Auf der TiAM Investment-Konferenz bei Neuschwanstein am Alpsee zeigen die Investmentexperten führender Fondsgesellschaften, welche Renditechancen die verschiedenen Assetklassen bieten. Teil 1: Biotechnologie, europäische Nebenwerte, Themenaktienfonds und Finanzbildung als Zukunftsaufgabe.
16.10.2026 | 11:40 Uhr von «P. Gewalt und J.Kränicke»
Vor der Kulisse von Schloss Neuschwanstein diskutierten auf der diesjährigen TiAM Investment-Konferenz Fondsmanager, Kapitalmarktstrategen und Finanzexperten über die Herausforderungen einer Welt im Wandel. Die zweitägige Veranstaltung zählt seit Jahren zu den wichtigen Treffpunkten für Fondsselektoren und professionelle Investoren im deutschsprachigen Raum.
Der Zeitpunkt für den Austausch hätte kaum passender sein können. Die Finanzmärkte senden derzeit widersprüchliche Signale: Während viele Aktienmärkte neue Höchststände markieren, stehen Investoren gleichzeitig vor steigenden Energiekosten, geopolitischen Spannungen und anhaltenden Unsicherheiten an den Rentenmärkten. Zudem werfen anstehende Wahlen und ihre möglichen Folgen für Wirtschaft, Handel und Regulierung bereits ihre Schatten voraus.
Kein Wunder also, dass das Informationsbedürfnis groß ist. Gefragt sind Einordnungen, die über tägliche Schlagzeilen hinausgehen und langfristige Trends sichtbar machen. Genau dafür bietet die TiAM Investment-Konferenz den passenden Rahmen: Experten unterschiedlicher Häuser präsentieren ihre Sicht auf Märkte, Anlageklassen und Zukunftsthemen und liefern damit wertvolle Impulse für die strategische Positionierung von Anlegern.
Rückblick auf die Expertenvorträge am Donnerstag
Wer am ersten Tag des Branchenevents den Konferenzraum in Neuschwanstein betritt, darf beim Blick aus dem Fenster einen ganz besonderen Ausblick genießen. Auf einem Hügel gegenüber thront das Schloss Hohenschwangau, das gelbe Schloss der bayerischen Könige, eingerahmt von den Ammergauer Alpen. Auf der Leinwand geht es jedoch nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunftsbranche Biotechnologie: Wissenschaft. Innovation. Fortschritt. Unter dieser Überschrift eröffneten Thomas Vorlicky und Dr. Alexander Jenke von Medical Strategy die TiAM Investmentkonferenz in Neuschwanstein.
Ihre These: Die Biotechnologie könnte vor einem wissenschaftlichen Umbruch stehen, dessen Tragweite heute erst ansatzweise zu erkennen ist. Für Anleger eröffnet das Chancen – allerdings in einer Branche, in der wissenschaftlicher Fortschritt und wirtschaftlicher Erfolg keineswegs immer Hand in Hand gehen.
Thomas Vorlicky, der die auf Biotechnologie spezialisierte Investmentboutique vorstellt, bringt den Anspruch auf den Punkt: Medical Strategy investiert seit mehr als 25 Jahren vor allem in kleine und mittelgroße Biotechunternehmen. Entscheidend sei dabei, nicht nur Zahlen und Bewertungen zu analysieren. Man müsse vor allem die Wissenschaft hinter den Unternehmen verstehen, klinische Studiendaten richtig einordnen und Erfolgswahrscheinlichkeiten beurteilen können.
Die Referenten zeichnen das Bild einer Branche an einem Wendepunkt. Fortschritte in der Genforschung, der Einsatz Künstlicher Intelligenz und ein unverändert hoher medizinischer Bedarf treiben die Entwicklung. Ob Krebs, seltene Erkrankungen, Autoimmunleiden oder Stoffwechselkrankheiten wie Adipositas: Überall suchen Forscher nach wirksameren Therapien.
Dr. Alexander Jenke nimmt das Publikum anschließend mit in die medizinische Forschung. Seine Beispiele zeigen, wie groß der Bedarf an neuen Therapien ist. Bei seltenen Erkrankungen gibt es für die große Mehrheit der bekannten Krankheitsbilder bislang keine zugelassene Behandlung. In der Onkologie wiederum ersetzen zunehmend zielgerichtete Ansätze die wenig spezifische Wirkung klassischer Chemotherapien. Auch bei Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen sowie Erkrankungen des zentralen Nervensystems sieht Medical Strategy interessante Entwicklungen – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Erfolgsaussichten.
Besonders anspruchsvoll bleibt die Forschung etwa bei Alzheimer. Die Krankheit entwickelt sich über viele Jahre, die Ursachen sind komplex und klinische Studien entsprechend schwierig. Für Investoren bedeutet das: Nicht jede vielversprechende wissenschaftliche Idee wird zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Medikament. Eine sorgfältige Auswahl der Unternehmen ist deshalb zentral.
Ein möglicher Beschleuniger ist Künstliche Intelligenz. Vor allem die Fortschritte bei der Analyse biologischer Daten und der Entschlüsselung von Proteinstrukturen könnten die Forschung verändern. Wie rasant sich die technischen Möglichkeiten entwickelt haben, zeigt die Genomsequenzierung: Was im Umfeld des Human Genome Project noch dreistellige Millionenbeträge kostete, ist heute für 100 US-Dollar möglich. Medical Strategy sieht darin einen Vorgeschmack auf weitere Fortschritte. Bis zum Ende des Jahrzehnts oder darüber hinaus könnten sich nach Einschätzung der Experten Entwicklungsprozesse deutlich verkürzen und Kosten senken. Bislang kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments im Schnitt rund 2,6 Milliarden Dollar und braucht zehn bis zwölf Jahre bis zur Zulassung, die Erfolgsquote ab Beginn der klinischen Phase liegt unter zehn Prozent.

Thomas Vorlicky, Geschäftsführer der Medical Strategy GmbH
„China zwingt die USA, besser zu werden: Die USA wollen ihre globale Poleposition in der Biotechnologie behaupten. Deshalb dürfte der Sektor in den kommenden Jahren von massiver politischer Unterstützung, strategischer Förderung und beträchtlichen Investitionen profitieren “
Als weiteren Innovationstreiber nannte Vorlicky China. Das Reich der Mitte hat laut dem Medical Strategy Experten als eine ihrer Zukunftsbranchen erkannt. „China zwingt die USA, besser zu werden: Die USA wollen ihre globale Poleposition in der Biotechnologie behaupten. Deshalb dürfte der Sektor in den kommenden Jahren von massiver politischer Unterstützung, strategischer Förderung und beträchtlichen Investitionen profitieren“, so Vorlicky.
Zwischen 2025 und 2033 laufen für Medikamente mit mehr als 400 Milliarden Dollar Jahresumsatz die Patente aus. Für die großen Pharmakonzerne ist das ein Alarmsignal, denn sie müssen ihre Pipelines füllen. Da trifft es sich, dass 2025 laut dem IQVIA Institute 61 Prozent der neuen Wirkstoffe von kleinen und mittelgroßen Unternehmen entwickelt wurden. Für Medical Strategy ist das ein wichtiger Teil der Investmentthese und einer der Gründe, warum Vorlicky gerade im Biotechbereich für aktives Management votiert. Nur die kleineren Unternehmen würden die wirklichen Innovationen bieten, die in den Indizes unterrepräsentiert sind. Die Ergebnisse des MEDICAL BioHealth Fonds unterstützen die These von Vorlicky. Seit Auflegung im Oktober 2000 verzeichnete die Euro-Retailtranche 749 Prozent Wertzuwachs, der Nasdaq Biotechnology kam nur auf 340 Prozent.
Wasser und Abfall gehören zu den unscheinbaren Bereichen der Wirtschaft. Dennoch sind sie für das Funktionieren moderner Gesellschaften unverzichtbar. Warum diese beiden Themen auch aus Investorensicht langfristig attraktiv bleiben, erläuterte Bertrand Lecourt, Senior Fund Manager des Regnan Sustainable Water & Waste Fonds, auf der TiAM Investment-Konferenz in Neuschwanstein.
Der Fonds verfolgt einen globalen Ansatz und investiert entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Wasser und Abfall. Dazu gehören Versorger, Technologieanbieter, Infrastrukturunternehmen und Spezialdienstleister. Für Lecourt sprechen vor allem strukturelle Faktoren für ein langfristiges Wachstum: Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, steigender Wohlstand und der zunehmende Druck auf natürliche Ressourcen.
Besonders beim Wasser sieht der Fondsmanager einen gewaltigen Investitionsbedarf. Weltweit müssten Leitungsnetze modernisiert, Wasserverluste reduziert und Aufbereitungsanlagen ausgebaut werden. Gleichzeitig verschärfen Dürren, Extremwetterereignisse und zunehmende Umweltauflagen den Handlungsdruck. Entsprechend bleibt Lecourt vom langfristigen Potenzial überzeugt: „Für Investitionen in Wasser ist es nie zu spät.“
Auch im Abfallsektor eröffnen sich nach seiner Einschätzung attraktive Perspektiven. Strengere Regulierung, höhere Recyclingquoten und die Transformation zur Kreislaufwirtschaft sorgen für zusätzliche Nachfrage nach modernen Entsorgungs- und Recyclinglösungen. Unternehmen mit technologischen Wettbewerbsvorteilen könnten davon besonders profitieren.
Neben diesen langfristigen Trends sieht Lecourt aktuell auch mehrere Faktoren, die den Sektor kurzfristig unterstützen könnten. In den vergangenen Jahren floss ein großer Teil der Anlegergelder in Technologie- und KI-Aktien. Viele Wasser- und Abfallunternehmen seien deshalb heute deutlich günstiger bewertet als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig stoße der Ausbau von Rechenzentren zunehmend an Grenzen bei Energie- und Wasserversorgung.
Genau hier eröffnet sich ein zusätzlicher Wachstumstreiber. „Der KI-Boom sorgt für einen enormen zusätzlichen Bedarf an Strom und Wasser und eröffnet unserem Sektor damit neue Chancen“, erklärte Lecourt. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur erhöhe den Investitionsbedarf entlang der gesamten Wasserwertschöpfungskette erheblich.
Darüber hinaus könnten nachlassender Inflationsdruck, niedrigere Energiekosten, eine Belebung der Industrieproduktion und eine Stabilisierung des Wohnungsbaus weiteren Rückenwind liefern. Für Lecourt spricht daher vieles dafür, dass Anleger wieder stärker auf reale Infrastrukturthemen blicken könnten.
Zum Abschluss erinnerte er daran, dass Wasser und Abfall keine kurzfristigen Modethemen seien. „Wasser und Abfall sind vielleicht keine besonders spannenden Themen, aber sie zahlen sich langfristig aus.“ Die Nachfrage nach sauberen Wasserressourcen und effizienter Abfallwirtschaft werde unabhängig von Konjunkturzyklen weiter wachsen.

Bertrand Lecourt, Senior Fund Manager des Regnan Sustainable Water & Waste Fonds
„Wasser und Abfall sind vielleicht keine besonders spannenden Themen, aber sie zahlen sich langfristig aus.“
Abschließend stellte Lecourt den Regnan Global Mobility & Logistics Fund vor. Die Strategie investiert weltweit in Unternehmen entlang der Wertschöpfungsketten von Mobilität, Transport und Logistik. Mit dem Erreichen des dreijährigen Track Records Ende November sieht er den Fonds an einem wichtigen Meilenstein. Langfristige Trends wie die Modernisierung von Infrastruktur, die Digitalisierung von Lieferketten und die wachsenden Anforderungen an globale Transportnetzwerke böten aus seiner Sicht attraktive Perspektiven für die kommenden Jahre.
Am späten Vormittag fesselte Tobias Kastenhuber, Fondsberater bei SQUAD Fonds, den voll besetzten Saal der TiAM Investmentkonferenz am Alpsee/Neuschwanstein mit seinem Vortrag über die Chancen europäischer Small- und Mid Caps. Europäische Nebenwerte haben in den vergangenen Jahren eine schwierige Phase durchlaufen. Während große Technologiewerte die Börsen dominierten, gerieten viele kleinere Unternehmen zunehmend in den Hintergrund. Genau darin sieht Tobias Kastenhuber, Fondsberater des SQUAD Growth, jedoch eine außergewöhnliche Chance für langfristig orientierte Anleger.
Im Rahmen der TiAM Investment-Konferenz auf Schloss Neuschwanstein erläuterte Kastenhuber, warum die aktuelle Marktphase aus seiner Sicht ein attraktives Umfeld für europäische Small und Mid Caps bietet. Dabei setzt der Fonds nicht auf kurzfristige Trends, sondern auf einen konsequenten Growth-Value-Ansatz.
„Wir wollen Wachstum nicht um jeden Preis. Entscheidend ist für uns, dass wir attraktive Wachstumsunternehmen zu einer vernünftigen Bewertung kaufen und gleichzeitig auf eine solide Bilanz und hohe Cashflows achten“, betonte Kastenhuber.
Der Fokus liegt auf Unternehmen, die nachhaltig wachsen und gleichzeitig finanziell solide aufgestellt sind. Während zahlreiche Marktteilnehmer Unternehmen mit hohen Umsatzsteigerungen unabhängig von ihrer Profitabilität bewerten, verfolgt das Fondsmanagement einen anderen Ansatz.
Investiert wird bevorzugt in Marktführer ihrer Nische, die über robuste Geschäftsmodelle, hohe Cashflows und starke Bilanzen verfügen. Unternehmen mit spektakulären Wachstumsraten, aber dauerhaft hohen Verlusten, kommen dagegen nicht infrage. Ziel ist es, Wachstum mit Vernunft zu verbinden und dadurch langfristig attraktive Renditen bei kontrollierbarem Risiko zu erzielen.
Dieser Ansatz hat sich über viele Marktzyklen hinweg bewährt. Seit der Auflegung des Fonds 2006 konnte eine attraktive langfristige Wertentwicklung erzielt werden, gleichzeitig blieb die Schwankungsintensität im Vergleich zu vielen anderen Small-Cap-Strategien moderat.
Besonders überzeugend erscheint Kastenhuber derzeit das Bewertungsniveau europäischer Nebenwerte. Die Schere zwischen Small Caps und großen Standardwerten habe sich in den vergangenen Jahren immer weiter geöffnet.
„Die Bewertungslücke zwischen europäischen Small Caps und großen Standardwerten ist historisch außergewöhnlich. Solche Chancen sieht man nicht oft.“
Viele Unternehmen würden heute mit Bewertungsabschlägen gehandelt, die aus Sicht des Fondsmanagements weder durch die Geschäftsentwicklung noch durch die fundamentalen Perspektiven gerechtfertigt seien. Gerade in einem Umfeld nachlassender Zinsen könnte diese Diskrepanz wieder stärker in den Fokus der Investoren rücken.
Attraktive Unternehmen findet das Team in zahlreichen europäischen Ländern. Neben Deutschland und Großbritannien sieht Kastenhuber insbesondere in Polen interessante Perspektiven.
Das Land profitiere von einer aktuell noch besseren demographischen Altersverteilung, einer wachsenden Mittelschicht und einem dynamischen wirtschaftlichen Umfeld. Zahlreiche mittelständische Unternehmen hätten dort das Potenzial, ihre Marktstellung in den kommenden Jahren deutlich auszubauen.
Ein weiteres Argument für europäische Nebenwerte liefert die hohe Übernahmeaktivität. Sowohl strategische Investoren als auch Private-Equity-Gesellschaften nutzen die niedrigen Bewertungen zunehmend, um attraktive Unternehmen zu erwerben.
„Die starke Übernahmeaktivität zeigt, dass viele europäische Nebenwerte an der Börse deutlich unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden.“
Allein in den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Beteiligungen Portfoliowerte des Fonds übernommen. Für Kastenhuber ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Markt den inneren Wert vieler Unternehmen derzeit nicht vollständig widerspiegelt.

Tobias Kastenhuber, SQUAD Fonds
„Die Bewertungslücke zwischen europäischen Small Caps und großen Standardwerten ist historisch außergewöhnlich. Solche Chancen sieht man nicht oft.“
Gerade diese Kombination aus attraktiven Bewertungen, soliden Geschäftsmodellen und zusätzlichen Impulsen durch Übernahmen macht europäische Small und Mid Caps aus Sicht des Fondsmanagements zu einem der interessantesten Marktsegmente der kommenden Jahre.
Wer erfolgreich investieren will, sollte weniger auf die Schlagzeilen und stärker auf sein eigenes Verhalten achten. Diese zentrale Botschaft vermittelte Daniel Röger, Senior Sales Publikumsfonds / Retail Distribution der LBBW Asset Management, bei seinem Vortrag auf der TiAM Investment-Konferenz auf Schloss Neuschwanstein. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Luftfahrt zeigte er, warum langfristiger Anlageerfolg oft weniger von Märkten als von Disziplin, Risikomanagement und emotionaler Stabilität abhängt.
Bereits zu Beginn spannte Röger den Bogen zur Fliegerei. Piloten würden lernen, mit Unsicherheit, Stress und unerwarteten Situationen umzugehen. Ähnlich verhalte es sich auch an den Kapitalmärkten. Turbulenzen seien unvermeidlich, entscheidend sei der Umgang damit.
„Wenn wir uns eingestehen, dass wir selbst der limitierende Faktor sind, dann verstehen wir auch, warum erfolgreiche Geldanlage oft weniger von Märkten als von unserem eigenen Verhalten abhängt.“
Aus Sicht Rögers sind nicht Gebühren, Steuern oder einzelne Marktereignisse die größten Renditekiller. Wesentlich problematischer seien emotionale Fehlentscheidungen. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit neigten viele Anleger dazu, Positionen zu verkaufen und erst deutlich später wieder einzusteigen. Dadurch würden häufig die stärksten Aufwärtsbewegungen an den Börsen verpasst.
Historische Analysen zeigten immer wieder, dass bereits wenige verpasste Handelstage langfristig erhebliche Auswirkungen auf die Rendite haben können. Für Anleger sei es daher wichtiger, investiert zu bleiben, als den perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu suchen.
„Das eigentliche Ziel ist, investiert zu bleiben. Nicht aus Angst auszusteigen und am Wegesrand abzuwarten, sondern auch schwierige Marktphasen durchzustehen.“
Eine entscheidende Rolle schreibt Röger dabei der Diversifikation zu. Dabei gehe es jedoch nicht allein darum, möglichst viele Wertpapiere im Portfolio zu halten. Entscheidend sei vielmehr die Kombination unterschiedlicher Anlageklassen, die sich in verschiedenen Marktphasen unterschiedlich entwickeln.
„Die Kunst der Diversifikation liegt im schnellen Wechsel der Korrelation. In guten Marktphasen sollen die Anlagen gemeinsam profitieren, in schwierigen Phasen dagegen stabilisierend wirken.“
Wie dieses Konzept umgesetzt werden kann, erläuterte Röger anhand verschiedener Strategien der LBBW Asset Management, darunter die vermögensverwaltenden Fonds LBBW Sicher Leben, LBBW Internet der Zukunft und LBBW Mobilität der Zukunft. Die Strategien kombinieren Aktien, Anleihen, Rohstoffe und weitere Anlageklassen und verfolgen unterschiedliche Risikoprofile. Ziel ist es, Schwankungen zu begrenzen und Anlegern eine möglichst robuste Grundlage für den langfristigen Vermögensaufbau zu bieten.

Daniel Röger, Senior Sales Publikumsfonds / Retail Distribution
„Die Kunst der Diversifikation liegt im schnellen Wechsel der Korrelation. In guten Marktphasen sollen die Anlagen gemeinsam profitieren, in schwierigen Phasen dagegen stabilisierend wirken.“
Besonderes Augenmerk legte Röger auf die Bedeutung eines aktiven Managements. Gerade in geopolitisch geprägten Marktphasen könne die flexible Anpassung von Portfolios einen Mehrwert liefern. Als Beispiel verwies er auf Umschichtungen im Fonds LBBW Sicher Leben im Zuge des Iran-Konflikts. Dabei wurden Positionen innerhalb des Verteidigungssektors angepasst und gezielt Unternehmen berücksichtigt, die aus veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen profitieren konnten.
Rögers Schlussfolgerung: Anleger können Krisen und Marktschwankungen nicht verhindern. Sie können aber lernen, wie ein erfahrener Pilot mit ihnen umzugehen. Wer breit diversifiziert investiert bleibt und emotionale Entscheidungen vermeidet, schafft die Voraussetzungen für langfristigen Anlageerfolg.
Mit seinem Vortrag stellte Edmund Pelikan die übliche Sicht auf Sachwertinvestments bewusst auf den Kopf. Nicht die Frage nach dem besten Produkt oder der höchsten Rendite sei entscheidend, sondern die Qualität der zugrunde liegenden Investmententscheidung. „Verstehen wir ausreichend, was wir entscheiden?“, lautete der zentrale Gedanke seines Vortrags.

Edmund Pelikan, Geschäftsführer der gemeinnützigen Stiftung Finanzbildung
„ Deshalb muss Finanzbildung über reine Informationsvermittlung hinausgehen und die Fähigkeit stärken, Entscheidungen kritisch zu hinterfragen“
Pelikan machte deutlich, dass Anleger häufig das Asset mit dem Investment verwechseln. Eine Immobilie, Infrastruktur oder Private-Equity-Beteiligung sei nicht automatisch ein gutes Investment. Ebenso wichtig seien Faktoren wie Finanzierung, Liquidität, Bewertung und Governance. Gerade bei Private-Markets-Anlagen steige die Komplexität, auch wenn der Zugang durch neue Produktlösungen wie ELTIFs einfacher geworden sei.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle der Finanzbildung. Wissen allein schütze nicht vor Fehlentscheidungen. Anleger und professionelle Investoren unterlägen psychologischen Mustern wie Bestätigungsfehlern, Herdentrieb oder dem Vertrauen auf vermeintliche Autoritäten. „Deshalb muss Finanzbildung über reine Informationsvermittlung hinausgehen und die Fähigkeit stärken, Entscheidungen kritisch zu hinterfragen," erklärte Pelikan.
Als Schlüsselbegriff stellte Pelikan das Vertrauen in den Mittelpunkt. Vertrauen entstehe nicht durch große Namen oder gute Historien, sondern durch nachvollziehbare Prozesse, Transparenz und Kontrolle. Dafür entwickelte er das Konzept einer „Trust Architecture“, also einer Entscheidungsarchitektur, die Informationen systematisch in belastbare und überprüfbare Entscheidungen überführt.
Sein Fazit: Sachwerte benötigen mehr als gute Produkte. Sie brauchen nachvollziehbare Entscheidungsprozesse. Verständnis führe zu Verantwortung, Verantwortung zu Verlässlichkeit und daraus entstehe letztlich Vertrauen.
Den Artikel zum zweiten Teil der TiAM Investment-Konferenz am Alpsee bei Neuschwanstein lesen Sie hier heute Nachmittag an der gleichen Stelle.
Hier sehen Sie die besten Bilder des Eröffnungstages
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