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Philippe Oddo: „Aktien haben einen klaren Vorteil“

Oddo-BHF-Chef Philippe Oddo

Der Chef einer der größten Privatbanken Europas, Oddo BHF, über die Stimmung bei kleineren und mittleren Unternehmen, die Märkte nach Corona und einsetzende Zoom-Müdigkeit.

03.02.2021 | 12:30 Uhr von «Ralf Witzler»

Er gilt als Entrepreneur, als einer, der sein Unternehmen aus ­eigener Kraft aufgebaut hat: Philippe Oddo, Jahrgang 1959, wurde in eine Bankiersfamilie geboren. Die Ursprünge von Oddo & Cie liegen im Marseille des 19. Jahrhunderts, später siedelte die Bank nach Paris um und residiert heute im Herzen der Stadt an der Place de la Madeleine.

Trotz aller Tradition war es Philippe Oddo, der aus einer recht überschaubaren französischen Bank mit viel Geschick, Zähigkeit, Geduld, Glück und einer klaren Vision eine deutsch-französische und jüngst auch schweizerische Privatbank von internationalem Format aufgebaut hat, inzwischen eine der größten Europas. In Frankreich sieht man in Oddo daher ­weniger den alteingesessenen Bankier als den Macher. Der Patron hält bei Oddo BHF alle Fäden in der Hand.

Und er bestimmt, wo es langgeht: Betrachtet man den Werdegang der Bank, fallen die vielen Übernahmen auf, mit denen Oddo das Institut zunächst in Frankreich immer weiter ausbaute. Sein erster Schritt über den Rhein nach Deutschland erfolgte 2014 mit der Übernahme der Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler in Frankfurt.

Ein Jahr später folgte die Übernahme des Düsseldorfer Fonds­anbieters Meriten Investment Management. Damit hatte Oddo einen Fuß in der Tür zum deutschen Markt. Sein Meisterstück hierzulande machte der Franzose 2016. Nach zähem Bieter­gefecht mit der chinesischen Fosun-Gruppe setzte Oddo sich durch und übernahm die traditionsreiche, etwas angestaubte und defizitäre, aber noch immer renommierte Frankfurter BHF Bank.

Mittelstand und reiche Kunden

Nun war der Weg frei, seine Vision einer länderübergreifenden, zunächst deutsch-französischen Bank umzusetzen. Dazu musste er die verschiedenen Häuser und Aktivitäten koordinieren und zum Teil verschmelzen. Mit der BHF Bank gewann Oddo Zugang zu einer Reihe vermögender Privatkunden auch aus Deutschland und verstärkt zum deutschen Mittelstand.

Doch scheint der Franzose mit seinen Expansionsplänen noch nicht am Ende angelangt zu sein. Erst in dieser Woche erweiterte er sein Bankenimperium durch die Übernahme von Landolt & Cie, der im Jahr 1780 gegründeten, ältesten Bank der französischsprachigen Schweiz mit Sitz in Lausanne und Genf.

Früh in Kontakt mit Deutschland

Nach Deutschland führte Oddos persönlicher Weg schon in jungen Jahren. Noch als Schüler verbrachte er einige Monate in einem Internat am Niederrhein bei Kleve. Später studierte er an der Universität zu Köln. Über seine Zeit als Student in der lebensbejahenden Stadt am Rhein sagt der Franzose mit einem Augenzwinkern: Er habe damals wenig studiert, aber viel gelernt.

Oddo spricht sehr gut Deutsch und wechselt nur sehr selten ins Französische oder Englische, wenn es wirklich auf Nuancen ankommt. Als Chef einer bis vor ­wenigen Tagen noch deutsch-französischen Bank verbrachte er drei Tage in der Woche in Frankfurt. Künftig wird wohl auch die Schweiz häufiger zu einem seiner Reiseziele.

Wir sprachen mit Philippe Oddo nach dem Oddo BHF Forum, das Anfang ­Januar zum 24. Mal stattfand und mittlerweile als eine der wichtigsten Konferenzen für kleinere und mittlere Unternehmen in Europa gilt. Aufgrund der Pandemie fand es in diesem Jahr nicht wie sonst zuvor im französischen Lyon statt, sondern wurde als reine Online­veranstaltung durchgeführt.

Interview

Herr Oddo, Sie haben gerade das 24. Oddo BHF Forum veranstaltet. Welche übergeordneten Fragen wurden dort thematisiert?

Philippe Oddo: Unsere Veranstaltung fand in diesem Jahr unter dem Eindruck gleich mehrerer Ereignisse statt, die jedes für sich den Austausch gerechtfertigt hätte: zum Beispiel den schwierigen Wechsel an der politischen Spitze der USA oder den holprigen Roll-out der Corona-Impfungen in der EU, um nur die zwei wichtigsten zu nennen. Der Informationsbedarf zu diesen Themen war zu Jahresbeginn also enorm und hat die Gespräche geprägt.

Welche wesentlichen Anregungen, Informationen oder Botschaften nehmen Sie von dort mit?

Lassen Sie mich mit den Corona-Impfungen und den Mutationen des Virus beginnen. Stéphane Bancel und Franz-Werner Haas, die CEOs von Moderna und Curevac, sind zuversichtlich, dass ihre Impfstoffe schnell auf die Corona-­Mutationen einstellbar sind. Sie betonten jedoch auch, es sei noch unklar, ob die Verbreitung der ansteckenderen ­Variante wirkungsvoll unterbunden werden kann. Dieser Nachweis sei zwar noch nicht erbracht. Dennoch — aus meiner Sicht sind das ermutigende Zeichen, auch für die Erholung der Wirtschaft. Zum Thema USA unter der neuen demokratischen Regierung: Der ehemalige US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore hat uns zwar Hoffnungen gemacht, dass die Vereinigten Staaten nun in der Klimapolitik einlenken würden, aber er hat auch davor gewarnt zu glauben, dass die Rivalität mit China nachlassen werde. Er hat unmissverständlich deutlich gemacht, was die USA von Europa erwarten: sich zum Bündnispartner jenseits des Atlantiks zu bekennen.

Welchen Eindruck haben Sie von der Stimmung unter den Teilnehmern gewonnen. Wie geht es nun mit der Wirtschaft und den Finanzmärkten weiter?

Insgesamt war ich von der Zuversicht positiv überrascht. Viele sahen die Vorboten des Aufschwungs, und selbst so hart getroffene Unternehmen wie Air France haben Strategien vorgestellt, wie sie in vier bis fünf Jahren wieder an alte Erfolge anknüpfen wollen. Mehr als 1000 internationale Investoren haben über 300 europäische börsennotierte Unternehmen in mehr als 10 000 Begegnungen gesprochen — so viele wie auf keinem der bisherigen Foren zuvor —, und diese Zuversicht haben die Teilnehmer mitgenommen.

Kommen wir zu den Märkten. An welchen Konstanten sollten sich Anleger orientieren? Ist die zu beobachtende Sektorrotation dauerhaft? Und wie werden sich Techwerte entwickeln?

In unserer Vermögensverwaltung steuern wir die Mandate sehr aktiv. Unsere wesentliche Konstante ist die Auswahl von qualitativ hochwertigen Unternehmen. Das sind Unternehmen, die profitabel arbeiten, erkennbare Wettbewerbsvorteile besitzen, an langfristigen Trends partizipieren, überdurchschnittliche Nachhaltigkeit aufweisen und angemessen bewertet sind. Dazu gehören aktuell auch zyklische Unternehmen. Techwerte sind derzeit zwar hoch bewertet; sie sollten aber auch ­weiterhin von strukturellen Trends ­profitieren.

Wann rechnen Sie damit, dass die Corona-Verlierer wie Reise- und Touristik­unternehmen, die Luftfahrt, das Gastgewerbe oder Veranstalter für Anleger wieder interessant werden?

Aktien von Corona-Verlierern konnten bereits einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachen. Ausschlaggebend dafür waren positive Nachrichten in der Impfstoffentwicklung sowie die Aussichten auf einen baldigen Start von breit angelegten Impfkampagnen. Ob und wann diese Aktien wieder ihre Vorkrisenniveaus erreichen werden, ist nur schwer abzusehen. Das gilt auch bei der Frage, inwieweit die Corona-Krise zu längerfristigen Verhaltensänderungen führt, zum Beispiel, dass die Menschen generell weniger reisen.

Welche Entwicklungen durch die Krise halten Sie für unumkehrbar? Welche Unternehmen werden profitieren? Für welche Branchen sind Sie skeptisch?

Die Krise hat viele der von uns bevorzugten strukturellen Technologietrends nachhaltig beschleunigt. Besonders der Onlinehandel, das bargeldlose Bezahlen und das Cloud-Computing haben nicht nur in der akuten Krise einen Schub erfahren, sondern werden unserer Meinung nach auch langfristig stark wachsen. Dagegen haben wir bestimmte Sektoren wie etwa Banken oder Automobilhersteller bereits vor der Krise ­gemieden. Hier sehen wir strukturelle Probleme, aber mittlerweile auch die Gefahr von Corona-bedingten Kreditausfällen.

Die Aktienmärkte sind seit dem Einbruch im März 2020 trotz der Pandemie sehr gut gelaufen. Ist das eine Entwicklung von Dauer? Wenn ja, wodurch ist sie gerechtfertigt?

Wir rechnen auch in diesem Jahr — trotz aktuell hoher Bewertungen — mit einer positiven Entwicklung der Aktienmärkte. Wir erwarten für 2021 einen konjunkturellen Aufschwung, der die Gewinne der Unternehmen steigen lassen wird. Zudem profitieren die Börsen von den weltweiten Stützungsmaßnahmen durch Politik und Notenbanken. Ein Ende der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken und der Niedrigzinsen ist nicht in Sicht. Damit haben Aktien weiterhin einen klaren Vorteil gegenüber Anleihen.

Sie haben das Stichwort selbst gegeben: Was halten Sie von den Aussichten für Anleihen?

Die Anleiherenditen bewegen sich auf historisch niedrigen Niveaus. Selbst bei niedrigerer Bonität und längeren Laufzeiten bieten sich nur magere Renditen. Entsprechend unattraktiv stellt sich der Anleihemarkt für die Anleger dar. In diesem Umfeld meiden wir Staats­anleihen und setzen allenfalls Unternehmensanleihen mit kürzeren Laufzeiten als Beimischung in unseren ­Portfolios ein.

Welche Regionen würden Sie auf Sicht von einem Jahr als Anleger bevorzugen?

Wir bevorzugen aktuell Aktien aus Europa sowie aus den Emerging Markets. Diese sind im Vergleich zu den US-Märkten attraktiver bewertet. Außerdem schätzen wir die Wachstumsaussichten beider Regionen positiv ein.

Sehen Sie eher die Gefahr von Inflation oder Deflation oder keines von beiden?

Die Zeit der negativen Inflationsraten im Euroraum wird in diesem Jahr voraussichtlich zu Ende gehen, doch der Preisanstieg dürfte vorerst sehr moderat bleiben. Dennoch gilt es, wachsam zu sein: Eine mögliche Kombination aus Wirtschaftswachstum, protektionistischen Tendenzen, sinkendem Wettbewerbsdruck aufgrund der Corona-Krise und einer sehr expansiven Geldpolitik lässt Spielräume für steigende Preise entstehen, die man sorgfältig im Auge behalten muss.

Wie waren die Erfahrungen der Oddo BHF Bank in der Krise? Was waren die Herausforderungen, denen Sie sich als Chef einer länderübergreifenden Privatbank gegenübersahen und sehen?

Die Krise hat uns alle vor besondere Herausforderungen gestellt. Nicht nur mit Blick auf das Geschäft und den Kontakt zu unseren Kunden, sondern auch in der Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten. Diese neue Form des Arbeitens, mit einem hohen mobilen Anteil von zu Hause aus, hat bei uns sehr gut funktioniert und tut es immer noch. Doch nicht nur in der Bank selbst, sondern auch bei unseren Kunden spüre ich immer öfter das Bedürfnis nach ­direkter Ansprache. Diesen Austausch können die Onlineformate einfach nicht ersetzen; immer öfter habe ich zuletzt den Begriff der „Zoom-Müdigkeit“ gehört. Ich kann das sehr gut nachvoll­ziehen. Wie schlägt sich unsere Bank in diesen schwierigen Zeiten? Wir müssen natürlich weiterhin wachsam und ­vorsichtig sein, aber ich bin mit dem ­Ergebnis trotz Corona wirklich sehr ­zufrieden.

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