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Europäische HY-Renten: Darf es ein bisschen mehr sein? (AI-Grafik © 2026 by MvA)
Hochzinsanleihen

Die besten Fonds für europäische Hochzinsanleihen

Die Risikoaufschläge für Anleihen sind seit dem Spätsommer gestiegen. Die Qualität des Marktes ist dennoch deutlich besser als vor zehn Jahren. Das gilt auch für hochverzinste Anleihen europäischer Unternehmen.

05.11.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Viele Banken locken derzeit mit scheinbar hohen Zinsen auf Tagesgeld. Doch unterm Strich bleibt für Anleger dabei nicht viel übrig. Drei Prozent plus X sind nicht viel – bei einer Inflation im Euroraum von aktuell vier Prozent. Abzüglich Steuern steht am Ende des Tages nicht einmal eine schwarze Null. Wer Liquidität zu solchen oder teilweise noch niedrigeren Zinsen bei seiner Bank parkt, verliert real an Kaufkraft. Angesichts stagnierender Leitzinsen und vermutlich bleibender hoher Inflation kann es sich lohnen, einen Blick auf europäische Hochzinsanleihen zu werfen. Diese bieten laut einer aktuellen Berechnung von Morgan Stanley Investment Management derzeit im Schnitt rund 6,7 Prozent Rendite. Das ist der Preis der Angst, die sich zuletzt am Rentenmarkt bemerkbar gemacht hat. Der Risikoaufschlag gegenüber sicheren Staatsanleihen hat sich laut Daten von ICE BofA von rund 260 Basispunkten Ende August bis Ende Oktober auf 348 Punkte ausgeweitet.

Gerade jetzt lohnt sich deshalb ein nüchterner Blick auf die Chancen, die sich derzeit ergeben. Unter anderem vier gute Gründe sprechen dafür, sich europäische Anleihen genauer anzusehen – und dabei insbesondere Hochzinsanleihen als Beimischung ins Auge zu fassen. 

Erstens: Die Qualität hat sich verbessert

Anleihen mit einem Rating von CCC oder schlechter, also die riskanteste Klasse, haben vor 2015 noch 10 bis 15 Prozent des europäischen Hochzinsmarktes ausgemacht. Heute sind es nach Angaben von J.P. Morgan 5 bis 7 Prozent. Der Morningstar-Index für Hochzinsanleihen der Eurozone enthielt im Juni 2026 sogar nur noch 3,5 Prozent solcher Papiere, im Schnitt seit 2015 waren es 5,3 Prozent. Zwei Entwicklungen haben dazu beigetragen: Viele Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren höher eingestuft, und Private-Credit-Fonds haben einen Teil der schwächsten Schuldner aus dem öffentlichen Markt herausgenommen. Rund zwei Drittel des Marktes tragen zudem ein BB-Rating und liegen damit am oberen Rand des Hochzinssegments. 

Zweitens: Die Rendite entschädigt

Die durchschnittliche Rendite von 6,7 Prozent liegt gut vier Prozentpunkte über dem Einlagensatz der EZB. Hinzu kommt: Unternehmen mit Zugang zum Kapitalmarkt finden derzeit offene Türen. Im September verzeichnete der Euro-Markt laut Amundi einen Rekord bei den Neuemissionen, am 16. September gab es sogar den größten Emissionstag der Geschichte. Das erleichtert Unternehmen die Refinanzierung.

Drittens: Die Ausfälle bleiben beherrschbar

Die tatsächlichen Zahlungsausfälle sind niedrig. Morgan Stanley beziffert die Ausfallrate der vergangenen zwölf Monate, gemessen am Volumen und inklusive Umschuldungen unter Druck, auf 1,88 Prozent. Ohne diese Umschuldungen sind es 1,0 Prozent. Gezählt nach Emittenten liegt die Quote höher: S&P Global Ratings hat für März 2026 eine Quote von 3,3 Prozent bei europäischen Unternehmen mit Hochzinsrating gemessen, knapp über dem langjährigen Durchschnitt von 3,2 Prozent. Beide Messgrößen unterscheiden sich im Ansatz, zeigen aber dieselbe Richtung: Von einer Pleitewelle ist der Markt weit entfernt.

Viertens: Hochzinsanleihen sind weniger zinsempfindlich

Die EZB hat in diesem Jahr zweimal an der Zinsschraube gedreht, weitere Schritte sind nicht ausgeschlossen. Für Anleihen mit langer Laufzeit ist das Gift, weil ihre Kurse bei steigenden Zinsen deutlich fallen. Hochzinsanleihen mit oft kürzeren Laufzeiten reagieren auf Zinsschritte weniger stark. Ihr Schicksal hängt dafür stärker an der Konjunktur und an der Zahlungsfähigkeit der Unternehmen ab.

Risiken nicht außer Acht lassen

Der High-Yield-Himmel ist natürlich nicht wolkenlos. Der Energiepreisschock infolge des Konflikts im Nahen Osten treibt die Inflation, die Finanzierungsbedingungen haben sich zuletzt verschlechtert, und die EZB sieht Risiken sowohl für die Preise als auch für das Wachstum. Morgan Stanley rechnet bis zum Jahresende mit einer leichten Ausweitung der Spreads und bleibt für die Konjunktur in Europa vorsichtig. S&P hält in seinem Basisszenario einen Anstieg der Ausfallquote auf 3,75 Prozent bis März 2027 für möglich, im ungünstigen Fall auf bis zu 5 Prozent, falls die Störung der Straße von Hormus anhält. Besonders im Blick haben die Analysten das Jahr 2028: Dann werden Anleihen und Kredite im Volumen von 191 Milliarden Euro fällig. Am Markt zeigt sich die Sorge darum bereits: Anleihen der Kategorie CCC schnitten laut einer Analyse von Amundi zuletzt klar schlechter ab als der Rest.

Die Mischung machts: Die Suche nach der passenden Prise Risiko

Die Frage ist: Wieviel Risiko tut einem Rentenportfolio gut? Antwort: Es darf nicht zu viel sein – aber mehr, als viele denken. Morningstar hat es genauer wissen wollen und 200 europäische Hochzinsfonds über knapp ein Jahrzehnt untersucht. Das Ergebnis dürfte viele Anleger überraschen: Wer sich ausschließlich auf Fonds mit möglichst wenig riskanten Papieren verlässt, fährt nicht am besten. Die Gruppe mit dem geringsten CCC-Anteil (0 bis 2 Prozent) erzielte von Januar 2017 bis Juni 2026 kumuliert 23,7 Prozent Rendite, die mit mittlerem Anteil (4 bis 6 Prozent) 32,3 Prozent und die mit erhöhtem Anteil (6 bis 8 Prozent) 36,0 Prozent. Bei mehr als 8 Prozent kippt das Bild wieder: Die Gruppe mit dem höchsten CCC-Anteil kam auf ein Plus von 30,6 Prozent.

Auch ein makelloser Ausfallrekord ist kein Gütesiegel. Fonds, die keinerlei Ausfälle im Bestand hatten, schnitten schwächer ab als solche mit geringen Ausfallanteilen. Das kann an zu vorsichtiger Verwaltung liegen oder daran, dass Manager Papiere kurz vor dem formalen Zahlungsausfall mit hohen Abschlägen verkaufen und den Verlust damit festschreiben, statt die Sanierung auszusitzen. Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Studienperiode überwiegend freundlich für riskantere Anlagen war. In einer Rezession könnte das Ergebnis anders aussehen. Morningstar zieht daraus den Schluss, dass nicht die Kennzahl entscheidet, sondern das Handwerk des Managers: seine Erfahrung bei der Titelauswahl und die Ressourcen, mit denen er Problemfälle löst. Aus der Studie lernen Die Morningstar-Studie liefert zwei klare Regeln. Erstens zählt das Team hinter dem Fonds: Erfahrene Manager mit eigener Kreditanalyse sind gegenüber starren Index-Rentenfonds im Vorteil. Zweitens sollte der hochriskante CCC-Anleiheanteil weder bei null noch im zweistelligen Bereich liegen. Als Orientierung: Der Marktindex liegt aktuell bei 3,5 Prozent, die besten Gruppen der Studie hatten im Schnitt 4 bis 8 Prozent. Ein Anteil nahe am Markt oder leicht darüber, aber klar unter 8 Prozent, ist daher ein vernünftiger Richtwert. Er steht im Factsheet oder lässt sich bei der Fondsgesellschaft erfragen. Ein Fonds, der mit „keinem einzigen Ausfall“ wirbt, ist deshalb kein besonderer Qualitätsbeweis.

Auf Europa, Euro und die Kosten achten

Wer sich auf Hochzins einlässt, bleibt am besten im Euroraum: Anleihen in Euro vermeiden Währungsrisiken, und der europäische Markt ist, wie gezeigt, qualitativ gereift. Bei Renditen von fünf bis sechs Prozent sind die laufenden Kosten kein Nebenschauplatz. In der ausgewerteten Fondstabelle liegen sie zwischen 0,87 und 1,40 Prozent im Jahr, im Schnitt bei 1,16 Prozent. Jeder Zehntelpunkt weniger bleibt beim Anleger. Mindestens drei bis fünf Jahre Zeit mitbringen Die Zahlen der Fondstabelle zeigen, warum Anleger Geduld mitbringen sollten. Die ausgewählten Fonds, die die Redaktion mithilfe der Fondssoftware FVBS professional herausgesucht hat, erzielten im Schnitt auf Sicht von drei Jahren 4,9 Prozent pro Jahr, auf fünf Jahre dagegen nur 1,1 Prozent pro Jahr, weil das Schockjahr 2022 noch im Fenster liegt. Und auf zwölf Monate sind es lediglich 0,1 Prozent. 

Wer ein Jahr Anlagehorizont hat, ist deshalb im Tagesgeld besser aufgehoben. Wer drei oder mehr Jahre Zeit hat, kann Schwankungen aussitzen und die laufenden Zinsen für sich arbeiten lassen.

Fonds, die aktuell besonders gut passen könnten

In der Fondstabelle unten finden sich aktiv gemanagte, europäische Unternehmens-Hochzinsanleihen, jeweils als Retail-Anteilsklasse. Betrachtet wurden zudem nur Fonds mit einer Historie von mindestens fünf Jahren, damit das Schockjahr 2022 im Track Record steckt, und eine Dreijahresrendite von mehr als 5 Prozent pro Jahr, damit der hohe Kupon tatsächlich beim Anleger ankommt.

ISIN Name Auflegung Fondsvolumen in Mio. Euro Perf. 1 Jahr Perf. 3 Jahre p.a. Perf. 5 Jahre p.a. Lfd. Kosten
LU0255640731 Nordea-1 European HY Bond AP € 01.07.06 2765,41 0,50% 6,33% 2,07% 1,33%
LU0110060430 Fidelity European High Yield A € 26.06.00 1427,66 -0,51% 5,76% 1,78% 1,39%
LU0139115926 Deka-CorporateBond HY Euro CF 14.11.01 225,51 0,70% 5,73% 2,03% 1,09%
LU0482909818 Allianz Euro High Yield Bond A € 09.02.10 168,5 -0,71% 5,71% 1,73% 1,40%
LU0109395268 Franklin Euro High Yield A Ydis € 17.04.00 269,94 0,01% 5,56% 2,05% 1,34%
LU1056557207 GS Europe High Yield Bond Base 17.06.14 99,05 -0,71% 5,22% 1,47% 1,25%
LU0091079839 JPM Europe High Yield A inc € 11.09.98 394,56 0,48% 5,08% 1,89% 0,95%
LU0517221833 DPAM L Bonds EUR HY Short Term A € 30.06.10 358,07 0,92% 3,73% 2,14% 0,98%

Stand: 2.11.2026, Quelle: FVBS professional, eigene Auswertung.

Die Highlights auf einen Blick

Der Nordea-1 European High Yield Bond ist der größte Fonds im Feld und liefert den besten Dreijahreswert (6,33 Prozent jährlich) sowie den zweitbesten über fünf Jahre. Die erfahrenen Fondsmanager Peter Khan, Andrei Gorodilov und James Durance setzen auf eigene Titelauswahl von unten nach oben.

Der Fidelity European High Yield A investiert mindestens 70 Prozent in Hochzinsanleihen von Emittenten aus West-, Mittel- und Osteuropa, auch aus Schwellenländern der Region. Die Auswahl ist diskretionär nach hauseigener Analyse, der ICE-BofA-Index dient nur als Vergleich. Bis zu 10 Prozent notleidende Papiere und knapp 30 Prozent Hybrid- und Coco-Anleihen sind erlaubt.

Den Deka-CorporateBond High Yield Euro gibt es seit November 2001. Der Fonds hat also mehrere Krisen erlebt. Er gehört in allen vier Disziplinen zur vorderen Hälfte, auf zwölf Monate sogar zu den besten drei der engeren Auswahl.

Zwei weitere Dauerläufer verdienen Erwähnung. Der Allianz Euro High Yield Bond A (Auflage Februar 2010) legt mindestens 70 Prozent in auf Euro lautende Hochzinsanleihen an. Währungsrisiken über 10 Prozent des Vermögens müssen abgesichert werden, bis zu 15 Prozent dürfen in Schwellenländerpapiere und bis zu 10 Prozent in Coco-Anleihen fließen. Die durchschnittliche Restlaufzeit soll zwischen einem und neun Jahren liegen. Vincent Marioni steuert den Fonds seit September 2017, seit Januar 2026 gemeinsam mit Sébastien Ploton. Der JPM Europe High Yield (Auflage 1998) ist einer der günstigsten Fonds in der Tabelle. Die Dreijahresrendite fällt mit 5,08 Prozent am niedrigsten aus, dafür bleibt bei den Kosten mehr beim Anleger hängen, und die Fünfjahreszahl liegt nur knapp hinter den beiden anderen.

Wer es defensiver mag, findet im DPAM L Bonds EUR High Yield Short Term den besten Fünfjahreswert (2,14 Prozent p.a.), allerdings bei schwächerer Dreijahresrendite (3,73 Prozent).

Fazit: Wer in einem Umfeld großer Unsicherheit Hochzinsanleihen kauft, sollte Schwankungen aushalten können. Das zeigt die Vergangenheit. Im März 2020 etwa, kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie – verloren europäische Hochzinsfonds mit besonders geringem CCC-Anteil im Schnitt 10,7 Prozent, Fonds mit hohem CCC-Anteil 14,9 Prozent – in nur einem Monat. Allerdings folgte rasch die Erholung. Darin eben lag die besondere Chance, die diejenigen belohnte, die im richtigen Moment zugriffen. Vielleicht ist genau jetzt wieder ein Moment, in dem sich solch ein ganz besonderes Chancenfenster öffnet.

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