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Analyse: So viele Aktien braucht ein diversifiziertes Portfolio

Technologieaktien sollten nur ein Teil des Portfolios sein
Analyse

Dass ein Portfolio, das nur Nvidia-Aktien enthält, nicht breit gestreut ist, liegt auf der Hand. Dass die Diversifikation nicht viel besser wird, wenn nun noch Apple hinzukommt, ebenfalls. Aber ab wie vielen Titeln ist ein Aktienportfolio wirklich breit gestreut aufgestellt? Wenn man 10, 50 oder 100 Titel kauft? Pascal Kielkopf hat nachgerechnet.

09.06.2026 | 12:15 Uhr

Für seine Untersuchung ermittelte der Kapitalmarktstratege vom Family Office HQ Trust den jeweiligen Anteil des sogenannten unsystematischen Risikos eines Portfolios. Dieses Risiko beschreibt den Teil der Gesamtvolatilität, der nicht vom Markt stammt, sondern von den einzelnen Unternehmen oder Branchen. Und genau dieses Risiko lässt sich durch Diversifikation verringern.

Als Referenzindex wählte Pascal Kielkopf den MSCI ACWI, einen weltweiten Aktienindex mit mehr als 2500 Titeln. Die Untersuchung basiert auf den Daten der vergangenen zehn Jahre. Bei der Berechnung steht folgende Frage im Mittelpunkt: Wie viel unsystematisches Risiko hätte ein Anleger getragen, wenn er nur in die größten fünf, zehn, fünfzig oder zweihundert Aktien des MSCI ACWI investiert hätte? Pascal Kielkopf erhöhte die Zahl der Titel schrittweise bis auf 300, um zu ermitteln, wann das unternehmensspezifische Risiko auf ein vertretbares Maß sinkt.

  • „Wer ausschließlich die jeweils größte Aktie im MSCI ACWI hält, trägt ein stark konzentriertes Risiko: Rund zwei Drittel der Schwankungen wären titelspezifisch.“
  • „Bei den zehn größten Titeln sinkt dieses Risiko auf rund 35 Prozent. Von echter Diversifikation kann jedoch nach wie vor keine Rede sein.“
  • „Der häufig verwendete akademische Schwellenwert von 10 Prozent , ab dem man von wirksamer Diversifikation sprechen kann, wird erst erreicht, wenn die 90 größten Aktien im Portfolio enthalten sind.“
  • „Erst bei knapp 200 Titeln fällt das unsystematische Risiko unter 5 Prozent . Viele professionelle Investoren betrachten diese Marke als Voraussetzung für ein Portfolio mit breiter Marktabdeckung.“
  • „Selbst bei 300 Titeln liegt das unsystematische Risiko noch bei rund 3 Prozent. Das Niveau für echte Indexreplikation wird erst unter 2 Prozent erreicht, wofür eine sehr große Titelzahl notwendig ist, die für Privatanleger schon längst nicht mehr handhabbar wäre.“

    Diversifikation mit Akien
    Diversifikation mit Akien

    Was Anlegerinnen und Anleger aus der Analyse mitnehmen sollten

    • „Die Analyse bestätigt eine der ältesten Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung: Diversifikation ist tatsächlich der einzige Free Lunch an den Kapitalmärkten.“
    • „Wer das Risiko einzelner Unternehmen möglichst ausschalten und die Rendite des globalen Aktienmarktes vereinnahmen möchte, benötigt deutlich mehr Titel als viele Anleger vermuten.“
    • „Wer wenige Aktien hält, geht spezifische Risiken ein, für die er am Markt langfristig keine verlässliche Mehrrendite – also keine Gegenleistung – erhält.“

    Trotzdem gibt es eine Einschränkung

    • „Viele Titel allein machen noch kein gutes Portfolio. Wer 200 Technologieaktien oder ausschließlich deutsche Unternehmen kauft, hat zwar viele Titel, aber keine echte Diversifikation.“
    • „Entscheidend ist die Streuung über Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Erst das breite Investieren in den globalen Markt bringt den vollen Diversifikationsnutzen.“
    • „Für Anleger, die gezielt auf einzelne Themen, Sektoren oder Unternehmen setzen wollen, gelten andere Maßstäbe: Wer bewusst konzentriert investiert, tut dies mit der Erwartung einer Überrendite. Auch das ist eine legitime Strategie – aber eben unter Inkaufnahme höherer Einzeltitelrisiken.“

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