Die Generation Z gibt den Wunsch nach Wohneigentum nicht auf. Laut einer neuen Wohntraumstudie von Interhyp ist das Kaufinteresse junger Mieterinnen und Mieter seit 2021 sogar gestiegen. Doch fehlendes Eigenkapital bleibt eine zentrale Hürde. Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss der Familie: Wer finanzielle Unterstützung erwartet, hält den Immobilienkauf wesentlich häufiger für machbar.
21.10.2026 | 15:30 Uhr
Hohe Immobilienpreise und die Herausforderung, ausreichend Eigenkapital aufzubauen, halten viele junge Menschen nicht von ihrem Wunsch nach den eigenen vier Wänden ab. Das zeigt die neue Wohntraumstudie des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp. Demnach ist das Interesse am Immobilienkauf unter jungen Mieterinnen und Mietern in den vergangenen Jahren sogar gestiegen. Während 2021 noch 73 Prozent der 18- bis 25-jährigen Mieterinnen und Mieter zu den Kaufinteressierten zählten, sind es heute 80 Prozent der 23- bis 30-Jährigen. Zudem geben rund die Hälfte der Befragten in dieser Altersgruppe an, dass ihr Wunsch nach Wohneigentum in den vergangenen Jahren stärker geworden ist. Nur bei 15 Prozent hat er sich abgeschwächt. Insgesamt wünschen sich 68 Prozent der Mieterinnen und Mieter in Deutschland, irgendwann im eigenen Zuhause zu leben. Für rund die Hälfte der Befragten ist eine eigene Immobilie ein Lebensziel oder ein großer persönlicher Traum.
„Die junge Generation hat den Traum vom eigenen Zuhause keineswegs aufgegeben“, sagt Thomas Kreil, Managing Director Privatkundengeschäft bei Interhyp. Wohneigentum stehe für viele junge Menschen für Sicherheit und Stabilität. Gleichzeitig stelle sich angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen zunehmend die Frage, was tatsächlich bezahlbar sei.
Wenn ein Immobilienkauf zunächst nicht finanzierbar ist, wollen viele junge Menschen ihren Wunsch nicht aufgeben. Laut der Studie würden 41 Prozent der 23- bis 30-jährigen Mieterinnen und Mieter mit Kaufinteresse länger oder mehr sparen. Weitere 33 Prozent würden den Erwerb auf einen späteren Lebensabschnitt verschieben. Nur fünf Prozent könnten sich vorstellen, sich bewusst auf ein dauerhaftes Leben zur Miete einzustellen. Auch bei der Wahl der Immobilie zeigt sich die junge Generation kompromissbereit. So würden 65 Prozent der Kaufinteressierten außerhalb von Städten oder in ländlicheren Regionen wohnen. 41 Prozent könnten sich mit weniger Wohnfläche arrangieren, 40 Prozent wären bereit, einen anderen Immobilientyp zu wählen. „Die Gen Z ist bereit zu sparen, zu warten und bei der Immobilie Kompromisse einzugehen“, sagt Kreil. Die Ergebnisse widersprächen damit dem Klischee, junge Menschen seien nicht bereit, auf etwas zu verzichten.
Wie lang der Weg zum Eigenheim sein kann, verdeutlichen die Angaben zum Sparverhalten. Junge Eigentümerinnen und Eigentümer zwischen 23 und 30 Jahren haben nach eigenen Angaben rückblickend durchschnittlich rund acht Jahre für den Immobilienkauf gespart. Gleichaltrige Mieterinnen und Mieter mit Kaufwunsch, die aktuell Geld zurücklegen, sparen dafür bislang durchschnittlich seit 4,7 Jahren. 31 Prozent der jungen Eigentümerinnen und Eigentümer haben regelmäßig einen festen Betrag zurückgelegt. Bei den gleichaltrigen Mietern mit Kaufwunsch sind es 19 Prozent. Wer wenig oder gar nicht spart, nennt laut Studie vor allem begrenzte finanzielle Spielräume durch das Einkommen und hohe Lebenshaltungskosten als Gründe.
Eine wesentliche Hürde beim Immobilienkauf ist das erforderliche Eigenkapital. Nach Angaben von Interhyp bringen Käuferinnen und Käufer zwischen 18 und 30 Jahren derzeit durchschnittlich rund 95.000 Euro Eigenkapital in ihre Finanzierung ein. Wie erreichbar der Immobilienkauf erscheint, hängt für viele junge Menschen auch von der finanziellen Unterstützung durch die Familie ab. Nur rund die Hälfte der 23- bis 30-jährigen Mieterinnen und Mieter mit Kaufwunsch hält den Erwerb einer Immobilie für sicher oder eher möglich. 66 Prozent dieser Kaufinteressierten rechnen mit familiärer Unterstützung. Dabei geht es nicht nur um ein mögliches Erbe. Auch Schenkungen, private Darlehen, Bürgschaften oder andere Hilfen können den Immobilienkauf erleichtern. Wie stark die Einschätzung der eigenen Möglichkeiten mit dieser Unterstützung zusammenhängt, zeigen die Studienergebnisse: Von den jungen Kaufinteressierten, die keine familiäre Hilfe erwarten, halten lediglich 32 Prozent Wohneigentum für machbar. Bei denjenigen, die mit Unterstützung rechnen, sind es 67 Prozent. Interhyp-Chef Kreil betont allerdings, dass familiäre Hilfe keine zwingende Voraussetzung für den Immobilienerwerb sei. Rund ein Drittel der jungen Eigentümerinnen und Eigentümer habe den Kauf auch ohne diese Unterstützung geschafft. Die Daten zeigten jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen der erwarteten familiären Hilfe und der wahrgenommenen Erreichbarkeit des Eigenheims.
Neben der familiären Ausgangslage spielen die individuellen finanziellen Möglichkeiten eine entscheidende Rolle. Interhyp empfiehlt Kaufinteressierten deshalb, frühzeitig zu prüfen, welche monatliche Kreditrate langfristig tragbar ist, wie viel Eigenkapital zur Verfügung steht und welcher Immobilienpreis sich daraus ableiten lässt. Eine realistische Finanzierungsplanung könne helfen, die Suche gezielter auszurichten. Sie allein beseitige jedoch nicht die strukturellen Hürden beim Immobilienkauf. Insbesondere die Erwerbsnebenkosten erschweren den Einstieg, weil sie in der Regel aus eigenen Mitteln bezahlt werden müssen. Interhyp spricht sich daher für Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber aus. Darüber hinaus könnten staatliche Bürgschaften sowie eigenkapitalersetzende oder zinsvergünstigte Nachrangdarlehen Haushalte unterstützen, die zwar über ein stabiles Einkommen, aber nicht über ausreichend Eigenkapital verfügen. „Eigeninitiative allein kann nicht alle strukturellen Hürden ausgleichen. Hier ist die Politik gefragt“, sagt Kreil. Ziel müsse es sein, die Einstiegshürden zu senken und den Immobilienkauf auch für junge Menschen ohne großes Familienvermögen besser erreichbar zu machen. (jk)
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