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Soros beteiligt sich an GAM – Neue Strategie oder Business as usual?

Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag. Ein Unternehmen des Hedgefonds-Managers und Star-Investors George Soros hat den Einstieg beim Schweizer Vermögensverwalter und Fondsanbieter GAM bekannt gegeben.

28.05.2019 | 12:49 Uhr von «Christian Bayer»

Umstrittener Ungar

Zuletzt machte Georg Soros eher durch seine gesellschaftspolitischen Aktivitäten Schlagzeilen. Die einen schätzen ihn als philanthropischen Milliardär, der sich über seine Stiftungen für Humanismus und eine liberale Gesellschaft einsetzt. Andere sehen in ihm einen undurchsichtigen Strippenzieher, der durch die Finanzierung von NGOs in großem Stil Politik macht, ohne demokratisch legitimiert zu sein. In seiner ungarischen Heimat gilt Soros als eine Art Intimfeind von Ministerpräsident Viktor Orban. In jedem Fall werden seine Transaktionen in der financial community mit Argusausgen beobachtet.

Günstiger Einstieg

Die dreiprozentige Beteiligung an GAM erfolgte über die SFM UK Management, eine Tochter der Soros Fund Management. Sowohl die SFM UK Management als auch GAM hielten sich zu Details über die Beteiligung bedeckt. Klar ist: Soros nützt mit dem Kauf die Gunst der Stunde, zu niedrigen Kursen einsteigen zu können. In den vergangenen Monaten musste die GAM-Aktie deutlich Federn lassen. Auf Jahressicht belief sich der Kursrückgang auf über 70 Prozent.

Nach Bekanntgabe des Einstiegs der SFM UK Management am Freitag haben die GAM-Aktien mit einem Kursgewinn von zunächst 20 Prozent einen deutlichen Sprung nach oben vollzogen. Soros bzw. seine Manager dürften vor dem Hintergrund von Zusammenschlüssen in der Branche aufgrund zunehmenden Kostendrucks mit weiter steigenden Kursen seiner neu erworbenen Beteiligung rechnen.

In der Krise

GAM ist seit Monaten krisengebeutelt. Die hohen Kursverluste der Aktie standen in Zusammenhang mit dem Skandal um deren einstigen Top-Fondsmanager, Tim Haywood. Ende Juli vergangenen Jahres bekam Haywood von GAM seinen Stuhl vor die Türe gestellt. Das Unternehmen verwies auf interne Untersuchungsergebnisse. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem die Vernachlässigung von Due Diligence-Prüfungen sowie die Umgehung des Vier-Augen-Prinzips. Verträge, die eigentlich zwei Unterschriften erforderten, sollen von ihm alleine unterschrieben worden sein.

Haywood verwaltete bei GAM Absolute Return-Bondstrategien mit einem Anlagevolumen von rund elf Milliarden Schweizer Franken. Aber auch nachdem Haywood das Unternehmen verlassen hatte, kehrte keine Ruhe ein. Ende vergangenen Jahres ging neben mehreren Mitarbeitern auch der Vorstandschef Alexander Friedman, David Jacob wurde Nachfolger. Die Folge von Haywoods Fehlverhalten: Investoren zogen in großem Stil ihre Anlagegelder aus den GAM-Fonds ab und zwar nicht nur aus denen, die Haywood zu verantworten hatte. Die gesamte Fonds-Palette des Hauses wurde in Sippenhaft genommen. Einige Fonds des Hauses mussten daraufhin liquidiert werden.

Aus der Portokasse

Schweizer Medien spekulierten bereits darüber, ob Soros von der Entscheidung einer seiner Tochterfirmen, bei GAM einzusteigen, überhaupt gewusst hat. Nach dem Kursverlust der GAM-Aktie mussten nämlich „nur“ 20 Millionen Schweizer Franken auf den Tisch gelegt werden, um die drei Prozent von GAM zu kaufen. 2017 erfolgte bereits eine Beteiligung des Soros-Unternehmens in ähnlicher Höhe an dem aktivistischen Investor Sherborne Investors Guernsey. Allerdings ist auch George Soros kein König Midas, bei dem alles zu Gold wird, was er berührt. Am Beginn der Finanzkrise hatte der Ungar sich an Lehman Brothers beteiligt. Eine Spekulation, die bekanntlich nicht aufgegangen ist.

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