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TiAM Investment-Konferenz Neuschwanstein Teil 2: Anlagetrends vor Traumkulisse

Blick auf Schloss Hohenschwangau bei Neuschwanstein
TiAM Investment-Konferenz

Auf der TiAM Investment-Konferenz bei Neuschwanstein am Alpsee zeigen die Investmentexperten führender Fondsgesellschaften, welche Renditechancen die verschiedenen Assetklassen bieten. Teil 2: Künstliche Intelligenz, Contrarian-Ansatz und globale Wachstumstrends

16.10.2026 | 14:30 Uhr von « P. Gewalt und J. Kränicke»

Der zweite Tag der TiAM Investment-Konferenz begann mit einem informativen Vortrag von Christopher Lang, der sich in seinem Vortrag „Zwischen KI-Algorithmen und menschlicher Expertise: Ist Research-Software wie FVBS professional noch zeitgemäß?" dem Nutzen der Fondsdatensoftware FVBS für Berater widmete.

Christoph Lang, Geschäftsführer TiAM Advisor Services
Christoph Lang, Geschäftsführer TiAM Advisor Services

Christoph Lang, Geschäftsführer TiAM Advisor Services

„Wir stehen auf den Schultern von allen Menschen, die wissenschaftliche Arbeit für uns geleistet haben.“

Lang zeigte in seinem Vortrag, wie Künstliche Intelligenz die Informationsbeschaffung, Datenanalyse und Arbeitsprozesse in der Finanzbranche grundlegend verändert. Dabei erläuterte er, dass Nutzer immer häufiger direkt mit KI-Systemen interagieren und Informationen erhalten, ohne die ursprünglichen Quellen oder Webseiten aufzurufen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Zusammenspiel von KI, Automatisierung und spezialisierter Finanzsoftware wie FVBS, mit deren Hilfe sich umfangreiche Fonds- und Unternehmensdaten deutlich effizienter auswerten lassen. 

Lang machte deutlich, dass solche Systeme künftig nicht nur Analysen unterstützen, sondern zunehmend eigenständig Aufgaben übernehmen und Entscheidungen vorbereiten können. Gleichzeitig betonte er, dass der Mensch trotz aller technologischen Fortschritte unverzichtbar bleibt und KI vor allem als Werkzeug zur Erweiterung menschlicher Fähigkeiten verstanden werden sollte. 

„Wir stehen auf den Schultern von allen Menschen, die wissenschaftliche Arbeit für uns geleistet haben.“ Damit unterstrich Lang, dass Künstliche Intelligenz nicht isoliert agiert, sondern auf dem Wissen und den Erkenntnissen aufbaut, die Menschen über Jahrzehnte geschaffen haben

Gewinnen mit dem Contrarian-Ansatz

An der Börse ist übertriebener Pessimismus nicht immer schlecht. Mitunter entsteht gerade dann eine Anlagechance, wenn Anleger die Aussichten eines Unternehmens besonders skeptisch beurteilen und der Aktienkurs dadurch deutlich unter den langfristig gerechtfertigten Wert treiben. Genau hier setzte der Vortrag von Markus Hampel, Managing Director Germany bei MFS, am zweiten Tag der TiAM Investmentkonferenz in Neuschwanstein an. Hampel erläuterte am Beispiel des MFS Meridian Funds – Contrarian Capital Fund den antizyklischen Investmentansatz von MFS: Unternehmen zu finden, deren Wert und wirtschaftliches Potenzial, durch negative Nachrichten über einen ganzen Sektor unterschätzt wird. „Der Markt neigt oft zu Übertreibung und echte Perlen werden mit einem ganzen Sektor über einen Kamm geschert.“

Hampel machte dabei dem Auditorium deutlich, dass es dabei nicht allein entscheidend ist, wie günstig eine Aktie bewertet ist oder wie stark sie an Wert verloren hat. Das Fondsmanagement will laut Hampel vielmehr erkennen, ob die negative Einschätzung der Börse übertrieben ist und sich die Perspektiven des Unternehmens verbessern können. MFS sucht gezielt nach Aktien, bei denen die Erwartungen des Marktes und der eigene Blick auf den Unternehmenswert auseinandergehen. Dabei berücksichtigt es unterschiedliche Situationen: von günstig bewerteten Unternehmen über Restrukturierungsfälle bis hin zu Firmen, deren wirtschaftliche Aussichten sich aufhellen und dies vom Markt noch nicht eingepreist ist.

Geduld ist gefragt

Das erfordert Geduld. Eine Aktie kann demnach lange günstig bleiben, wenn Anleger Zweifel am Geschäftsmodell haben oder eine Erholung nicht absehbar ist. Ein antizyklischer Ansatz funktioniert laut Hampel daher nicht automatisch. Er setzt voraus, dass Zielunternehmen finanziell solide aufgestellt sind und somit einen langen Atem haben können, bis die erwartete Verbesserung tatsächlich eintritt.

Eine zentrale Rolle spielt dabei laut Hampel die sogenannte Sicherheitsmarge. Darunter versteht man den Abstand zwischen dem geschätzten inneren Wert einer Aktie und ihrem Börsenkurs. Je deutlicher der Kurs unter dem angenommenen Unternehmenswert liegt, desto größer ist grundsätzlich dieser Puffer. Er soll helfen, Fehleinschätzungen abzufedern. Eine Garantie gegen Verluste gibt es allerdings nicht, denn auch die Berechnung des inneren Werts beruhe auf Annahmen.

Markus Hampel, Managing Director MFS
Markus Hampel, Managing Director MFS

Markus Hampel, Managing Director, MFS

„Der Markt neigt oft zu Übertreibung und echte Perlen werden mit einem ganzen Sektor über einen Kamm geschert.“ 

Die Umsetzung des Contrarian-Ansatz erfolgt laut Hampel in mehreren Schritten. Zunächst identifiziert das MFS-Team Unternehmen, bei denen ein klarer Marktkonsens fehlt. Anschließend analysiert es die wirtschaftlichen Perspektiven und das Chancen-Risiko-Verhältnis der einzelnen Aktien. Erst danach entscheidet es über die Gewichtung im Portfolio. Das Ziel sind in der Regel 30 bis 60 Positionen, die fortlaufend überwacht werden. Ein rigoroses Risikomanagement ist Bestandteil des gesamten Prozesses.

Wenig US-Werte

Wie konsequent der Fonds vom Markt abweicht, legte Hampel dabei dar. Das Portfolio umfasse aktuell 35 Aktien. Die zehn größten Positionen machten zusammen 38 Prozent des Vermögens aus. Zum Vergleich: Im MSCI World Value Index entfielen 22 Prozent und im MSCI World 27 Prozent auf die jeweils zehn größten Titel. Zudem ist Nordamerika im Vergleich zu den Indizes mit gut 44 Prozent massiv untergewichtet.

Hohe Zinsen, hohe Inflation, wenig Wachstum: Willkommen zurück in den 70ern?

Mit einer bewusst provokanten These eröffnete Christian Jasperneite seinen Vortrag auf der TiAM Investment-Konferenz in Neuschwanstein: Kehren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der 1970er-Jahre zurück? Hohe Zinsen, anhaltender Inflationsdruck und eine schwächere Wachstumsdynamik prägten aktuell viele Volkswirtschaften und stellten Anleger vor neue Herausforderungen.

Jasperneite sieht die Weltwirtschaft derzeit von zwei gegenläufigen Kräften beeinflusst. Auf der einen Seite belasten steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen die Angebotsseite der Wirtschaft. Auf der anderen Seite sorgt die rasante Verbreitung von Künstlicher Intelligenz für einen kräftigen Investitionsschub und neue Wachstumsimpulse. Diese Kombination aus negativem Angebotsschock und positivem Nachfrageschub mache die aktuelle Situation außergewöhnlich.

Überraschend robust präsentiert sich dabei die Weltwirtschaft. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und handelspolitischer Spannungen habe sich der Welthandel widerstandsfähiger gezeigt als vielfach erwartet. Auch die US-Wirtschaft sende weiterhin positive Signale. Vor allem Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sorgten für Dynamik. Gleichzeitig bleibe der private Konsum ein wesentlicher Wachstumstreiber, selbst wenn die Stimmung der Verbraucher häufig deutlich schlechter ausfalle als die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung.

Für Deutschland zeichnet Jasperneite ein negatives Bild. Das wirtschaftliche Tal der vergangenen Jahre scheine zwar durchschritten, strukturelle Herausforderungen blieben jedoch bestehen. "Wir sind das einzige Land der Welt mit negativen Trendwachstum. Das wird nur mit hohen Ausgaben durch neue Schulden kaschiert", erklärt Jasperneite. Positive Impulse kämen von einer stabileren Exportentwicklung und steigenden Verteidigungsausgaben. Auch in der Eurozone sei eine leichte konjunkturelle Erholung erkennbar.

Bei der Inflation mahnt der Kapitalmarktstratege zur Differenzierung. Zwar sorgten höhere Energiepreise für steigende Teuerungsraten, bislang gebe es jedoch keine Anzeichen für eine selbstverstärkende Lohn-Preis-Spirale. Die Inflation bleibe damit ein wichtiges Thema, sei derzeit aber noch nicht außer Kontrolle geraten.

An den Rentenmärkten haben die höheren Wachstumserwartungen und die Aussicht auf länger erhöhte Leitzinsen zu steigenden Renditen geführt. Noch verlaufe diese Entwicklung geordnet, allerdings werde das Umfeld für Anleiheinvestoren anspruchsvoller.

Dr. Christian Jasperneite, Chief Investment Officer bei M.M. Warburg & CO
Dr. Christian Jasperneite, Chief Investment Officer bei M.M. Warburg & CO

Dr. Christian Jasperneite, Chief Investment Officer bei M.M. Warburg & CO

„Wir sind das einzige Land der Welt mit negativen Trendwachstum.“

Trotz Kriegen, geopolitischer Konflikte und höherer Zinsen zeigen sich die Aktienmärkte erstaunlich robust. Jasperneite verweist insbesondere auf die großen US-Technologieunternehmen, die aus seiner Sicht weiterhin über starke Wachstumsperspektiven verfügen und von den massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz profitieren. Die aktuelle Berichtssaison bestätige weitgehend dieses Bild einer weiterhin überraschend widerstandsfähigen Unternehmenslandschaft. „Es gibt gewinntechnisch über Länder-und Sektoren hinweg eine positive Entwicklung." Sein klarer Rat an Anleger: „Aktien, Technologie- und US-Werte übergewichten, wobei es weltweit Unternehmen gibt, die mit diesem Umfeld sehr gut zurechtkommen."

Mit diesem ausgewogenen Blick auf Chancen und Risiken setzte Jasperneite den inhaltlichen Rahmen für eine Konferenz, die sich den großen Umbrüchen an den Kapitalmärkten und den Anlagechancen von morgen widmete.


Hier lesen Sie Teil 1 der Berichterstattung zur TiAM Investment-Konferenz

Hier sehen Sie die besten Bilder des Eröffnungstages.

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