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Billionenmarkt Nachhaltigkeit

Auch 2018 investierten Anleger in Deutschland wieder Rekordsummen in den Markt für nachhaltige Geldanlagen, zeigt eine aktuelle Studie. Dabei werben längst nicht mehr nur Unternehmen mit nachhaltigen Strategien um die Gunst der Anleger. Auch für Staaten wird das Thema immer wichtiger.

05.06.2019 | 12:13 Uhr von «Alexandra Jegers»

Egal ob im Supermarkt, im Modegeschäft oder beim Autokauf: Nachhaltigkeit ist zu einem Schlagwort geworden, das allgegenwärtig ist – auch in der Finanzwelt. 2018 haben Investoren in Deutschland erneut Rekordsummen in nachhaltige Geldanlagen investiert, zeigt der aktuelle Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Ende vergangenen Jahres lag das nach sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien angelegte Vermögen in Deutschland bei rund 219,1 Milliarden Euro. Das sind 48 Milliarden Euro mehr als noch im Vorjahr. Rechnet man auch noch nachhaltige Investments im weiteren Sinne dazu, bei denen Unternehmen immerhin gewisse Nachhaltigkeitskriterien verfolgen, kommt man auf eine Gesamtsumme von rund 1,53 Billionen Euro.

Es gibt verschiedene Strategien, nach denen die Finanzindustrie nachhaltige Produkte gestalten kann. Am weitesten verbreitet unter Fondsmanager sind dem FNG zufolge Ausschlusskriterien. Knapp 128 Milliarden Euro verwalten Asset Manager nach dieser Strategie, bei der heikle Branchen von vornherein ausgeschlossen werden. Bei Unternehmen achten Investoren vor allem darauf, dass Arbeitsrechte eingehalten werden, auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie auf die Achtung der Menschenrechte. Klimaschutz gewinnt bei der Titelauswahl an Bedeutung. Der Ausschluss von Unternehmen, die Kohle fördern oder verstromen, ist jüngst neu in die Top Ten der beliebtesten Ausschlussgründe eingezogen: Er rangiert nun auf Platz fünf.

Bei Staaten achten Investoren laut FNG-Bericht am meisten darauf, wie Regierungen Korruption verhindern. Dahinter folgt der Umgang mit Bürgerrechten in Diktaturen und der Klimaschutz. Durchs Raster fallen zum Beispiel Staaten, die Umweltkonventionen wie den Pariser Klimavertrag nicht ratifiziert haben. Ophélie Mortier, Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung der belgischen Fondsboutique Degroof Petercam, sieht in der Selektion einen Schritt in die richtige Richtung. „Investoren können und müssen dazu beitragen, weltweit eine nachhaltige Staatsführung in der Breite zu fördern“, sagt sie. Nur so würden sich globale Probleme wie der Klimawandel lösen lassen. Wie groß der Effekt einer Intervention von Seiten der Finanzmärkte sein kann, zeige der Blick in die Portfolios der großen Pensionsfonds in Europa. „Darin haben Staatsanleihen immerhin ein Gewicht von 30 Prozent“, sagt Mortier.

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Bonds von Staaten, die die sogenannten ESG-Kriterien berücksichtigen, können sich für Investoren auch monetär lohnen, ist die Anlageexpertin überzeugt. Das Akronym steht für Environmental, Social and Governance, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. „Staatspapiere nachhaltiger Länder zeigen sich in Krisenzeiten grundsätzlich widerstandsfähiger“, sagt Mortier. Das wurde unter anderem im Zuge der Eurokrise im Jahr 2010 deutlich. Damals habe sich das nachhaltig wirtschaftende Skandinavien deutlich besser geschlagen als beispielsweise Südeuropa, wo die Regierungen weniger Wert auf die Einhaltung der ESG-Kriterien gelegt haben.

Institutionelle Investoren sind der wichtigste Treiber des Marktes für nachhaltige Geldanlagen, zeigt der FNG-Bericht. Rund 93 Prozent des investierten Vermögens befanden sich Ende 2018 in der Hand von Kirchen, Versicherungen, Versorgungseinrichtungen und anderen institutionellen Anlegern. Die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageprodukten dürfte künftig weiter steigen, prognostiziert FNG-Vorstandsmitglied Helge Wulsdorf. Der Grund: Die EU hat jüngst ein umfassendes Paket zur Stärkung des Markts für nachhaltige Anlagen beschlossen. Seit Anfang des Jahres müssen institutionelle Investoren im Beratungsgespräch zum Beispiel explizit fragen, ob und wie nachhaltig der Kunde sein Geld anlegen möchte. „Die Nachfrage privater Anleger nach nachhaltigen Anlageprodukten dürfte dadurch einen deutlichen Schub erleben“, sagt Wulsdorf.

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