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Warum die Zinsen vielleicht nie wieder steigen werden

Die Deutschen sparen wie kaum ein anderes Volk. Und sie hoffen, dass sich ihr Geld in Zukunft wieder höher verzinst. Einige Argumente sprechen dafür, dass Finanzberater ihren Kunden diese Hoffnung nehmen sollten.

11.10.2019 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Im vergangenen Jahr ist die Welt ein wenig ärmer geworden. Glaubt man dem aktuellen Global Wealth Report der Allianz, ist das Netto-Geldvermögen weltweit um 1,9 Prozent auf 129,8 Billionen Euro gesunken. Die größten Verlierer leben in den Schwellenländern: Dort sank das Netto-Geldvermögen um beachtliche 5,7 Prozent. Das ist eine erstaunliche Entwicklung. Noch nie in der Geschichte schrumpften die Vermögen rund um den Globus gleichzeitig.

Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass es Ausnahmen gibt. Dazu zählt Deutschland. Hierzulande stieg das Geldvermögen gegen den weltweiten Trend im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent auf insgesamt 6,2 Billionen Euro an. Ausgerechnet die Aktienmuffel und Sparbuchfetischisten haben dem Land einen Eintrag in den Geschichtsbüchern gesichert. 

Der Grund: Die Bundesbürger sparen überwiegend traditionell mit Bankeinlagen. Wertpapiere sind verpönt. Und so sind die Verwerfungen am Finanzmarkt in der Folge des Handelskrieges zwischen den USA und China, des sich endlos ziehenden Brexits und den Spannungen im Nahen Osten an der Mehrzahl der deutschen Sparer fast spurlos verbeigezogen. Während die Aktienkurse 2018 rund zwölf Prozent verloren, wuchs das Anlagevermögen auf deutschen Sparkonten – wenn auch deutlich langsamer als in vergangenen Jahrzehnten. Wenn weltweit die Aktienkurse sinken, wirkt auch ein Zins nahe der Nulllinie wie ein Hauptgewinn.

Trügerische Sicherheit

Blickt man also ausschließlich auf das vergangene Jahr, scheint es so, als ob die Bundesbürger alles richtig gemacht hätten. Netto haben die deutschen Sparer derzeit durchschnittlich ein Vermögen von rund 53.000 Euro pro Kopf. In der Liste der reichsten Länder der Welt belegt Deutschland damit den 18. Rang.

Das ist zwar nicht schlecht. Aber es geht deutlich besser: Auf Platz 1 der Nettofinanzvermögen liegen trotz Handelskonflikten die USA, gefolgt von der Schweiz, Singapur und Taiwan – Nationen mit einer historisch gewachsenen und lebendigen Aktienkultur. Auf Platz 5 folgen die Niederlande. Dort ist das Vermögen pro Kopf fast doppelt so hoch wie in Deutschland.

Der erstaunlich schlechte 18. Platz deutscher Sparer im internationalen Vergleich dürfte sich in den kommenden Jahren wohl manifestieren. Denn falls die Deutschen weiterhin Aktien vernachlässigen und dafür Zinsen bevorzugen, wird es höchstwahrscheinlich auch in Zukunft so sein, dass nach Abzug von Inflation und Steuern ein Minuszeichen in der Renditebilanz steht.

Der Grund: Die Zinsen werden aller Voraussicht nach niedrig bleiben. Und das ist nicht, wie gerne geschrieben und oft wiederholt, die alleinige Schuld der Zentralbanken. Es ist stattdessen eine langfristige Entwicklung von Angebot und Nachfrage. „Als nach dem zweiten Weltkrieg der Investitionsbedarf in Deutschland hoch und Kapital knapp war, stiegen die Zinsen in der Wiederaufbauperiode von 1955 bis 1974 bis auf acht Prozent. Danach sanken sie langsam bis 2008 auf 6,5 Prozent und fielen nach der Finanzkrise weiter auf durchschnittlich 2,5 Prozent. In den vergangenen Jahren touchierten sie schließlich die Nulllinie. 

Mehr Angebot an privatem Kapital trifft auf weniger Nachfrage aus der Wirtschaft

„Seit dem Ende des Aufholbedarfs in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren hat sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt und die Ersparnisse wuchsen wohlstandsbedingt. Dadurch entstand ein massiver Sparüberhang, der auf die Zinssätze drückte. Der Bedarf an Kapital ist rückläufig. Für die hohen Ersparnisse der Privathaushalte gibt es keine Nachfrage mehr“, sagt Markus Richert, Seniorberater in der Vermögensverwaltung bei Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln. „Sparer müssen sich darüber klar werden, dass sie etwas anbieten, was auf dem Markt nicht mehr nachgefragt wird. Der Vorwurf der Enteignung durch die Geldpolitik der EZB greift hier ins Leere“, so Richert. Ordentliche Zinsen gebe es eben nur bei Wachstum und Vollbeschäftigung. Eine Zinserhöhung der Notenbank würde derzeit wenig ändern. Bereits bei dem jetzigen Zins von Null wollten zu wenige investieren. „Die Zinsen zu erhöhen, würde nur dazu führen, dass sich die Wirtschaft noch weiter abschwächt, die Inflation noch weiter zurückgeht. Damit würde man einen Mechanismus in Gang setzen, der langfristig noch zu weit tieferen Zinsen führen würde“, argumentiert der zertifizierte Finanzberater.

Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis haben mittlerweile auch die Zentralbanken gezogen: In Europa werden Strafzinsen auf Guthaben erhoben, in den USA wird die Zinsschraube wieder aufgedreht. Geld wird wieder billiger.

Fazit: Sparer haben keinen rechtlichen oder moralischen Anspruch auf eine Verzinsung ihres Kapitals. Wer seinen Notgroschen aufs Sparkonto einer Bank legt, leiht einem in der Regel hoch verschuldeten Unternehmen Kapital. Denn der typische Fremdkapitalanteil am Gesamtvermögen einer Bank beträgt 92 Prozent. Um positive Renditen mit diesem Geld zu erwirtschaften, müssen Banken an den Kapitalmarkt gehen. Diesen Umweg sollten sich Anleger sparen und selbst aktiv werden. Das ist vielleicht sogar das beste Argument dafür, direkt in den Aktienmarkt zu investieren.

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