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Bewertung, Qualität und Momentum: Fünfjahres-Outperformance ohne die „Magnificent 7“

Chris Hart, Portfoliomanager des Robeco BP Global Premium Equities
Interview

Der Robeco BP Global Premium Equities Fonds zählt seit langem zu den besten weltweit anlegenden Aktienfonds und konnte über die letzten 5 Jahre den MSCI World schlagen – ohne in die „Magnificent 7“ investiert zu sein. Chris Hart, Portfoliomanager bei Boston Partners, erklärt im Interview die Erfolgsstrategie des Fonds und weshalb Anleger gerade jetzt investieren sollten.

15.04.2026 | 12:30 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundResearch: Die Märkte sind volatil wie lange nicht mehr. Welche Chancen sehen Sie aktuell für Anleger, die ihr Portfolio widerstandsfähiger aufstellen möchten?

Chris Hart: Auch wenn das derzeitige Marktumfeld viele verunsichert: Für Value‑Investoren, die in Qualitäts-Aktien investieren, eröffnet genau diese Unsicherheit spannende Möglichkeiten. Seit 2020 haben sich die Märkte stark auf einige wenige große Tech-Unternehmen konzentriert. Viele global aufgestellte Firmen wurden dadurch mit spürbaren Bewertungsabschlägen gehandelt – obwohl ihre Fundamentaldaten, Cashflows und ihr Gewinnmomentum teilweise genauso gut oder sogar besser sind als die der populären Wachstumstitel. Gerade in solchen Phasen, in denen Anleger mehr auf Schlagzeilen als auf Substanz achten, entstehen attraktive Chancen für einen aktiven, fundamental getriebenen Ansatz wie unseren.

Welche Rolle spielt dabei die Qualität der Unternehmen?

Eine ganz entscheidende. Wir suchen bewusst nach Unternehmen mit stabilen Cashflows, gesunden Bilanzen und positiver Geschäftsentwicklung. Sobald sich die Aufmerksamkeit des Marktes wieder stärker auf die Fundamentaldaten richtet, wird sich das Renditepotenzial solcher Firmen besonders deutlich entfalten.

US-Technologieunternehmen sind weiterhin extrem dominant. Wie hilft Ihr Fonds Anlegern, breiter zu investieren?

Tatsächlich hängt ein großer Teil der globalen Aktienmarktentwicklung heute an wenigen Mega‑Cap‑Technologie-Werten – allen voran in den USA. Der MSCI World beispielsweise besteht zu über 70 Prozent aus nordamerikanischen Unternehmen. Das führt zu einer sehr einseitigen Abhängigkeit, vor allem für passive Investoren, die diese Konzentration automatisch mitkaufen. Wir gehen bewusst einen anderen Weg. Unser Portfolio wird vollständig Bottom-up aufgebaut und konzentriert sich ausschließlich auf jene Bereiche des Marktes, in denen Bewertung, Qualität und Momentum attraktiv zusammenspielen. Wir jagen keiner kurzfristigen Performance hinterher und kaufen auch keine überteuerten Wachstumsstories.

Wie stark weicht denn Ihre regionale und sektorale Positionierung vom Markt ab?

Sehr deutlich – die USA machen aktuell nur etwa ein Drittel des Fonds aus, Technologie ist klar untergewichtet. So entsteht automatisch ein Portfolio mit hohem Active Share, das weniger abhängig ist von der Entwicklung einiger weniger Titel und dadurch stabilere Ertragsquellen bietet.

Ihr „Three-Circle-Modell“ aus Bewertung, Fundamentaldaten und Momentum ist zentral für Ihre Strategie. Wie greifen diese Faktoren ineinander?

Unser „Three Circles“-Modell ist seit vielen Jahren der Kern unseres Investmentprozesses, und das aus gutem Grund. Wir verfolgen einen strikt bottom‑up-orientierten Ansatz und investieren nur dann, wenn Bewertung, Qualität und Momentum gleichzeitig überzeugend sind. Das bedeutet: Ein Unternehmen muss attraktiv bewertet sein, gleichzeitig fundamental stark dastehen und zusätzlich eine klare Verbesserung im Gewinntrend zeigen. Erst wenn alle drei Aspekte stimmig sind, wird eine Aktie für uns investierbar.

Welche Vorteile bringt die Kombination dieser drei Faktoren mit sich?

Diese Kombination sorgt dafür, dass wir weder überteuerten Wachstumswerten hinterherlaufen noch in klassische Value Traps geraten. Die Bewertungsdisziplin schützt uns davor, zu viel für ein Unternehmen zu bezahlen. Die Analyse der Fundamentaldaten stellt sicher, dass wir nur in Firmen investieren, die ihre Geschäftsmodelle operativ erfolgreich umsetzen. Und das Momentum zeigt uns, ob sich die Ertragslage tatsächlich verbessert – oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit verbessern wird.

Seit wann verfolgt Ihr Haus dieses „Three Circles“-Modell?

Dieses Zusammenspiel der drei Faktoren hat sich über mehr als drei Jahrzehnte bewährt. Es ermöglicht uns, Fehlbewertungen systematisch zu erkennen und auszunutzen – unabhängig davon, wie laut die Schlagzeilen sind oder welche makroökonomischen Themen gerade dominieren. Für Anleger bedeutet das: Sie erhalten einen Ansatz, der nicht auf Intuition oder Marktstimmungen basiert, sondern auf einem konsistenten, wiederholbaren Prozess, der in sehr unterschiedlichen Marktumfeldern zuverlässig funktioniert.

Warum legen Sie Wert darauf, auch in mittelgroße und kleinere Unternehmen zu investieren?

Viele Anleger fokussieren sich aktuell fast ausschließlich auf die großen Namen, die jeder kennt. Seit COVID haben die Mega Caps praktisch die gesamte Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gleichzeitig gibt es weltweit eine enorme Anzahl an mittelgroßen und kleineren Unternehmen, die qualitativ hervorragend sind, aber kaum Beachtung finden – und deren Bewertungen sehr attraktiv sind.

Welchen Weg verfolgen Sie, um diese Titel zu finden?

Unser Researchteam analysiert mehr als 7.000 Unternehmen weltweit. Dadurch finden wir Chancen, die in großen Indizes kaum vertreten sind. Genau hier sehen wir derzeit besonders viele interessante Ideen. Gerade wenn sich die Gewinnentwicklung – wie erwartet – im Jahr 2026 wieder auf breitere Schultern verteilt, könnten diese Unternehmen deutlich profitieren.

Wie stellen Sie sicher, dass das Portfolio des Robeco BP Global Premium Equities Fonds nicht von einzelnen Positionen dominiert wird?

Auch wenn wir einen klar fokussierten Stil verfolgen, ist unser Risikomanagement breit aufgestellt. Keine Position darf größer werden als fünf Prozent. Wir bauen Positionen nur dann weiter aus, wenn das Momentum und die Fundamentaldaten die nächsten Schritte bestätigen. Wichtig ist auch: Unsere Regeln orientieren sich nicht am Index. Wir lassen uns nicht von Benchmark‑Gewichten leiten, sondern ausschließlich von unserem Prozess.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Verkaufsprozess?

Die Verkaufsdisziplin ist genauso entscheidend. Wir steigen aus, wenn ein Titel unser Preisziel erreicht oder wenn das Momentum dauerhaft nachlässt. So verhindern wir, dass einzelne Werte übermäßig dominieren oder dass wir Gewinne zu spät realisieren. Dadurch entsteht ein Portfolio, das stilistisch sehr klar ist, aber keineswegs riskant konzentriert.

Der Fonds hat den MSCI World über fünf Jahre geschlagen. Was steckt hinter diesem Erfolg?

Diese Outperformance basiert nicht auf Glück oder einzelnen Sondereffekten, sondern auf strukturellen Faktoren. Unsere Bewertungsdisziplin sorgt dafür, dass wir nie zu viel für ein Unternehmen bezahlen. Gleichzeitig investieren wir nur in qualitativ starke Unternehmen und achten sehr genau auf positive operative Trends. Dabei waren die vergangenen fünf Jahre extrem abwechslungsreich – von einem starken Jahr 2021 über ein sehr herausforderndes Jahr 2022 bis zu den außergewöhnlich engen Märkten in 2023 und 2024. 2025 wiederum konnten wir mit starker Titelselektion und einer geringeren Abhängigkeit vom US‑Markt klar punkten. Bemerkenswert ist vor allem: Wir haben diese Fünfjahres‑Outperformance erzielt, ohne in die „Magnificent 7“ investiert zu sein.

Viele Value-Strategien geraten in sogenannte Value Traps. Wie verhindern Sie das?

alue Traps entstehen oft dann, wenn man sich nur auf die Bewertung konzentriert und die operativen Schwächen eines Unternehmens ignoriert. Genau das vermeiden wir konsequent. Eine niedrige Bewertung ist für uns lediglich der Ausgangspunkt, niemals der Grund für ein Investment. Wir investieren erst dann, wenn das Unternehmen auch operativ überzeugt – und wenn das Momentum positiv ist oder absehbar wird. Sollte sich das erwartete Momentum nicht einstellen, reagieren wir schnell und steigen aus. Dadurch begrenzen wir Risiken in strukturell schwachen Bereichen und stellen sicher, dass wir in positiven Marktphasen dennoch voll partizipieren können.

Welcher Anlegertyp profitiert besonders von Ihrem Ansatz?

Unsere Strategie eignet sich besonders für Anleger, die ein stabiles und global breit diversifiziertes Kerninvestment suchen. Viele möchten die starken Konzentrationsrisiken in techlastigen Indizes reduzieren oder ihren Anteil an US‑Mega‑Caps bewusst verringern. Für genau diesen Anspruch ist der Fonds hervorragend geeignet.

Welche Rolle kann der Fonds innerhalb eines Portfolios einnehmen?

Innerhalb eines Portfolios kann der Fonds ganz unterschiedliche Rollen einnehmen: als solider Kernbaustein, als Stabilisator in volatilen Marktphasen oder als Diversifikator gegenüber passiven Indexstrategien. Und natürlich auch als Performance‑Treiber, sobald Bewertungen am Markt wieder stärker in den Vordergrund rücken. In Summe hilft die Strategie Anlegern dabei, ihr Portfolio breiter, robuster und langfristig zukunftssicherer aufzustellen.

Herr Hart, ich danke für das Gespräch.


Hier erfahren Sie noch mehr über die Strategie des Robeco BP Global Premium Equities.

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