TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Langfristiges Investieren ist sowas von 90er – aber erfolgreicher als zu zocken.
13.04.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»
Aufruf an alle, die sich derzeit angesichts der jüngsten Börsenkapriolen, ausgelöst von Donald Trumps Golf-Krieg, die Augen reiben und täglich verzweifelt ihre Depotstände checken: Gehen Sie weiter. Hier gibt es nichts zu sehen. Beschäftigen Sie sich lieber mit den schönen Dingen des Lebens und warten Sie ab. Am Ende wird alles gut.
Leider beherzigen viel zu wenige Anleger diesen Rat. Derzeit herrscht an den Börsen hitzige Betriebsamkeit. Und immer mehr Privatinvestoren, insbesondere in Europa und ganz besonders in Deutschland, verlassen das Spielfeld aus Frust. Die Nettozuflüsse in europäische Börsenprodukte wie Fonds, ETFs und ETCs, sind im März gegenüber den beiden Vormonaten um fast 80 Prozent eingebrochen und mit 9,4 Milliarden Euro heute so niedrig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Dafür sind jetzt wieder Geldmarktfonds gefragt. Und in Deutschland das gute alte Sparbuch. Oder das unverzinste Girokonto. Aua.
Man muss sich allerdings nicht wundern. In Deutschland ist immer noch keine Generation von Aktionären herangewachsen, die das Wesen von Aktien versteht – nämlich, dass die Aktie langfristig die renditestärkste Anlageklasse ist. Die Betonung liegt auf langfristig. Über 20 Jahre hinweg sind durchschnittliche jährliche Renditen von acht Prozent locker machbar. Kurzfristig kann man mehr verdienen – aber auch verlieren. Das ist die Chance und das Risiko höherer Volatilität. Irgendwie scheint dieser Zusammenhang bei der jüngsten Generation der Privatanleger noch nicht angekommen zu sein. Im Gegenteil. Zwar haben hierzulande jüngere Anleger in den vergangenen Jahren vermehrt Spaß am Investieren gefunden. Bis Ende 2025 haben laut den historischen Daten des Deutschen Aktieninstituts (DAI) rund 14 Millionen Menschen in Deutschland in Aktien, Aktienfonds oder ETFs investiert. Das sind doppelt so viele Menschen wie noch im Jahr 2008, kurz vor der Finanzkrise.
Doch es gibt zwei entscheidende Unterschiede zwischen heute und damals: nämlich die Aufmerksamkeitsspanne der privaten Aktionäre und die Haltedauer bei Aktien. Laut einer Untersuchung der Psychologin und Informatikprofessorin Gloria Mark von der University of California schauen sich Menschen heute durchschnittlich nur noch siebenundvierzig Sekunden einen bestimmten Bildschirminhalt an. Im Jahr 2004 waren es noch zweieinhalb Minuten. Dazu kommt nicht nur der in den vergangenen Jahren gestiegene Impulsdruck, schnell reagieren zu müssen, sondern auch die technische Möglichkeit, dies sofort zu tun. Die nächste Trading-App ist nur einen Fingerwisch von reißerischen Online-News und vom TikTok-Finfluencer entfernt, der eindrücklich und mit großer Geste und weit aufgerissenen Auggen rät, jetzt, sofort zu kaufen oder zu verkaufen.
Dass die Volatilität der Aktienkurse in den vergangenen Wochen mit jeder halbgaren Verlautbarung des scheinbar irrlichtenden US-Präsidenten angestiegen ist, ist deshalb kein Zufall. Zumal Donald Trump virtuos auf dieser Klaviatur spielt, um sich und die Seinen zu bereichern. Er verängstigt den Kapitalmarkt immer wieder mit Ankündigungen, die er dann nicht oder nur teilweise umsetzt. So können er und die Eingeweihten, die ihm nahestehen, im Vorfeld mit ihrem Insiderwissen jeweils Aktien verkaufen oder kaufen und zweimal in Folge riesige Gewinne einfahren. Dabei geht es nicht um Millionen, sondern um Milliarden US-Dollar. Wer „Taco“ (Trump always chickens out) für Wankelmut des US-Präsidenten hält und ihn dafür verspottet, hat vermutlich nur das gewinnbringende Prinzip dahinter nicht verstanden.
Zurück zu den TikTok-getriebenen Aktionären: Vielleicht sind die vergangenen Wochen ja heilsam. Anstatt aus Frust nun das Weite zu suchen, lernen die Börsenneulinge, die in den vergangenen Jahren fast nur steigende Kurse kennengelernt haben und nun am Daytrading scheitern, dass sich langfristiges Investieren mehr lohnt als kurzfristiges Zocken. Denn noch immer gilt die alte Börsenweisheit: Hin und Her macht die Taschen leer. Will heißen: Privatanleger, die sich vom hektischen Auf und Ab an den Kapitalmärkten verrückt machen lassen und ständig versuchen, mit Käufen und Verkäufen den gerade aktuellen Tagestrend optimal zu für sich zu nutzen, erreichen damit in der Regel das Gegenteil.
Zocken ist ein Spiel mit dem Teufel, der leider immer mindestens drei Trümpfe in der Hand hält: den Spread – also die Differenz zwischen An- und Verkaufspreisen, die Abwicklungsgebühren, die es zusätzlich erschweren, einen kurzfristigen Gewinn zu erzielen sowie die professionellen Akteure, die mithilfe ausgeklügelter Software, börsennahen Rechenzentren und dicken Datenleitungen den Privatanlegern immer mindestens eine Nasenlänge voraus sind. Von den politischen Insidern, die mit gezinkten Karten spielen, ganz zu schweigen. Sprich: Wer als privater Akteur glaubt, er könne den Markt kurzfristig austricksen, liegt mit dieser Meinung fundamental falsch. Und bezahlt diesen Irrtum in der Regel teuer.
Langfristiges, stetiges Investieren jedoch zahlt sich aus. Immer. Vielleicht setzt sich diese Erkenntnis ja tatsächlich irgendwann auf breiter Basis durch. Es wäre zu wünschen. Bis dahin gilt, siehe oben: Bleiben Sie investiert. Gehen Sie unbeirrt weiter. Denn es gibt nichts zu sehen. Beschäftigen Sie sich lieber mit den schönen Dingen des Lebens und warten Sie ab. Am Ende wird alles gut.
Am Dienstag öffnet die Aircraft Interiors Expo ihre Tore. Auf der Internationalen Ausstellung rund um Flugzeug-Innenausstattung präsentieren die Hersteller unter anderem vermutlich auch neue Ideen, wie man noch mehr Passagiere in die Flugzeuge pressen kann. Hier eine Anregung: In früheren Jahrhunderten haben sich Kirchenbänke bewährt. Die Erfahrung könnte man nutzen. Vorteile: Platzsparendes Knien und Abstützmöglichkeiten für die Ellenbogen, Aufpreise für Polsterungen möglich; keine Ablagemöglichkeiten für Persönliches, dadurch geringerer Reinigungsaufwand, geringerer Kapitaleinsatz als bei Schalensitzen. Außerdem spart man die Rettungswesten und die albernen Vorführungen, wie man sie aufzublasen hat. Braucht eh kein Mensch. Oder haben Sie so ein Ding schon einmal übergestreift? Also. Und das Beste: Die Erreichbarkeit der Knöpfe, um sich beim Kabinenpersonal zu beschweren, wird reduziert.
Von Mittwoch bis Freitag finden in Berlin die Online-Energietage 2026 statt. Diskutiert werden die zentralen Herausforderungen der Energiewende. An den Energietagen 2026 beteiligen sich über 100 Institutionen aus Politik, Verbänden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mit eigenen Veranstaltungen. Damit bilden sie das gesamte Spektrum der energie- und klimapolitischen Debatte ab. Zu den Schirmherren zählen u.a. das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) sowie das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Ernsthaft: Niemals war das Thema Energiewende so wichtig wie heute – und zwar nicht nur aus Umweltschutzgründen.
Am Donnerstag veröffentlicht Chinas Statistikamt die Wachstumszahlen für das erste Quartal 2026. Es könnte eine interessante Veranstaltung werden, wenn das Amt keine Märchenstunde inszeniert, sondern bei der Wirklichkeit bleibt. 2025 stand Chinas Wirtschaft wegen der nationalen Immobilienkrise, des globalen Handelskonflikts mit den USA und der schwachen Inlandsnachfrage vor großen Hürden. In den vergangenen Jahren setzte sich Peking stets ambitionierte Ziele für sein Wirtschaftswachstum. Derzeit verhindert die Regierung jedoch mit Milliardensubventionen eben noch so, dass die Wirtschaft in die Rezession rutscht.
Am Freitag veröffentlicht die ungarische Statistikbehörde aktuelle Zahlen zur Entwicklung der Bruttolöhne in Ungarn. Porträtiert wird die prozentuale Veränderung der Löhne gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die Löhne werden als durchschnittlicher Monatsverdienst der arbeitenden Bevölkerung der Wirtschaft angegeben. Die Steigerungsraten waren in den vergangenen Monaten und Jahren leicht rückläufig. Im vergangenen Monat sind die offiziellen Zahlen in der Statistik plötzlich in die Höhe geschossen. Angeblich verdient jeder Ungar heute 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Kaum zu glauben. Haben offensichtlich auch die Ungarn selbst gedacht. Die vermutlich geschönte Statistik hat Viktor Orbán jedenfalls nicht mehr geholfen.
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