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„Wir stehen am Beginn eines neuen Wachstumszyklus im Gesundheitssektor“

Linden Thomson
TiAM Investment-Konferenz

Die alternde Weltbevölkerung, zunehmende chronische Erkrankungen und ein Schub an medizinischen Innovationen sorgen für Rückenwind im Gesundheitssektor. Für Linden Thomson, Senior Portfolio Managerin bei Candriam, eröffnen sich dadurch attraktive Wachstumschancen.

16.09.2026 | 11:00 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundReseach: Frau Thomson, warum sind Sie überzeugt, dass der Gesundheitssektor vor einer neuen Wachstumsphase steht?

Linden Thomson: Der wichtigste Treiber ist ein langfristiger demografischer Trend: Die Menschen werden weltweit immer älter. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Bedarf an medizinischer Versorgung deutlich an. Gleichzeitig sehen wir eine Zunahme chronischer Erkrankungen. Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel und Übergewicht führen nicht nur zu Adipositas, sondern auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Leber- und Nierenproblemen.

Hinzu kommen spezifische Wachstumstreiber in einzelnen Segmenten des Gesundheitswesens. Im Onkologiebereich beispielsweise wird mittlerweile etwa jede zweite Person im Laufe ihres Lebens mit Krebs konfrontiert. Diese Zahl dürfte künftig weiter steigen. Besonders spannend ist derzeit jedoch die Innovationsdynamik: Neue Diagnostikverfahren, innovative Therapien und zahlreiche Fortschritte in der Biotechnologie eröffnen neue Möglichkeiten für Patienten und schaffen aus unserer Sicht die Grundlage für einen langfristigen Wachstumsschub im gesamten Gesundheitssektor.

Wachstum ist das eine – Bewertung das andere. Warum erscheinen Ihnen Healthcare-Aktien aktuell attraktiv?

Aus unserer Sicht spricht derzeit vieles für den Sektor. Unabhängig davon, welche Bewertungsmethode man heranzieht, erscheinen Gesundheitswerte vernünftig bewertet oder sogar günstig. Das gilt sowohl für etablierte Unternehmen als auch für viele Biotech-Gesellschaften, bei denen klassische Bewertungskennzahlen oft weniger aussagekräftig sind.

In den vergangenen Jahren haben viele Investoren Kapital in Technologieaktien umgeschichtet. Dadurch gerieten Healthcare-Titel unter Druck und entwickelten sich schwächer als der Gesamtmarkt. Das hat die Bewertungen auf attraktive Niveaus sinken lassen. Auch die Positionierung vieler Fonds und Indizes deutet darauf hin, dass der Sektor derzeit vergleichsweise gering gewichtet ist – ein weiteres Indiz für interessante Einstiegschancen.

Sie managen den Candriam Equities L Oncology. Wie würden Sie die Anlagestrategie des Fonds beschreiben?

Linden Thomson: Im Mittelpunkt steht der Kampf gegen Krebs. Wir investieren dabei jedoch nicht nur in klassische Onkologie-Unternehmen, sondern in ein breites Spektrum des Gesundheitssektors. Viele Anleger verbinden Onkologie zunächst mit einem Nischenthema. Tatsächlich umfasst das Anlageuniversum jedoch zahlreiche Teilbereiche – von Biotechnologie und Pharma bis hin zu Diagnostik und Medizintechnik.

Das ermöglicht uns, das Portfolio flexibel über unterschiedliche Marktzyklen hinweg zu steuern. Entscheidend ist dabei stets die Frage, welchen Beitrag eine Technologie oder ein Medikament langfristig für Krebspatienten leisten kann. Deshalb bezeichne ich den Fonds gerne als breit aufgestellten Healthcare-Fonds mit klarem Innovationsfokus.

Ein weiterer Aspekt ist unser gesellschaftlicher Anspruch: Ein Teil der Managementgebühren fließt in Ländern, aus denen unsere Investoren stammen, an Organisationen und Initiativen im Bereich der Krebsbekämpfung.

Welche Schwerpunkte setzen Sie aktuell im Portfolio?

Linden Thomson: Wir investieren über nahezu die gesamte Healthcare-Wertschöpfungskette hinweg. Auf Krankenversicherer verzichten wir allerdings, da deren direkter Beitrag zum Kampf gegen Krebs für uns schwerer nachvollziehbar ist.

Aktuell sind wir im Biotechnologiesektor übergewichtet. Innovation ist ein zentraler Baustein unserer Strategie, und wir beschäftigen uns intensiv mit der Suche nach den nächsten bedeutenden Therapien. Viele dieser Entwicklungen haben in den vergangenen Jahren sowohl Patienten als auch unseren Anlegern einen erheblichen Mehrwert gebracht.

Demgegenüber sind wir im klassischen Pharmasektor etwas vorsichtiger positioniert. Große, etablierte Pharmakonzerne bleiben zwar ein wichtiger Bestandteil des Portfolios, aktuell sehen wir jedoch die attraktivsten Chancen im Biotech-Bereich sowie bei Unternehmen, die Forschungs- und Diagnostikwerkzeuge für die Gesundheitsindustrie bereitstellen.

Frau Thomson, vielen Dank für das Gespräch.


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