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Frank Thormann: „Will Trump siegen, muss er zaubern“

Demokrat Joe Biden will im Gegensatz zum Amtsinhaber die Unternehmenssteuern erhöhen. „Tech-Unternehmen droht bislang jedoch keine Regulierung, die Rally am US-Markt hat daher noch Luft nach oben“, sagt Thormann.

27.08.2020 | 13:30 Uhr von «Jörg Billina»

Herr Thormann, im zweiten Quartal fiel das US-Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um über 32 Prozent. Hält der Negativtrend an?

Frank Thormann: Nein, das sollte der Tiefpunkt gewesen sein. Konsensschätzung ist, dass die Zahlen im dritten Quartal besser ausfallen werden. Die Frage ist nur, ob sich die Erwartung eines schnellen wirtschaftlichen Aufschwungs tatsächlich erfüllt wird.

Larry Kudlow, Wirtschaftsberater des US-Präsidenten spricht bereits von einem starken, selbst tragenden Erholungskurs. Sie teilen die Einschätzung nicht?

Nein, von einem selbst tragenden Aufschwung kann man nicht sprechen. Die US-Wirtschaft ist noch zu schwach, sie wird von erheblichen staatlichen Stützungs- und Stimulierungsmaßnahmen getragen. Diese werden auch weiterhin erforderlich sein.

Die US-Regierung hat ein billionenschweres Stimulierungspaket aufgelegt. Wie unterscheidet es sich von den Maßnahmen, die seinerzeit zur Abwehr der Folgen der Finanzkrise ergriffen wurden?

Der finanzielle Umfang fällt deutlich höher aus. Es wurde auch nicht lange über die Notwendigkeit debattiert. Die Regierung hat zudem Schecks an die Bürger verteilt. Das Geld wurde auch sofort ausgegeben. Ohne diese direkte Hilfe wäre der Konsum weiter zurückgegangen und noch mehr Menschen hätten ihren Job verloren.

Arbeitslose erhielten vom Staat 600 Dollar pro Woche auf ihr Konto. Die Maßnahme ist Ende Juli bislang ersatzlos ausgelaufen. Sind die Folgen schon zu spüren?

Ja, wir hören bereits von einer Reihe von Unternehmen, dass die Nachfrage zurückgeht. Die Arbeitslosengeld-Unterstützung wird daher wohl wieder aufgenommen werden. Unklar ist noch in welcher Höhe. Demokraten und Republikaner diskutieren das Thema im angelaufenen Wahlkampf kontrovers. US-Präsident Trump will den Betrag auf 300 Dollar wöchentlich kürzen, umso Anreize für die Rückkehr in den Arbeitsmarkt schaffen.

Können denn Arbeitslose so schnell wie vom Präsidenten erhofft wieder ein Jobangebot annehmen?

Grundsätzlich ja. Der US-Arbeitsmarkt weist im Vergleich zum deutschen eine viel höhere Fluktuation auf. Die Menschen in den Staaten sind eher bereit den Wohnort zu wechseln, um Arbeit aufzunehmen. Doch die Wirtschaft muss erst wieder stark ins Laufen kommen, bevor die Arbeitslosenrate deutlich sinken kann.

Die Zahl der Neuinfektionen liegt in den USA aktuell im Schnitt bei rund 50 000 täglich. Lässt sich da das Wirtschaftsleben normalisieren, was ja Voraussetzung für mehr Wachstum ist?

Das ist enorm schwierig. Wir tauschen uns täglich mit Unternehmen aus. Insbesondere Einzelhändler klagen, dass in den Staaten, die erste Lockerungsmaßnahmen wieder zurücknehmen mussten, die Konsumenten sich sofort zurückhalten. Die US-Wirtschaft kann erst dann wieder ihre Dynamik entfalten, wenn ein Impfstoff gegen Covid-19 vorliegt.

Hat der amtierende Präsident angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage noch eine Chance die Wahl am 3. November zu gewinnen?

Bislang war es so, dass der Status der Wirtschaft entscheidend für den Ausgang einer US-Präsidentenwahl war. Mittlerweile gibt es Stimmen, die beim aktuellen Amtsinhaber den Zusammenhang weniger eng sehen. Trump versteht es, Wähler auch über andere Themen als nur Wirtschaft zu mobilisieren.

Bislang führt der Demokrat Joe Biden in den Umfragen. Hält der Vorsprung?

Trump hat zwar in den vergangenen Tagen wieder etwas aufgeholt. In einigen wichtigen Staaten hat Biden jedoch die Nase deutlich vorn. Bis zur Wahl sind es auch nur noch zehn Wochen. Da muss Trump noch ein Kaninchen aus dem Hut zaubern, um erfolgreich zu sein.

Ist Biden auch der Favorit der Anleger?

In der Regel sind Anleger eher dem konservativen Lager zuzurechnen. Die zum Teil extremen Positionen Trumps könnte sie jedoch motivieren, diesmal für eher dem linken Lager zuzuordnenden Biden zu stimmen.

Für welche Wirtschaftspolitik steht Biden?

Im deutlichen Gegensatz zu Trump will er vor allem den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Er will auch die Unternehmensteuern und die Einkommensteuern für Wohlhabende erhöhen. Ob es dazu kommt, hängt aber davon ab, ob die Demokraten nach der Wahl in beiden Häusern des Kongresses über eine Stimmenmehrheit verfügen werden.

Die starke Börsenerholung seit März ist vor allem auf das starke Abschneiden von Techwerten zurückzuführen. Drohen diesen Regulierungen, sollte Biden gewinnen?

Bislang haben sich weder Biden noch Trump für Regulierungen stark gemacht. Der Kursaufschwung der Techwerte sollte daher anhalten. Die fundamentalen Aussichten vieler Techtitel bleiben nach wie vor phantastisch.

Sind auch Value-Werte wieder interessant?

Eine Renaissance wurde ja schon öfters prognostiziert. Vielleicht wirkt ja ein Impfstoff als Katalysator für diesen Investmentstil. Wir sind aber vorsichtig und analysieren jedes Unternehmen sehr ­genau, bevor wir investieren.

Zu Person

Frank Thormann managt seit Herbst 2017 globale Aktienportfolios bei Schroders und ist ein ausgewiesener Kenner des US-Aktienmarkts. Zuvor bekleidete er verschiedene Positionen im Portfoliomanagement bei Union ­Investment und war bei American Century Investments als Analyst tätig.

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