• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

Aktiv gemanagte Fonds: Denn sie wissen, was sie tun

Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Warum Portfoliomanager im vergangenen Jahr deutlich besser geworden sind.

23.02.2026 | 10:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Seit Jahren erleben wir dasselbe Ritual: Ratingagenturen veröffentlichen zum Jahresbeginn ihre Studie, in der sie verkünden, wie gut aktiv gemanagte Fonds im Vergleich zu ihren Benchmarks abgeschnitten haben. Das Ergebnis: Die meisten schneiden schlecht ab. Die ETF-Apostel jubeln, während die Mehrzahl der Portfoliomanager an der Ungerechtigkeit der Welt verzweifelt. Und das mit Recht. Denn die Anlageprofis haben sogar gleich mit zwei Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Erstens: Die Portfoliomanager starten im jährlichen Performancerennen gegenüber ihren Vergleichsindizes und auch im Vergleich zu den ETFs, die sich auf diese Indizes beziehen, quasi von der Startlinie weg mit einem Hemmschuh. Gemeint sind die Verwaltungsgebühren. Vergleichsindizes ohne Kosten sind hier, das muss man betonen, keine fairen Gegner. Aber auch ETFs sind preiswerter als die aktiv gemanagten Fonds. Im Performance-Vergleich haben ETFs gegenüber aktiven Fonds oft einen Vorsprung von einem Prozentpunkt oder manchmal auch deutlich mehr. Die Fondsmanager müssen diese Differenz erst einmal aufholen, bevor sie zum Überholen ansetzen können.

Und dann ist da noch die Ungerechtigkeit der Stochastik. Es ist nun einmal so, dass es niemals (!) der Mehrheit der Portfoliomanager gelingen wird, besser zu performen als der Durchschnitt. Das liegt nicht nur an den Verwaltungsgebühren. Die machen es nur schwerer. Es liegt einfach daran, dass es immer Investoren geben wird, die schlechter abschneiden als der Durchschnitt, manche erzielen Ergebnisse nahe daran. Und manche schneiden besser ab. Das ist immer so. Denn der Durchschnitt steht nicht fest, sondern er errechnet sich aus den Ergebnissen der Marktteilnehmer. Es können nicht alle Fondsmanager dieser Welt outperformen. Das ist statistisch unmöglich. Selbst wenn sie Übermenschliches an der Börse vollbringen würden: Es geht nicht. Der Durchschnitt würde nach oben mitziehen. Die Mathematik ist da unerbittlich. Und die ETFs in diesem Spiel machen es den Portfoliomanagern nicht leichter. Denn ihre steigende Anzahl und ihr steigendes Marktvolumen sorgen dafür, dass die statistische Masse in der Nähe des mittleren Durchschnitts immer größer wird. Stellen Sie sich dafür gerne eine Glocke vor, die immer schmaler wird und immer mehr in die Höhe wächst. Und an den Seiten rutschen die meisten aktiv gemanagten Fonds weiter an den Glockenrand – die schlechten übrigens ebenso wie die guten.

Der positive Trendwechsel

Jetzt kommt die gute Nachricht. Laut der in der vergangenen Woche erschienenen „Aktiv versus Passiv“-Studie der Ratingagentur Scope haben im Jahr 2025 etwa 30 Prozent aller aktiv gemanagten Fonds ihre Benchmark geschlagen. Das klingt immer noch wenig. Ist aber statistisch betrachtet ein Hammer. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Outperformance-Quote der Portfoliomanager in den vergangenen Jahren nur etwa halb so hoch lag. Mit anderen Worten: Es ist einer großen Anzahl von Portfoliomanagern gelungen, mit ihren Fonds an der Glockenseite wieder etwas hinaufzuklettern. Und dies trotz der oben beschriebenen statistischen Hindernisse. Das ist schon bemerkenswert.

Drei Regionen, die für den Trendwechsel sorgen

Es lohnt sich, die Märkte, die ETFs und die Fonds näher zu betrachten, um die Ursachen für diesen Trendwechseln zu ergründen. Und da gibt es drei Regionen, die dafür gesorgt haben, dass aktive Fonds im vergangenen Jahr ihre oft beschworenen besonderen Vorteile gegenüber ETFs ausspielen konnten. Fangen wir mit Japan an. Nicht weil es exotisch klingt. Sondern weil es lehrreich ist. Aktien-Japan-Fonds führen das Ranking der Outperformer an. 36,3 Prozent der Portfoliomanager erzielten mit ihren Fonds ein besseres Ergebnis als der MSCI Japan. Das ist der beste Wert seit dem Jahr 2016. Neun Jahre Warten. Für Fondsmanager ist das eine Ewigkeit. Warum funktionierte es diesmal? Weil Japan ein Paradies für Stock-Picker ist. Knapp 4.000 börsennotierte Unternehmen. Kaum Analysten-Coverage. Informationsasymmetrien, wohin man schaut. Dazu gab es einschneidende Corporate-Governance-Reformen, einen schwachen Yen und eine Normalisierung der Geldpolitik. Für erfahrene aktive Portfoliomanager war dieses komplexe Umfeld eine Chance, zu zeigen, was in ihnen steckt. Viele haben diese Chance genutzt.

Noch eindrücklicher ist die Statistik für den deutschen Markt. 2024 schaffte es exakt ein einziger Fonds, den MSCI Germany zu schlagen. Einer. Von fünfzig. 2025 waren es 17 aktive Fonds. Die Outperformance-Quote ist von 2 auf 34 Prozent gesprungen. Plus 32 Prozentpunkte. Ein riesiger Satz. Was war passiert? Stichwort Sondervermögen: Der Staat gab Geld aus wie lange nicht mehr. Für Infrastruktur, Klimaneutralität, Verteidigung. Wer hat davon profitiert? Nicht die DAX-Giganten. Nicht SAP. Sondern der Mittelstand. Der MSCI Germany Small Cap stieg um 26 Prozent, der MSCI Germany Mid Cap um 39,9 Prozent. Aktive Manager durften – und mussten – in diese Segmente investieren. Der passive Index blieb bei den Großen kleben. Pech für den Index. Apropos SAP: Im MSCI Germany ist der Wert mit 12,8 Prozent gewichtet. 2025 hat die SAP-Aktie etwa 13 Prozent verloren. Aktive Fonds dürfen laut 5-10-40-Regel maximal zehn Prozent in einen Emittenten investieren. Sie mussten SAP untergewichten. Und wurden dafür belohnt. Manchmal ist Regulierung ein Segen.

Schauen wir uns zu guter Letzt die wichtigste Börsen-Region an: die USA. Hier lief es überhaupt nicht gut. Der nordamerikanische Aktienmarkt schnitt schlechter ab als andere. Minus acht Prozentpunkte gegenüber 2024. Der Schuldige hat einen Namen: Taco Trade. Trump Always Chickens Out – Trump macht immer einen Rückzieher. Der S&P 500 verlor nach den Zollankündigungen am Liberation Day 19 Prozent. Eine Woche später waren die Zölle deutlich reduziert. Der Index erholte sich rasant. Wer sich positioniert hatte, lag falsch. Wer abgesichert hatte, auch. Es war eine Situation, die niemand sicher vorhersagen konnte. Nicht einmal Trump selbst, vermutlich. Dazu kam ein schwächerer Dollar, der einen „Sell America"-Trend auslöste. Was 2025 deshalb wirklich zählte: Wer die USA untergewichtete, gewann. Im MSCI World stecken zu 72 Prozent US-Aktien. Aktive Manager, die breiter diversifizierten, hatten ein gutes Jahr. Die Scope-Studie belegt das mit Zahlen. Und genau das ist der Kern des Arguments für aktives Management. Nicht: „Wir sind immer besser." Sondern: „Wir können schnell reagieren, wenn sich etwas dreht." 2025 drehte sich einiges. Wer auf aktives Fondsmanagement gesetzt hat, gehörte nicht selten zu den Gewinnern.

Was lernen wir daraus? Nun, passive Instrumente haben immer noch ihre Berechtigung. Im Rückblick ist die langfristige Statistik auf ihrer Seite. Über fünf Jahre schlagen nur 15 Prozent der aktiven Fonds ihren Index. Das ist bescheiden. Über drei Jahre: 15,8 Prozent. Auch nicht berauschend. Aber 2025 hat gezeigt, dass aktive Manager in turbulenten Märkten punkten können. Und turbulent könnte es auch in den kommenden Monaten und Jahren bleiben. Geopolitik. Zölle. KI-Bewertungssorgen. Energiepreisrisiken. Die Börse segelt derzeit nicht gerade unbedingt in ruhige Gewässer. Und in der Unruhe liegt die Chance. Für jene Fondsmanager, die wissen, was sie tun.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag präsentiert der Hersteller Agibot in München seinen neuen humanoiden Roboter. Das in Schanghai ansässige Unternehmen will den europäischen Markt erobern. Der Agibot A2 wirkt bereits deutlich „humanoider“ als sein Vorgänger. Ja, wir sind nur noch einen halben Schritt von einer Zukunft entfernt, in der wir die Welt mit Robotern teilen werden, die so aussehen wie wir. Mit dem Unterschied, dass sie mehr wissen als wir, schneller sind und anstelle von Schlaf eine Stromzapfsäule brauchen. Im Film „I, robot“ aus dem Jahr 2004 war das noch Science-Fiction. Jetzt sind wir bereits mittendrin. Humanoide Roboter sind das nächste große Ding. Automobilhersteller wie Tesla, Mercedes, BMW sowie etliche weitere Unternehmen, insbesondere in China, setzen nicht nur zunehmend Humanoide ein, sondern entwickeln auch selbst welche. Auch Zulieferer wie Infineon oder Schaeffler springen hierzulande auf den Zug auf. Gerade ist der erste Humanoide-Roboter-ETF in Europa auf den Markt gekommen. Lohnt sich jetzt der Einstieg? Da fragen Sie am besten erstmal Ihre persönliche KI…

…oder Sie schauen am Mittwoch ebenfalls in München bei der „Microsoft AI Tour“ vorbei. Microsoft-Chairman und CEO Satya Nadella erzählt, wie er sich die Zukunft vorstellt und präsentiert bei dieser Gelegenheit neue KI-Anwendungen seines Unternehmens.

Am Donnerstag findet in Berlin eine Fachtagung der Gewerkschaft Verdi statt. Thema: Veränderungen der Arbeit im Dienstleistungssektor und arbeitsmarktpolitische Anforderungen mit KI. Das Thema ist also schon bei den Gewerkschaften angekommen. Ob Verdi auch schon eine Vorstellung davon hat, wie sie humanoide Roboter dafür begeistern kann, Mitglied zu werden?

Am Freitag treffen sich EU-Forschungsminister, um das Thema „Wettbewerbsfähigkeit“ in der Forschung zu diskutieren. Die Minister billigen voraussichtlich den Standpunkt des Rates zur Reform des Forschungsfonds für Kohle und Stahl und sprechen über das im Vorschlag für den Mehrjahresbudget 2028 bis 2034 vorgesehene Paket „Horizont Europa“ zu Forschung und Entwicklung. Richtig. Kohle und Stahl – KI allein ist eben nicht alles.

Diesen Beitrag teilen: