Seit 1928 legte der S&P 500 in den zwölf Monaten danach
im Schnitt um 12,4 Prozent zu, mehr als doppelt so viel wie nach
Präsidentschaftswahlen. Verlor der Präsident seine Mehrheit im
Repräsentantenhaus, fiel das Plus sogar noch höher aus.
Für seine Analyse untersuchte Sebastian Dörr, wie sich der
US-Leitindex S&P 500 in den 252 Handelstagen ab November entwickelte, also
über ein volles Börsenjahr. Der Kapitalmarktstratege vom Family Office HQ Trust
wertete dafür den Zeitraum von 1928 bis 2025 aus. Er unterschied zwischen
Jahren mit Präsidentschaftswahl, Jahren mit Zwischenwahlen, den sogenannten
Midterms, und Jahren ohne Wahl.
Im zweiten Schritt konzentrierte sich Sebastian Dörr auf die
Midterm-Jahre und teilte sie danach auf, ob der amtierende Präsident seine
Mehrheit im Repräsentantenhaus behielt oder verlor. Den Senat ließ er bewusst
außen vor. Für eine politische Blockade genügt bereits der Verlust des Hauses.
Zudem kam es in den vergangenen 100 Jahren nie vor, dass ein Präsident bei
Zwischenwahlen den Senat verlor, seine Partei aber die Mehrheit im
Repräsentantenhaus behielt.
Die wichtigsten Ergebnisse
- „Midterm-Jahre
waren historisch besonders gute Börsenjahre. Seit 1928 legte der S&P
500 in den 252 Handelstagen nach einer Zwischenwahl im Mittel um 12,4
Prozent zu.“
- „Nach
Präsidentschaftswahlen waren es nur 5,8 Prozent. In Jahren ohne Wahl kam
der Index im selben Zeitfenster auf durchschnittlich 3,5 Prozent. Die
zwölf Monate nach den Midterms waren damit die mit Abstand stärksten.“
Verlor der Präsident die Mehrheit, verlief das Jahr noch
besser
- „Den
höchsten Zuwachs gab es, wenn der Präsident seine Mehrheit im
Repräsentantenhaus verlor. In diesen Fällen stieg der S&P 500 in den
folgenden 252 Handelstagen durchschnittlich um 13,0 Prozent. Behielt er
die Mehrheit, waren es immerhin 11,4 Prozent.“
- „Nach
einem Mehrheitsverlust verlief die Entwicklung zudem ruhiger. Am unteren
Rand der Bandbreite büßte der Index zeitweise rund 10 Prozent ein, nach
einem Jahr lag selbst dieser Rand knapp im Plus.“
- „Behielt
der Präsident seine Mehrheit, war die Spannweite erheblich. Am unteren
Rand rutschte der S&P 500 zeitweise um bis zu 30 Prozent ab, am oberen
Rand stieg er um mehr als 30 Prozent.“
Was Anlegerinnen und Anleger aus der Analyse mitnehmen sollten
- „In den kommenden Tagen dürften politische Schlagzeilen rund um die Midterms für Aufmerksamkeit sorgen. Anleger sollten ihre Aktienquote davon aber nicht vorschnell abhängig machen.“
- „Wie immer gilt, dass die Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist. Wer wegen der Midterms über einen Ausstieg aus Aktien nachdenkt, findet in den Daten dafür aber kaum Argumente.“
- „Ausgerechnet der Machtverlust des Präsidenten, den manche Investoren als Risiko sehen, ging historisch mit stabileren Märkten einher.“
- „Behielt der Präsident seine Mehrheit, war das Ergebnis im Mittel ebenfalls positiv. Die möglichen Verläufe lagen aber weiter auseinander. Ein breit gestreutes Portfolio hilft, solche Ausschläge auszuhalten.“
- „Über das Börsenjahr entscheiden am Ende viele Faktoren, etwa Unternehmensgewinne oder Zinsen. Eine Wahl kann für Schwankungen sorgen, die Richtung gibt sie selten vor.“ (pg)
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