Vor zwei Jahren kannte kaum ein Privatanleger den Begriff Collateralized Loan Obligations (CLO). Heute kämpfen eine Reihe neu aufgelegter Fonds und ETFs um Marktanteile.
28.08.2026 | 13:30 Uhr von «Matthias von Arnim»
Kaum eine Anleihe-Anlageklasse hat in den vergangenen zwei Jahren einen derartigen Emissionsschub erlebt wie sogenannte AAA-CLOs. Was lange institutionellen Investoren mit eigenen Analystenteams vorbehalten war, ist inzwischen per Mausklick handelbar. Für die Beratung stellt sich damit eine neue Frage: Welches der wachsenden Zahl an Produkten passt zu welchem Kunden. Und warum schwanken die Kurse der Produkte trotz ähnlich hoher Erträge so unterschiedlich stark?
Einer der Gründe, warum CLO-Fonds und ETFs neuerdings häufiger nachgefragt werden, dürfte sein, dass Anleger vermehrt nach höherverzinsten Alternativen zu klassischen Geldmarktprodukten fragen. CLO-Produkte bieten sich hier durchaus an. Hintergrund: Eine Collateralized Loan Obligation, kurz CLO, bündelt zwischen 100 und 300 Kredite an Unternehmen, die sich meist bereits hoch verschuldet haben. Die Zinszahlungen aus dem Kreditkorb dieser sogenannten Leveraged Loans werden anschließend in Tranchen unterschiedlicher Risikoklassen zerlegt, von AAA bis zur Equity-Tranche ganz unten. Wer als Anleger in die oberste – mit AAA geratete – Tranche investiert, kauft sich in einen Schutzpuffer von rund 35 Prozent ein: Erst wenn die darunterliegenden Tranchen komplett aufgezehrt sind, drohen der AAA-Klasse überhaupt Verluste. Seit Bestehen des Marktes vor mehr als drei Jahrzehnten ist das noch nie passiert.
Berater können somit in Kundengesprächen vor allem diese Merkmale hervorheben: CLOs werden praktisch immer variabel verzinst emittiert, die Kupons passen sich alle drei Monate an das Marktzinsniveau an. Wer im Depot der Kunden ein Polster gegen das Zinsänderungsrisiko klassischer Anleihen sucht, findet in AAA-CLOs einen der wenigen Bausteine mit nahezu vernachlässigbarer Zinsduration bei gleichzeitig laufenden Erträgen oberhalb des Geldmarkts.
Genau dieses Profil hat in den vergangenen zwei Jahren einen regelrechten Emissionswettlauf neuer Produkte ausgelöst. Drei Faktoren kamen zusammen.
Erstens hat sich mit dem 2022er-Crash bei Aktien und Anleihen gleichzeitig eine Erkenntnis bei vielen Investoren festgesetzt: Klassische 60/40-Portfolios aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen brauchen Diversifikatoren, die anders reagieren. CLOs tun genau das.
Zweitens hat der amerikanische Markt mit seinem dortigen Pionierprodukt vorgemacht, wie sich ein bislang institutionelles Segment über einen ETF auch an Retail-Kunden distribuieren lässt, was europäische Anbieter unter Zugzwang gesetzt hat, solche Produkte auch zu emittieren.
Drittens hat die Regulierung nachgezogen: Erst seit rund zwei Jahren akzeptieren die Aufsichtsbehörden in Luxemburg und Irland UCITS-konforme Fonds mit hoher CLO-Quote.
Der Blick in die aktuelle Produktlandschaft zeigt, wie geballt dieser Schub tatsächlich war: Von neun gängigen ausschüttenden AAA-CLO-Fonds und -ETFs für den deutschsprachigen Markt sind allein sechs zwischen Februar und August 2025 aufgelegt worden – Fair Oaks im September 2024 war der eigentliche Wegbereiter, danach zogen Invesco, Eldridge, Janus Henderson, Lupus alpha und UBS nahezu im Wochentakt nach. Erst im Mai 2026 kam mit M&G der bislang jüngste Neuzugang hinzu.
| ISIN | Name | Start | Aussch. | Volumen in Mio. Euro | Perf. lfd. Jahr | Perf. 1 Jahr | Vola 1 Jahr | TER |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| IE000PKN5N58 | Invesco USD AAA CLO ETF | 10.02.25 | quartalsweise | 739,75 | 3,99% | 6,49% | 5,65% | 0,25% |
| LU3028243981 | UBS EUR AAA CLO UCITS ETF hUSD | 29.08.25 | halbjährlich | 173,12 | 3,88% | 0,28% | ||
| LU2941599834 | Janus Henderson EUR AAA CLO Active Core ETF GBP-Hedged | 04.03.25 | quartalsweise | 631,71 | 3,51% | 4,58% | 3,66% | 0,25% |
| DE000A3DD2U8 | Lupus alpha CLO High Yield Invest C | 05.05.25 | jährlich | 60,41 | 3,42% | 5,73% | 3,63% | 0,80% |
| DE000A1XDX38 | Lupus alpha CLO High Quality Invest A | 01.07.15 | jährlich | 256,55 | 2,41% | 4,08% | 0,83% | 0,68% |
| IE000U7LIXH5 | Invesco EUR AAA CLO ETF | 10.02.25 | quartalsweise | 1089,79 | 2,05% | 3,47% | 0,42% | 0,35% |
| LU2785470191 | Fair Oaks AAA CLO Fund ETF EUR | 10.09.24 | quartalsweise | 133,25 | 1,96% | 3,19% | 0,60% | 0,35% |
| LU2895488661 | Eldridge AAA CLO UCITS ETF | 26.02.25 | monatlich | 87,62 | 1,17% | 0,65% | 5,71% | 0,35% |
| IE000FMF9DG3 | M&G European AAA CLO Active UCITS ETF EUR | 27.05.26 | quartalsweise | 201,47 | 0,25% |
Quellen: FVBS professional, Fondsgesellschaften, eigene Recherche, Stand: 20.08.2026
Mit Blick auf Größe, Aussagekraft und Praxisrelevanz für die Beratung lohnt sich ein genauerer Blick auf drei Produkte: die beiden Invesco-ETFs sowie den Lupus-alpha-Klassiker.
Der Invesco EUR AAA CLO ETF ist mit knapp 1,1 Milliarden Euro Volumen das größte Produkt der gesamten Tabelle und faktisch der Marktführer unter den europäischen AAA-CLO-ETFs. Das Fondsvermögen fließt ausschließlich in Euro-denominierte CLO-Tranchen, wodurch für den Anleger kein Fremdwährungsrisiko entsteht. Bei einer Wertentwicklung von 3,47 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten weist der ETF mit 0,42 Prozent zugleich die niedrigste Volatilität der gesamten Vergleichsgruppe auf – ein Profil, das ihn zum naheliegenden Kernbaustein für konservativ ausgerichtete Euro-Mandate macht. Sein Schwesterprodukt, der Invesco USD AAA CLO ETF, investiert dagegen in Dollar-CLOs – den nach Volumen mit Abstand größten und liquidesten Teilmarkt weltweit – und darf laut Anlagerichtlinie zusätzlich bis zu 20 Prozent in AA-geratete Tranchen mit höherer Rendite, aber auch höherem Risiko gehen. Mit 6,49 Prozent Rendite in den vergangenen zwölf Monaten liefert er den höchsten Wert der gesamten Tabelle, kommt aber auch auf die zweithöchste Volatilität mit 5,65 Prozent. Da beide Invesco-Produkte vom selben Haus mit vergleichbarem Investmentansatz gemanagt werden, eignet sich das Paar hervorragend, um Kunden den entscheidenden Unterschied zu verdeutlichen: Es ist nicht das CLO-Kreditrisiko, das hier auseinanderdriftet, sondern die Währung.
Der Lupus alpha CLO High Quality Invest A schließlich ist der einzige klassische, aktiv gemanagte Investmentfonds im Vergleich – also kein ETF – und mit Auflegung im Juli 2015 zugleich das mit Abstand älteste Produkt der Tabelle. Der in Frankfurt ansässige Spezialanbieter investiert in Euro-CLO-Tranchen mit Investment-Grade-Rating von mindestens BBB- und damit etwas breiter als reine AAA-Strategien, verfolgt aber denselben konservativen Grundgedanken. Mit 4,08 Prozent Rendite und nur 0,83 Prozent Volatilität über die vergangenen zwölf Monate zeigt der Fonds, dass sich das CLO-Konzept auch über einen deutlich längeren Zeitraum – inklusive Corona-Crash und Zinswende 2022 – bewährt hat.
Zwei weitere Positionen der Tabelle verdienen einen genaueren Blick, weil sie ein Missverständnis entlarven, dem viele Anleger unterliegen: Ein Fonds mit dem Zusatz „gehedgt" oder „hedged" klingt nach mehr Sicherheit – und tatsächlich stimmt das auch, allerdings nur für den Anleger, dessen eigene Kontowährung mit der Zielwährung des Hedges übereinstimmt. Ein Beispiel macht das klar: Steigt ein Euro-Portfolio um ein Prozent, steigt bei einer auf Dollar gehedgten Anteilsklasse auch deren Kurs in Dollar um ein Prozent – unabhängig davon, wie sich der Euro zum Dollar bewegt. Für einen amerikanischen Anleger ist das ideal, denn er bekommt die reine Portfolio-Wertentwicklung ohne Wechselkurseinfluss. Ein deutscher Anleger sieht seinen Kontoauszug aber in Euro. Weil der Dollar-Kurs der Anteile nicht auf den Euro reagiert, entsteht bei der Rückumrechnung in Euro genau die Wechselkursschwankung, die der Hedge eigentlich verhindern sollte – nur eben ungewollt und in die falsche Richtung. Kurz gesagt: Ein Hedge schützt nur den Anleger, für den er gemacht wurde. Für alle anderen fügt er ein zusätzliches Währungsrisiko hinzu, statt eines zu beseitigen. Deshalb sind die in der Tabelle genannten ETFs von UBS und Janus Henderson zwei Sonderfälle.
Der UBS EUR AAA CLO UCITS ETF hUSD ist die im August 2025 aufgelegte, halbjährlich ausschüttende Anteilsklasse des ersten aktiven ETFs von UBS Asset Management in diesem Segment. Der Fonds selbst investiert nach ESG-Kriterien gefiltert ausschließlich in Euro-denominierte AAA-CLO-Anleihen. Entscheidend ist aber der Namenszusatz „hUSD": Diese Anteilsklasse ist von Euro auf US-Dollar währungsgesichert und richtet sich damit an Dollar-basierte Investoren. Für einen Euro-Anleger bedeutet das genau den oben beschriebenen Umkehreffekt. Wer als deutscher Berater versehentlich diese statt der ungehedgten EUR-Anteilsklasse – die es nur als thesaurierende Variante gibt (ISIN LU3028243122) – desselben Fonds ordert, holt sich trotz reinem Euro-CLO-Portfolio ein Dollar-Wechselkursrisiko ins Depot. Belastbare Rendite- und Volatilitätszahlen über zwölf Monate liegen wegen der kurzen Historie der gehedgten Version noch nicht vor. Mit 3,88 Prozent Wertentwicklung im laufenden Jahr bewegt sich der ETF aber im Rahmen der übrigen Euro-CLO-Produkte.
Ähnlich sieht es beim Janus Henderson EUR AAA CLO Active Core ETF GBP-Hedged aus. Es handelt sich um dieselbe Strategie und dasselbe Portfolio wie beim thesaurierenden EUR-ETF des Hauses (ISIN LU2941599081). Beide bilden den J.P. Morgan European CLOIE AAA Index ab und werden vom selben Team gemanagt. Die in einer auf britische Pfund gehedgte und quartalsweise ausschüttende Anteilsklasse mit 631,71 Millionen Euro Volumen hat in den vergangenen zwölf Monaten eine höhere Rendite erzielt als die ungehedgte Version. Der Hedge war also zuletzt ein Vorteil für Euro-Anleger. Die Pfund-Absicherung birgt strukturell jedoch dasselbe Problem wie beim UBS-Beispiel: Sie neutralisiert nicht das Fremdwährungsrisiko, sondern ersetzt es durch ein neues, nämlich die Bewegung des Euro gegenüber dem Pfund. Das erklärt zu einem guten Teil, warum diese Anteilsklasse mit 3,66 Prozent eine mehr als vierfach höhere Volatilität aufweist als die klassische EUR-Anteilsklasse desselben Fonds, die sich – wie bei vergleichbaren reinen Euro-Produkten in der Tabelle üblich – im Bereich von unter einem Prozent bewegt. Anders als beim Vergleich zwischen verschiedenen Anbietern lässt sich hier besonders klar zeigen, dass allein die Anteilsklasse und nicht das CLO-Portfolio für den Vola-Sprung verantwortlich ist.
Für die Beratungspraxis folgt daraus eine simple, aber oft übersehene Regel: Bei CLO-ETFs mit mehreren Anteilsklassen lohnt sich vor jeder Order der Blick auf den Zusatz hinter dem Fondsnamen. „hUSD", „GBP-Hedged" oder ähnliche Kürzel bedeuten für einen Euro-Anleger nicht automatisch Sicherheit, sondern im Gegenteil häufig ein zusätzliches, unnötiges Währungsrisiko.
Wer die Tabelle studiert, stößt auf einen auf den ersten Blick irritierenden Befund: Vier der neun Produkte erzielten in den vergangenen zwölf Monaten mehr als vier Prozent Rendite – Invesco USD AAA CLO ETF mit 6,49 Prozent, Lupus alpha CLO High Yield mit 5,73 Prozent, Janus Henderson GBP-Hedged mit 4,58 Prozent und Lupus alpha CLO High Quality mit 4,08 Prozent. Ihre Volatilitäten liegen dabei aber zwischen 0,83 und 5,65 Prozent – ein Faktor-Sechs-Unterschied bei ähnlichem Renditeniveau. Der Haupttreiber ist in den meisten Fällen die Währung, nicht das Kreditrisiko. Produkte, die konsequent in Euro-CLOs investieren und ihr Fremdwährungsrisiko damit gar nicht erst eingehen – Invesco EUR mit 0,42 Prozent, Fair Oaks mit 0,60 Prozent, Lupus alpha CLO High Quality mit 0,83 Prozent –, bewegen sich allesamt unterhalb der Ein-Prozent-Marke. Produkte mit ungesichertem Dollar- oder Pfund-Exposure dagegen zeigen ein völlig anderes Bild: Der Invesco USD AAA CLO ETF und der Eldridge AAA CLO UCITS ETF kommen beide auf über 5,6 Prozent Volatilität, obwohl Letzterer in den vergangenen zwölf Monaten mit nur 0,65 Prozent kaum Rendite abgeworfen hat. Das ist ein Indiz dafür, dass hier vor allem Wechselkursschwankungen zwischen Euro und Dollar zu Buche schlugen, während sich die zugrunde liegenden AAA-Tranchen selbst kaum bewegten.
Auch die GBP-gehedgte Janus-Henderson-Variante liegt mit 3,66 Prozent deutlich über dem Niveau der reinen Euro-Produkte. Wie oben gezeigt, lässt sich das im direkten Vergleich zur EUR-Anteilsklasse desselben Fonds sogar isoliert auf den Effekt der Anteilsklassen-Währung zurückführen.
Eine Ausnahme von diesem Muster bildet der Lupus alpha CLO High Yield Invest C: Sein Name verrät bereits, dass der Fonds nicht auf die oberste AAA-Tranche beschränkt ist, sondern gezielt in tiefere, höher rentierliche CLO-Tranchen investiert. Seine erhöhte Volatilität von 3,63 Prozent bei gleichzeitig hoher Rendite von 5,73 Prozent resultiert daher tatsächlich aus zusätzlichem Kredit- und Spread-Risiko. Das ist ein struktureller Unterschied, den Berater ihren Kunden nicht vorenthalten sollten, wenn dieses Produkt im selben Atemzug mit reinen AAA-Strategien genannt wird.
AAA-CLOs sind kein Ersatz für Tagesgeld und auch kein klassischer Rentenbaustein, sondern eine eigenständige Ergänzung im variabel verzinsten Segment – mit AAA-Qualität, praktisch verschwindender Zinsduration und einer historisch nachweisbaren Ausfallquote von null. Für die Beratung lohnt sich dabei ein zweistufiger Blick: Erstens auf die Währung. Wer Kunden ein möglichst ruhiges Chartbild und geringe Kursschwankungen verspricht, sollte konsequent zu Euro-CLO-Produkten wie dem Invesco EUR AAA CLO ETF, Fair Oaks oder Lupus alpha CLO High Quality greifen. Wer dagegen zusätzliche Rendite über das höhere Dollar-Zinsniveau sucht und Fremdwährungsschwankungen bewusst in Kauf nimmt, findet im Invesco USD AAA CLO ETF ein Instrument mit deutlich höherem Ertragspotenzial – aber auch spürbar höherem Schwankungsrisiko. Zweites wichtiges Kriterium ist die Tranchen-Reinheit: Nicht jedes Produkt, das als „AAA-CLO" beworben wird, bleibt tatsächlich strikt in der obersten Ratingklasse. Ein Blick ins Factsheet, wie viel Spielraum für tiefere Tranchen oder Fremdwährung tatsächlich besteht, gehört damit zur Sorgfaltspflicht jeder CLO-Empfehlung.
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