Sektors sei lediglich ein Zinssenkungsreflex. Richtig ist, dass das Segment kapitalintensiv ist und sinkende Zinsen die Projektfinanzierung verbilligen. Doch Robeco-Senior-Portfoliomanager Roman Boner erklärt, der Aufschwung sei sowohl fundamental als auch eine Neubewertung gewesen, wobei die fundamentale Komponente weit wichtiger war, als viele erwartet hatten. Nach Jahren übermäßigen Pessimismus hätten die Gewinnerwartungen weit unter der tatsächlichen Entwicklung gelegen – ein klassisches Setup für eine Aufholrally. Für Berater bedeutet das: Diesen Sektor sollten sie auf dem Schirm behalten. 

Darum aktiv und nicht passiv

Die ETF-Industrie hat auch dieses Thema besetzt, und manche Benchmarks sind auf den ersten Blick verlockend günstig. Doch ausgerechnet beim Thema Erneuerbare Energien zahlt sich aktives Management besonders aus. Aktiv gemanagte Erneuerbare-Energien-Fonds können Verlustbringer abstoßen und mehr Stabilität in ihre Wertentwicklung bringen, indem sie den Branchenbegriff sehr weit fassen und in große Unternehmen investieren. Xavier Chollet von Pictet weist auf eine konkrete Gefahr hin: Das größte Risiko seien passive Strategien oder übermäßig aggressive aktive Strategien. Dazu zählten verlustbringende Geschäftsmodelle wie etwa die Produktion grünen Wasserstoffs oder die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung neuer Arten von Elektrofahrzeugen sowie der dazugehörigen Technologien. Gerade Aktien von Startups können innerhalb eines Jahres stark ansteigen und dann 90 Prozent ihres Wertes verlieren. Aktive Manager können solche Risiken herausfiltern ihren Mehrwert gegenüber passiven Strategien dabei unter Beweis stellen.

Wo sich Stock-Picking tatsächlich auszahlt

Zu den Spitzenreitern in Sachen Performance zählte in den zurückliegenden zwölf Monaten der BNP Paribas Funds Clean Energy Solutions (ISIN: LU0823414635). Der aktiv gemanagte globale Aktienfonds konzentriert sich auf Unternehmen, die Lösungen für die Energiewende und Dekarbonisierung entwickeln. Die beiden verantwortlichen Fondsmanager Ulrik Fugmann und Edward Lees investieren entlang der gesamten Wertschöpfungskette der sauberen Energie, etwa in erneuerbare Energieerzeugung, Energietechnologien, Infrastruktur, Speicherlösungen oder nachhaltige Mobilität.

 Auch der Schroder ISF Global Energy Transition A (ISIN: LU2016064201) verfolgt eine aktiv gemanagte globale Aktienstrategie, die auf den strukturellen Wandel des Energiesystems hin zu kohlenstoffarmen Technologien ausgerichtet ist. Mindestens 75 Prozent des Vermögens werden in nachhaltige Unternehmen investiert, die wesentlich zum Übergang zu emissionsärmeren Energiequellen beitragen – etwa in Bereichen wie erneuerbare Energieproduktion, Netzinfrastruktur, Energiespeicherung oder entsprechende Technologie- und Materiallieferanten. Ein Teil der Unternehmen erzielt bereits mindestens die Hälfte seines Umsatzes aus solchen Aktivitäten, während andere als Schlüsselakteure der Energiewende gelten. Der Fonds wird von Mark Lacey, Felix Odey und Alexander Monk verwaltet.

Der holländische Qualitätsmanager Robeco setzt mit dem 2020 aufgelegten Robeco Smart Energy (LU2145462052) den Fokus auf folgende Themen: saubere Energieerzeugung, Smart Grids, Energiespeicher, Energieeffizienz in Industrie, Gebäuden und Mobilität sowie – zunehmend relevant – Energieversorgung für Rechenzentren. Portfoliomanager Roman Boner und sein Team sind konsequent fundamentalgetrieben. Die jüngste Zwölf-Monats-Performance liegt bei beachtlichen 89 Prozent – einer der stärksten Werte unter den aktiv gemanagten Konkurrenten. 

Der Veteran unter den spezialisierten Erneuerbare-Energien-Fonds ist der Pictet – Clean Energy Transition (LU0280435388). Seit 2007 am Markt, verwaltet in Luxemburg, aktiv gemanagt von Xavier Chollet und seinem Team. Das Portfolio deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: Solarerzeuger, Windturbinenhersteller, Netzbetreiber, Energieeffizienz-Unternehmen und die sogenannten „Enabling Technologies" wie Leistungshalbleiter und Stromspeicher. Zuletzt wurde die Solarquote massiv erhöht – mit beeindruckendem Resultat. Top-Position im Portfolio war zuletzt NextTracker, ein US-Hersteller von Solar-Tracking-Systemen.

Zehn ausgewählte aktiv gemanagte Fonds

ISIN Fonds Volumen in Mio. Euro Perf. 1J Perf. 3J p.a. Lfd. Kosten
LU0823414635 BNP Paribas Funds Clean Energy Solutions C Cap 981 100,26% -0,95% 3,90%
LU2145462052 Robeco Smart Energy E EUR 3.963 89,12% 17,98% 1,86%
LU2016064201 Schroder ISF Global Energy Transition A Acc EUR 901 60,52% -5,41% 2,31%
AT0000A2KVU9 ERSTE Green Invest EUR D01 (VTIA) 510 55,46% 6,94% 1,22%
LU0280435388 Pictet – Clean Energy Transition P EUR 4.318 55,26% 14,48% 2,04%
IE00BNGJJ156 KBI Global Energy Transition Fund G EUR 856 41,85% 2,58% 0,76%
LU1863261647 DWS Invest ESG Climate Opportunities LD 532 33,64% 8,79% 1,85%
LU0302296149 DNB Fund – Renewable Energy A (ACC) EUR 184 29,57% -1,70% 1,61%
LU0348926287 Nordea 1 – Global Climate & Environment Fund BI EUR 7.393 24,35% 8,22% 0,80%
IE00BH3Q8P46 Wellington Global Stewards Fund USD D AccU 2.200 14,46% 8,23% 1,42%

Quelle: FVBS professional

Fazit: Erneuerbare Energien sind kein Nachhaltigkeitsbonus für das gute Gewissen, sondern ein Infrastrukturthema mit handfester Nachfragelogik. KI, Elektrifizierung, Energieunabhängigkeit – alle drei Treiber zeigen in dieselbe Richtung. Aktiv gemanagte Fonds, die das Universum breit interpretieren und Qualitätsfilter konsequent anwenden, dürften in diesem Umfeld gegenüber starren Indexstrategien im Vorteil sein. Wer als Berater diese Fonds seinen Mandanten empfiehlt, sollte jedoch auch nicht die Risiken verschweigen. Der Sektor hat zwischen 2021 und 2024 brutal gelitten. Solche Rücksetzer sind möglich. Zudem gilt: Strukturwandel braucht Zeit. Langer Atem ist deshalb bei Investitionen in diesem Bereich wichtig.

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