Die Aktienmärkte zeigen sich stabil, doch hohe Bewertungen, politische Unsicherheit und mögliche Verwerfungen an den Rentenmärkten sprechen für Vorsicht. Holger Bufe von Nordproject hält an Aktien fest, mahnt aber zu einer breiten Streuung und ausreichenden Liquiditätsreserven. Auch bei Schwellenländeraktien und Gold kommt es aus seiner Sicht stärker auf die gezielte Auswahl an.
28.10.2026 | 12:45 Uhr
Die Aktienmärkte halten sich auf oder nahe ihren Allzeithochs. Für Holger Bufe von Nordproject ist das zwar ein positives Signal, aber kein Grund, die Risiken auszublenden. Hohe Bewertungen machen die Märkte anfällig für Enttäuschungen bei Unternehmensgewinnen, steigende Zinsen und politische Unsicherheit. Bis zu den US-Zwischenwahlen im November sieht er deshalb ein erhöhtes Korrekturrisiko. „Wir halten eine grundsätzlich investierte, aber vorsichtige Positionierung für angemessen“, lautet Bufes Einschätzung.
Anleger sollten demnach nicht grundsätzlich aus Aktien aussteigen, ihre Portfolios aber widerstandsfähig aufstellen. Eine breite Streuung und eine Liquiditätsreserve könnten helfen, mögliche Rücksetzer abzufedern und bei günstigeren Kursen neue Chancen zu nutzen. Nach den US-Zwischenwahlen könnten die Aktienmärkte wieder Rückenwind bekommen – vorausgesetzt, die politische Unsicherheit lässt nach und die Unternehmen bestätigen die Gewinnerwartungen. Eine solche Entwicklung ist für Bufe allerdings an Bedingungen geknüpft und kein Automatismus.
Bei Anleihen bleibt Bufe zurückhaltend. Zwar sind die Renditen gestiegen und damit für Anleger wieder attraktiver geworden. Doch höhere laufende Erträge allein bieten keine Sicherheit vor Kursverlusten. Sollte die Inflation hartnäckig bleiben, könnten die Zinsen weiter steigen. Hinzu kommen die hohe Staatsverschuldung und der erhebliche Finanzierungsbedarf vieler Staaten. Besonders langlaufende Anleihen sieht Bufe deshalb kritisch. Steigende Marktzinsen drücken in der Regel die Kurse bereits ausgegebener Anleihen, wobei die Kursreaktion bei längeren Laufzeiten stärker ausfallen kann. „Ein breiter Einstieg könnte noch verfrüht sein“, so seine Einschätzung. Auch für Mischfonds hat das Konsequenzen. Anleihen gelten häufig als stabilisierender Gegenpol zu Aktien. Bei erneutem Inflations- und Zinsdruck können jedoch beide Anlageklassen gleichzeitig Verluste erleiden. Anleger sollten deshalb nicht allein auf die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen schauen, sondern auch Laufzeiten, Bonitäten und die konkreten Risiken der einzelnen Positionen berücksichtigen.
Ein weiteres Risiko sieht Bufe bei den Yen-Carry-Trades. Bei diesen Geschäften nehmen Investoren häufig Kredite in einer Währung mit niedrigen Finanzierungskosten auf, um das Geld in Anlagen mit höheren erwarteten Erträgen zu investieren. Eine schnelle Aufwertung des japanischen Yen kann solche Positionen unter Druck setzen und Anleger dazu zwingen, ihre Geschäfte aufzulösen. Die daraus entstehenden Verkäufe könnten eine ohnehin laufende Aktienmarktkorrektur verstärken. Bufe sieht darin allerdings keinen eigenständigen Grund, sich grundsätzlich aus Aktien zurückzuziehen. Das Risiko müsse vielmehr bei der Portfolioausrichtung berücksichtigt werden. Besonders ungünstig wäre aus seiner Sicht ein Zusammentreffen mehrerer Belastungsfaktoren: Enttäuschende Unternehmenszahlen, politische Unsicherheit und die Auflösung von Carry-Trades könnten den Verkaufsdruck gleichzeitig erhöhen. In einem solchen Umfeld könnten sich Nervosität und Kursverluste gegenseitig verstärken.
Auch bei Schwellenländeraktien bleibt Bufe grundsätzlich zuversichtlich. Die positive Entwicklung der vergangenen Zeit könne sich fortsetzen. Allerdings dürfte die weitere Wertentwicklung stärker davon abhängen, welche Länder, Branchen und Unternehmen Anleger auswählen. Chancen sieht er unter anderem bei digitaler Infrastruktur, wettbewerbsfähiger Fertigung und dem wachsenden Binnenkonsum. Gegenwind könnten dagegen höhere US-Zinsen und ein stärkerer Dollar bringen. „Wir sind selektiv zuversichtlich, würden den bisherigen Aufwärtstrend jedoch nicht einfach fortschreiben“, beschreibt Bufe seine Haltung. Für Anleger bedeutet das, Schwellenländer nicht pauschal als einheitlichen Markt zu betrachten. Vielmehr kommt es darauf an, wo Unternehmen von strukturellem Wachstum profitieren und welche Risiken bereits in den Bewertungen enthalten sind. Zudem empfiehlt sich ein Blick auf die Zusammensetzung des Gesamtportfolios. Ein Schwellenländerinvestment bietet nicht automatisch zusätzliche Diversifikation. Wer bereits stark von Technologiewerten oder bestimmten Lieferketten abhängig ist, könnte durch weitere Engagements in verwandten Bereichen bestehende Risiken sogar verstärken.
Den jüngsten Rückgang des Goldpreises wertet Bufe nicht als Argument gegen eine begrenzte Beimischung des Edelmetalls. Gold könne ein Portfolio insbesondere gegenüber geopolitischen und fiskalischen Risiken diversifizieren. Allerdings generiert das Edelmetall keine laufenden Erträge und schützt auch nicht vor jedem Kursrückgang. Anders beurteilt Bufe Goldminenaktien. Sie bieten zwar die Chance, überproportional von einem steigenden Goldpreis zu profitieren. Zugleich handelt es sich aber um Unternehmensinvestments mit zusätzlichen Risiken. Neben dem Goldpreis beeinflussen Betriebsabläufe, Förderkosten, Energiepreise, Managemententscheidungen und politische Rahmenbedingungen die Ergebnisse der Minengesellschaften. Steigende Kosten können die Gewinnmargen selbst dann belasten, wenn der Goldpreis auf hohem Niveau liegt. „Für die Absicherung bevorzugen wir daher direktes Gold; Minenaktien betrachten wir als bewusst risikoreichere Ergänzung“, erklärt Bufe. Damit unterscheidet er zwischen der Rolle von Gold als möglichem Diversifikationsbaustein und dem Renditepotenzial von Unternehmen, deren Geschäft unmittelbar von der Förderung des Edelmetalls abhängt. Welche Variante geeignet ist, richtet sich entsprechend nach dem Anlageziel und der Risikobereitschaft.
Mit der bisherigen Zusammenstellung der Fonds zeigt sich Bufe zufrieden. Nach seiner Einschätzung hat sich die Kombination aus konservativeren Anlagen und gezielten Engagements in ausgewählten Themen bewährt. Besonders Technologie, Rohstoffe und Japan hätten im laufenden Jahr einen wichtigen Beitrag geleistet. Die Strategie folgt damit einem Ansatz, der nicht auf eine einzelne Markterwartung setzt. Stattdessen soll die Mischung verschiedener Anlageklassen und ausgewählter Wachstumsthemen Chancen eröffnen, ohne die Risiken aus dem Blick zu verlieren.

| Rang | Team | Perf. 2026 |
|---|---|---|
| 1 | Zindstein Vermögensverwaltung GmbH | 29,63% |
| 2 | Nordproject | 16,21% |
| 3 | Top Vermögen | 15,81% |
| 4 | Urban & Kollegen | 15,28% |
| 5 | Fonds Laden | 14,04% |
| 6 | QBS Invest | 13,44% |
| 7 | SJB FondsSkyline | 13,31% |
| 8 | ALPS Family Office | 12,34% |
| 9 | Performance AG | 10,69% |
| 10 | Bank für Vermögen | 10,49% |
| 11 | Oberbanscheidt | 10,21% |
| 12 | Plutos Vermögensverwaltung | 9,92% |
| 13 | Source for Alpha | 9,31% |
| 14 | FONDS & MORE GmbH | 7,30% |
| 15 | Höng Wealth Management | 6,21% |
| 16 | Greiff Capital | 5,70% |
| 17 | Acatis | 5,69% |
| 18 | HOPPE VermögensBetreuung | 5,37% |
| 19 | VALEXX AG | 5,14% |
| 20 | Bayerische Vermögen Management | 4,13% |
| 21 | FIVV AG | 3,28% |
| 22 | Plan F | 2,93% |
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