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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

USA in der Schuldenfalle

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Der aussichtslose Kampf des US-Finanzministers gegen steigende Zinskosten.

24.08.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die zurückliegende Woche

US-Finanzminister Scott Bessent ist vor allem für zwei seiner Eigenschaften bekannt: Er gilt als bis zur Selbstverleugnung loyal zu Donald Trump. Und er ist berühmt für seine emotionalen Ausbrüche. Mehr als nur einmal beließ Bessent es im Rahmen politischer Diskussionen nicht bei Worten, um seinen Argumenten Nachdruck zu verleihen. Er wurde bereits mehrere Male handgreiflich, drohte Schläge an oder beleidigte seine Gesprächspartner. Elon Musk und Wolodymyr Selenskyj gehören zu seinen prominentesten Opfern.

Wofür Scott Bessent nicht bekannt ist, ist sein Fingerspitzengefühl für den Kapitalmarkt. Er steht hinter der Idee, hohe Importzölle zu verhängen. Und er fährt als Finanzminister einen enorm risikoreichen Kurs, um den immer weiter ausufernden US-Haushalt zu finanzieren: Die US-Regierung emittiert zunehmend kurz laufende Anleihen, sogenannte Treasury Bills (T-Bills). Ihr Vorteil: Sie sind niedriger verzinst und damit günstiger für den Staat als mittelfristige und langlaufende Anleihen. Bessent kann die Finanzierungskosten des US-Staatshaushaltes also kurzfristig senken, wenn er mehr T-Bills emittiert und weniger T-Notes (Anleihen mit zwei, fünf oder zehn Jahren Laufzeit) oder T-Bonds (mit dreißigjähriger Laufzeit). Das Risiko dieser Strategie ist allerdings nicht unerheblich: Es liegt in der Natur der Sache, dass T-Bills häufiger refinanziert werden müssen als langfristige Schuldtitel. Das bedeutet ein erhöhtes sogenanntes Rollover-Risiko: Je größer der Anteil von T-Bills im Schuldenportfolio der USA ist, desto stärker und schneller wirken sich Zinsänderungen der Notenbank auf die Staatsfinanzen aus. Sollte Fed-Chef Kevin Warsh auf die Idee kommen, die Leitzinsen anzuheben, könnte er den ohnehin angespannten US-Staatshaushalt endgültig aus dem Gleichgewicht bringen. Laut dem Congressional Budget Office (CBO) könnten die Nettozinsausgaben der Regierung im laufenden Jahr die Eine-Billion-Dollar-Marke übersteigen. Schon jetzt überweist das US-Finanzministerium jeden Tag knapp drei Milliarden Dollar Zinsen an seine Gläubiger.

Scott Bessents Bedürfnis, die Zinslast angesichts dieser Zahlen im Zaum zu halten, ist nachvollziehbar. Von den aktuell rund 40 Billionen US-Dollar an Schulden – Tendenz weiter stark steigend – sind bereits 22 Prozent in T-Bills verbrieft. Zum Vergleich: In Großbritannien liegt der Anteil kurzfristiger Verbindlichkeiten des Staates etwa bei 3,6 Prozent, in Deutschland bei 5,8 und in Japan bei 11,7 Prozent.

Das Ende der Fahnenstange ist in den USA offensichtlich noch lange nicht erreicht. Das wurde spätestens am vergangenen Mittwoch klar, als Bessent überraschend verkündete, mindestens doppelt so viele Papiere mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren zurückkaufen zu wollen wie ursprünglich geplant. Die offizielle Begründung dafür lautete, man wolle den Renditeanstieg bei langfristigen US-Staatsanleihen stoppen. Das gelang allerdings nur leidlich und war vermutlich nur Augenwischerei. Schon einen Tag später war der Effekt am Rentenmarkt verpufft. Die Renditen für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit notierten am Donnerstag sogar noch höher als vor dem Eingriff des Finanzministers. Dafür stieg erneut der Anteil der kurzfristigen Verbindlichkeiten im US-Staatshaushalt. Natürlich. Denn schließlich muss Bessent seine Rückkaufaktionen ja irgendwie finanzieren.

Und er wird es erneut tun. Bessent kündigte am Mittwoch bereits an, er könne „Investoren immer wieder überraschen und aktiv werden, um Spannungen an den Märkten zu vermeiden“. Was der Finanzminister verschweigt: Er erhöht mit jedem dieser Eingriffe das Rollover-Risiko in seinem Kreditportfolio – und zwar massiv. Experten halten es für möglich, dass das US-Finanzministerium in diesem Jahr das Emissionsvolumen von T-Bills fast verdreifachen könnte: auf rund 900 Milliarden Dollar nach knapp 360 Milliarden Dollar im Jahr 2025.

Was erreicht Scott Bessent also mit seiner Strategie? Kurzfristig senkt er zwar die Zinsausgaben des Staates. Doch damit stärkt er nicht das Vertrauen der Anleger in die Solidität der USA als Schuldner. Das lässt sich an der Zinskurve der US-Anleihen ablesen. Die Renditen für T-Bonds bewegen sich deutlich oberhalb von fünf Prozent. Selbst für seine T-Bills muss der Finanzminister mit knapp unter vier Prozent schon tief in die Tasche greifen. Und T-Notes mit zehn Jahren Laufzeit rentieren auf einem Niveau wie zuletzt zur Zeit der Finanzkrise 2007. Wobei die USA damals im Vergleich zur Wirtschaftsleistung des Landes nur halb so hoch verschuldet waren.

Die Schieflage des US-Staatshaushaltes auszugleichen, wird für Bessent auch deshalb immer komplizierter, weil Anleger zunehmend das Vertrauen in den US-Dollar verlieren. In den vergangenen drei Jahren hat der Greenback rund 16 Prozent seines Außenwertes gegenüber dem Euro eingebüßt. Die Folgen: Ausländische Investoren verlangen höhere Zinsen, um weitere mögliche Währungsverluste auszugeichen. Gleichzeitig werden Importe für die USA teurer, das heizt die Inflation an. Ebenso wie Trumps Importzölle, die Bessent in seiner Nibelungentreue befürwortet. Ein Teufelskreis.

Eigentlich müsste die US-Notenbank in dieser Situation die Zinsen erhöhen, um den US-Dollar zu stabilisieren und die Inflation zurückzufahren. Doch Fed-Chef Kevin Warsh zögert. Er sitzt in der Zwickmühle. Je mehr T-Bills Scott Bessent als Finanzminister emittiert, desto größer ist die Gefahr, dass der US-Staatshaushalt durch eine mögliche Zinsanhebung der Fed vollends aus der Bahn gerät.

Fazit: Die US-Regierung manövriert sich derzeit ungebremst in eine Lage, aus der sie sich immer weniger selbst befreien kann. Das sinkende Vertrauen in die US-Staatsfinanzen hat direkte Auswirkungen auf den Rentenmarkt und den Außenwert des US-Dollars. Um die Situation in den Griff zu bekommen, wäre es aus Sicht der US-Regierung vernünftig, zunächst einmal die Ausgaben massiv zurückzufahren. Das ist unter Doland Trump jedoch nicht zu erwarten. Und Scott Bessent wird ihm nicht widersprechen. Schon aus Prinzip.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag veröffentlicht das ifo-Institut seinen ifo-Geschäftsklimaindex. Das ifo-Geschäftsklima basiert auf monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Groß- und des Einzelhandels. Die circa 7.000 Unternehmen beurteilen ihre gegenwärtige Geschäftslage und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Ausblick: Allen Unkenrufen zum Trotz sieht es in der deutschen Wirtschaft derzeit gar nicht so schlecht aus. Die Auftragsbücher sind vergleichsweise gut gefüllt. Am Dienstag wird sich zeigen, ob sich der Trend auch in der Stimmung der Befragten niederschlägt. Oder ob der alte Spruch gilt: Die Klage ist des Kaufmanns Gruß.

Ab Mittwoch öffnet die Gamescom in Köln ihre Tore. Die Fach- und Publikumsmesse für die internationale Spielebranche ist die Businessplattform vor allem für Video- und Computerspiele. Hunderttausende Fans und Fachleute werden erwartet. Es ist kein Zufall, dass zum Eröffnungsrundgang die Vizepräsidentin der EU-Kommission Henna Virkkunen, Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zugegen sind. Die internationale Computerspielbranche ist mittlerweile bedeutender als die Filmbranche. Das lässt sich schon an einem Phänomen beobachten: Früher wurden manchmal Videospiele als Merchandising-Produkte zu Filmen auf den Markt gebracht. Heute gibt es immer mehr Filme, die Megaseller aus der Spielewelt als Vorbild nutzen.

Am Donnerstag besucht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gamescom. In Ruhe. Wenn die anderen Wichtigtuer aus der Politik weg sind. Mal schauen, welche Spielekonsole er sich zum Zocken aussucht.

Am Freitag fällt im Landgericht Münster voraussichtlich ein Urteil im Prozess um die Ausfuhr von Waren nach Russland unter Umgehung der EU-Sanktionen. Angeklagt sind zwei Brüder aus Oelde im Kreis Warendorf. Die beiden 34 und 39 Jahre alten Männer sollen als Geschäftsführer einer GmbH in 65 Fällen von 2023 bis 2024 trotz der geltenden Beschränkung Waren nach Russland ausgeführt haben. Laut Anklage wurden die Fälle mit Briefkastenfirmen in Kirgistan und der Türkei verschleiert. Es soll sich überwiegend um Waren aus dem Bereich Maschinenbau gehandelt haben. Laut Anklage geht es um 65 Ausfuhren im Gesamtwert von 832.601,22 Euro. Beide hatten Anfang Juli umfangreiche Geständnisse abgelegt, so dass der Prozess vorzeitig enden könnte. Das Verfahren ist nur eines von mehreren dieser Sorte, die in den vergangenen Jahren angestrengt wurden. Zum Teil geht es um hohe Millionenwerte, oft im Zusammenhang mit verschleierten Lieferungen an die russische Rüstungsindustrie. Der aktuelle Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums zu diesem Thema gibt einen Eindruck davon, wie Russland versucht, die EU-Sanktionen zu umgehen.

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