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Euroland-Fonds: Aktives Management lohnt sich. (AI-Grafik © 2026 by MvA)
Aktienfonds

Euroland-Aktienfonds: die Aussichten, die Top-Portfolios

Die EZB erhöht die Zinsen, der Ölpreis steigt, die Stimmung trübt sich ein. Und doch haben aktiv gemanagte Euroland-Aktienfonds in den vergangenen zwölf Monaten mehrheitlich besser abgeschnitten als der Markt. Das ist kein Zufall.

07.10.2026 | 09:45 Uhr von «Matthias von Arnim»

Zunächst die schlechte Nachricht: Wer im Herbst 2026 in Aktien der Eurozone investiert, tut das gegen ein unbequemes Umfeld. Am 10. September hat der EZB-Rat die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr um 25 Basispunkte angehoben, der Einlagensatz liegt seither bei 2,50 Prozent. Die Notenbank begründet den Schritt ausdrücklich mit dem Nahost-Konflikt, der die Teuerung anheizt. Volkswirte rechnen für 2026 mit einer durchschnittlichen Inflation von 3,0 Prozent. Der größte Preistreiber ist derzeit die Energie. Brent-Rohöl hat sich allein im September um mehr als 17 Prozent verteuert. In Deutschland ist die Inflation im September auf 3,3 Prozent geschnellt – höher, als Ökonomen erwartet hatten. Der Wirtschaftsstimmungsindikator für den Euroraum ist auf 97,9 Punkte gefallen, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt aktuell bei gut 3,6 Prozent. Für Aktien bedeutet das: Die Konkurrenz durch Anleihen wächst, und die Bewertungen stehen unter Druck.

Ungemütlich ist auch die Aussicht auf weitere Zinsschritte. Die nächste Sitzung des EZB-Rats steht am 29. Oktober an, eine dritte Anhebung bis Dezember gilt am Markt als realistisch. Für zinssensible Wachstumswerte und hoch verschuldete Unternehmen ist das eine weitere schlechte Nachricht.

Robuste Gewinne, aber nicht überall

Nun die gute Nachricht: Dem Gegenwind steht ein erstaunlich stabiles Fundament gegenüber. Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone wuchs im zweiten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal und damit doppelt so stark wie prognostiziert. Die EZB selbst verweist auf eine Konjunktur, die sich robuster zeigt als erwartet. Auf Unternehmensebene sind die Analysten seit Jahresbeginn optimistischer geworden: Die Gewinnschätzungen für europäische Firmen wurden um rund 6 Prozent angehoben, für 2026 wird nun ein Gewinnwachstum von etwa 14 Prozent erwartet.

Nicht alle Branchen werden im selben Tempo mitschwimmen. Wenn Energiepreise, Zinsen und Geopolitik gleichzeitig wirken, gehen die Kursentwicklungen einzelner Unternehmen und Sektoren zum Teil weit auseinander. Banken profitieren von höheren Zinsen, energieintensive Industrien leiden, Versorger mit stabilen Cashflows werden zum sicheren Hafen. Für Investoren bedeutet diese fragile Situation, dass Fonds mit aktivem Management klare Vorteile gegenüber passiven Produkten bieten können. Während etwa Indexfonds durch die starke Berücksichtigung der Gewichtung der Marktkapitalisierung der einzelnen Unternehmen derzeit vor allem die Risiken hoher aktueller Bewertungen mit einkaufen, können aktive Manager gewichten, meiden und umschichten.

Eine Auswertung von 20 thesaurierenden Euroland-Aktienfonds mit Stand September 2026 belegt das. Als Vergleich dient hier der UBS (L) MSCI EMU Index Fund, der den breiten Markt passiv abbildet und in zwölf Monaten 22,7 Prozent zugelegt hat. Von den 20 aktiv gemanagten Fonds der Liste haben 14 im Einjahresvergleich und 15 über drei Jahre besser abgeschnitten. Der Median der aktiven Fonds liegt über drei Jahre bei 16,1 Prozent pro Jahr, der Indexfonds kommt nur auf 13,3 Prozent.

Zur Wahrheit gehört auch, dass die laufenden Kosten der aktiven Produkte im Median bei rund 1,7 Prozent pro Jahr liegen, Indexfonds verlangen selten mehr als 0,2 Prozent. Diesen Unterschied müssen aktive Fonds erst einmal einspielen. Aktives Management lohnt sich also nicht pauschal, sondern nur mit dem richtigen Manager und dem richtigen Ansatz.

Standardwerte besser als Nebenwerte

Wenn es darum geht, die passende Auswahl bei den Euroland-Fonds zu treffen, ist ein Vergleich von Standard- und Nebenwertefonds hilfreich. Bemerkenswert ist, dass auf Sicht der vergangenen Monate die großen Titel eindeutig die Nase vorn haben. Europäische Small und Mid Caps kamen bis zum 20. September auf ein Plus von rund 8 Prozent. Die aktiven Euroland-Fonds der Auswertung, die überwiegend in große Werte investieren, legten seit Jahresbeginn im Median aber um gut 14 Prozent zu.

Das hat Gründe, die vorerst fortwirken. Kleinere Unternehmen finanzieren sich stärker über Bankkredite und spüren steigende Zinsen früher. Viele von ihnen sind zudem auf den Heimatmarkt angewiesen und können höhere Energie- und Frachtkosten schlechter weitergeben als ein globaler Konzern. In Phasen der Unsicherheit ziehen sich Anleger außerdem in liquide Titel zurück, die sie jederzeit wieder verkaufen können. Schon in den vergangenen Jahren zogen die Standardwerte davon. Zwischen 2022 und 2025 stiegen europäische Nebenwerte nur um rund 4 Prozent, während Large Caps mehr als 40 Prozent zulegten.

Es sieht so aus, als ob sich dieser Trend mittelfristig fortsetzen und Large Caps deshalb Vorteile bieten würden. Langfristig muss das allerdings nicht so bleiben. Denn der Bewertungsabschlag der Small und Mid Caps gegenüber den großen Titeln ist mittlerweile historisch ungewöhnlich. Früher wurden Small Caps wegen ihres höheren Wachstums meist mit einem Aufschlag gehandelt. Hinzu kommen neue Impulse: Das Infrastrukturprogramm der Bundesregierung dürfte vor allem mittelständischen Industrie- und Bauwerten zugutekommen, und der Markt für Börsengänge belebt sich. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die IPO-Erlöse in Europa um 76 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.

Für Anlageberater könnte daraus ein pragmatischer Ansatz folgen: Fragen Kunden nach Euroland-Aktien, könnte ein breit aufgestellter Fonds mit Schwerpunkt auf Standardwerten die Basis bilden. Ein spezialisierter Nebenwertefonds könnte die Bewertungschance ergänzen. Wer nur ein Produkt will, findet mit Multi-Cap-Strategien einen Mittelweg: Sie bleiben liquide, mischen aber gezielt mittelgroße Unternehmen bei. Drei Spitzenfonds, drei Handschriften Bei der Betrachtung aktiver, thesaurierender Euroland-Fonds stehen an der Spitze der Zwölfmonatswertung drei Strategien mit grundverschiedenen Ansätzen: ein regelbasierter Value-Fonds, eine Dividendenstrategie und ein quantitatives Modell.

ISIN Kurzname Perf. lfd. Jahr Perf. 1 Jahr Perf. 3 Jahre p.a. Perf. 5 Jahre p.a. Lfd. Kosten p.a.
LU1897138860 DWS Invest CROCI Euro NC 19,96% 33,36% 11,35% 5,84% 2,15%
IE00B3ZCH117 KBI Eurozone Equity € C 16,72% 29,92% 16,79% 10,97% 0,69%
LU1813569289 Digital Stars Eurozone Acc 18,48% 27,92% 20,61% 10,52% 1,84%
LU0085870433 UBS (L) EF Euro Countries Opp € P-acc 17,79% 26,51% 13,72% 5,95% 1,79%
LU1240328812 Invesco Euro Equity A € acc 19,04% 26,44% 14,47% 10,93% 1,74%
FR0007035159 Prévoir Gestion Actions C 17,65% 26,39% 9,87% 0,68% 1,79%
LU0011889846 JHH Euroland A2 € 18,37% 25,46% 18,60% 10,71% 1,87%
LU0389656892 AXA WF Sust Eurozone Equity A Cap € 13,57% 23,94% 14,21% 7,99% 1,73%
DE0009779611 First Private Euro Dividenden STAUFER A 13,99% 23,74% 16,64% 9,66% 1,73%
LU0165074666 HSBC GIF Euroland Value AC 13,82% 23,65% 19,18% 12,48% 1,85%
LU0178439310 Allianz Best Styles Euroland Equity AT € 14,20% 23,54% 16,99% 10,20% 1,36%
DE0009778563 DWS Qi Eurozone Equity RC 13,56% 23,16% 17,56% 11,15% 0,55%
LU1883303635 Amundi Euroland Equity A € 14,52% 23,06% 14,28% 9,69% 1,78%
FR0010632364 Oddo BHF Metropole Euro A 15,05% 22,90% 15,44% 11,23% 1,68%
LU1419770166 UBS (L) MSCI EMU Index Fund € A acc 13,38% 22,65% 13,28% 10,95% 0,12%
LU1616922123 Eleva Euroland Selection R € acc 11,36% 22,22% 16,65% 9,96% 1,00%
AT0000810536 Generali Euro Stock-Select T 13,23% 21,92% 17,82% 9,64% 1,07%
LU0127786431 GS Eurozone Equity Income P Cap € 13,65% 21,90% 15,52% 11,09% 1,80%
FR0000437113 HSBC RIF SRI Euroland Equity AC-D € 11,36% 20,68% 13,25% 6,69% 1,55%
LU1956161167 BNPP Seasons Classic € CAP 10,13% 20,26% 14,43% 8,92% 1,18%
FR0010744532 CPR Euroland ESG P 12,55% 20,24% 15,51% 9,02% 1,17%

Stand: 30. September 2026, Quelle: FVBS professional

DWS Invest CROCI Euro: Bewertung nach Cashflow statt Bilanz

Der Spitzenreiter mit einem Zwölfmonatsplus von 33,4 Prozent folgt einer Methode, die DWS seit Jahren in einer ganzen Fondsfamilie einsetzt. CROCI steht für Cash Return on Capital Invested. Das Team um Fondsmanager Adam Freeman bereinigt die Bilanzen der Unternehmen um buchhalterische Verzerrungen und berechnet daraus ein ökonomisches Kurs-Gewinn-Verhältnis. Aus den rund 100 größten Unternehmen des Euroraums wählt der Fonds 30 Aktien mit den niedrigsten positiven Werten aus. Banken, Versicherer und Immobilienfirmen sind ausgeschlossen, weil sich ihre Bilanzen mit der Methode schlecht vergleichen lassen. Die Titel werden gleich gewichtet und in regelmäßigen Abständen nach festen Regeln neu ausgewählt. Seit August 2024 misst sich der Fonds am MSCI EMU Value. Die Konsequenz des Ansatzes hat zwei Seiten. Wenn günstig bewertete Standardwerte gefragt sind wie im vergangenen Jahr, liefert der Fonds kräftig. Über fünf Jahre steht dagegen nur ein Plus von 5,8 Prozent pro Jahr zu Buche, deutlich weniger als der Markt. Zudem ist die hier betrachtete Anteilsklasse NC mit laufenden Kosten von 2,15 Prozent die teuerste der Top-Gruppe. Der Fonds eignet sich damit vor allem als bewusst gesetzte Value-Komponente.

KBI Eurozone Equity: Dividenden dort suchen, wo andere nicht hinschauen

Der Fonds von KBI Global Investors, einer Dubliner Tochter von Amundi, legte in zwölf Monaten 29,9 Prozent zu und überzeugt auch auf längere Sicht. Mit 11,0 Prozent pro Jahr über fünf Jahre gehört er zu den wenigen aktiven Produkten, die den Indexfonds auch langfristig hinter sich lassen. Verantwortlich ist ein Team um David Hogarty, Head of Portfolio Management, mit den Senior Portfolio Managern Ian Madden, James Collery und Massimiliano Tondi. Die Strategie setzt auf Unternehmen, die ihre Dividende dauerhaft zahlen und steigern können. Der Clou liegt im Vergleichsmaßstab: KBI zerlegt den Markt in Branchensegmente und lässt nur Titel zu, deren Ausschüttungsrendite über dem Durchschnitt ihrer jeweiligen Branche liegt. So kommen auch Technologie- oder Industriewerte ins Portfolio, deren Dividende absolut betrachtet niedrig ist. Anschließend filtert das Team nach Qualität, Wachstum und Nachhaltigkeit und bildet aus den bestplatzierten Aktien ein Portfolio über alle Größenklassen. Ende Juni hielt der Fonds 58 Titel. Die Dividendenrendite des Portfolios lag bei 3,8 Prozent gegenüber 2,6 Prozent für den MSCI EMU, das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 13,5 gegenüber 15,7. Zu den größten Positionen zählten ASML, Intesa Sanpaolo, Enel, Vinci und Nordea. Auffällig ist die Größenstruktur: Unternehmen mit einem Börsenwert unter 50 Milliarden Dollar sind gegenüber dem Index um fast 18 Prozentpunkte übergewichtet. Der Fonds liefert damit eine gut dosierte Nebenwerte-Beimischung.

Digital Stars Eurozone: Die Maschine sucht die Sterne

Der dritte Fonds im Bunde kommt aus Luxemburg und stammt von IRIVEST Investment Managers, dem Haus, das unter anderem aus der Fusion mit Chahine Capital hervorgegangen ist. Inzwischen wird er unter dem Namen Chahine Funds – Equity Eurozone geführt. Das Management liegt bei Julien Bernier, Aymar de Léotoing und Alexandre Morlot. Im Zentrum steht ein quantitatives Modell, das im Euroraum systematisch nach den künftigen Outperformern sucht, den „Stars“. Menschliche Einschätzungen spielen bei der Titelauswahl eine untergeordnete Rolle, das Modell verarbeitet Marktdaten diszipliniert und frei von Emotionen. Ergänzend berücksichtigt das Team ESG-Risiken und bevorzugt Unternehmen, die diese Risiken gut steuern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit 20,6 Prozent pro Jahr erzielte der Fonds über drei Jahre die beste Wertentwicklung der gesamten Liste, auf Jahressicht sind es 27,9 Prozent. Mit knapp 17 Millionen Euro Fondsvolumen ist er allerdings klein, und die Kosten von 1,84 Prozent liegen im oberen Mittelfeld.

Fazit: Auf den Ansatz kommt es an Zinserhöhungen, ein Ölpreisschock und eine hartnäckige Inflation machen den Euroraum derzeit nicht zum bequemsten Aktienmarkt. Gerade deshalb ist er ein guter Markt für aktive Manager. Die Unternehmensgewinne wachsen kräftig, die Kursentwicklungen einzelner Branchen und Titel laufen weit auseinander, und die große Mehrheit der aktiven Euroland-Fonds hat den passiven Vergleichsfonds über ein und drei Jahre geschlagen. Der Fünfjahresvergleich mahnt allerdings zur Auswahl. Nur wenige aktive Fonds haben den Markt nach Kosten auch langfristig übertroffen. Berater sollten daher auf einen klar erkennbaren, konsequent umgesetzten Ansatz achten und prüfen, ob er zur Marktphase passt. Die drei Spitzenreiter zeigen die Bandbreite: CROCI Euro für die konsequente Value-Wette auf große Werte, KBI Eurozone Equity für eine dividendenorientierte Multi-Cap-Strategie mit langfristig überzeugender Bilanz, Digital Stars Eurozone für einen systematischen, datengetriebenen Zugang. Bei der Größenklasse spricht vorerst mehr für Standardwerte als Kern des Depots. Die historisch hohen Abschläge der Nebenwerte bieten jedoch eine Chance für Anleger mit längerem Atem. Wer beides verbinden will, ist mit einer Multi-Cap-Strategie gut bedient, die mittelgroße Unternehmen gezielt übergewichtet.

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