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Jagd nach dem weißen Gold

Lithium: Der Boom der Elektromobilität treibt den Bedarf an Batterien und vervielfacht die Nachfrage nach dem begehrten Rohstoff.

22.03.2022 | 12:20 Uhr von «Imke Reiher»

Ein Partner mit einem guten Namen — schon wenige Wochen nachdem Markus Brügmann den Vorstandsvorsitz bei Rock Tech Lithium übernommen hat, gab das deutsch-kanadische Unternehmen bekannt, dass es mit dem Industriedienstleister Bilfinger zusammenarbeitet. Gemeinsam bauen die Unternehmen den ersten Lithium-Konverter Europas im brandenburgischen Guben auf. In der Anlage wird hochreines Lithium-Hydroxid hergestellt. Das ist der Grundstoff für Lithium-Batterien. In der geplanten Raffinerie soll pro Jahr Batterierohstoff für eine halbe Million Elektroautos produziert werden.

Das dafür notwendige Rohmaterial gewinnt Rock Tech Lithium in der Georgia Lake Mine im kanadischen Ontario. Langfristig will das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette selbst abdecken: vom abzubauenden Gestein bis zum Endprodukt Hydroxid. Insgesamt fünf solcher Raffinerien sollen in Europa entstehen, eine zweite in Deutschland ist bereits geplant.

Noch befindet sich die Veredlungsanlage in Guben im fortgeschrittenen Planungsstadium, Genehmigungen stehen noch aus. Doch Bilfinger signalisiert mit der Kooperation Vertrauen in das Projekt, das 2024 startklar sein soll. Elektroautohersteller Tesla ist als potenzieller Abnehmer in räumlicher Nähe, ebenso wie der Chemiekonzern BASF, der sich ein Standbein im Batterierecycling aufbaut.

Auch der deutsch-australische Lithium-Förderer Vulcan Energy setzt auf die Attraktivität des Standorts Deutschland. Im Dezember 2021 kaufte der Geothermiespezialist, der vor wenigen Tagen an die Frankfurter Börse ging, ein Geothermiekraftwerk im rheinland-pfälzischen Insheim. Mit dem dort erzeugten Strom soll bis 2024 eine kommerzielle Lithium-Verarbeitung aufgebaut werden. Gefördert wird der Rohstoff im nahe gelegenen Oberrheingraben. Der Ort ist vielversprechend: Hier wird das größte Lithium-Vorkommen in Europa vermutet. Erste Kunden wurden schon gewonnen: Die Autokonzerne Renault, VW, Stellantis sowie der Elektronikkonzern LG Energy stehen als Abnehmer in den Startlöchern.

Steigende Marktanteile

Lithium-Förderer haben keine Probleme, Kunden zu akquirieren. Denn der Boom der Elektromobilität treibt die Nachfrage nach hochwertigen und leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien und damit nach dem weißen Gold. Der Markt für Stromer steht dabei erst am Anfang. Bisher liegt der globale Marktanteil von E-Fahrzeugen bei den Neuzulassungen unter fünf Prozent. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll sich dieser Anteil aber mehr als verdoppeln. Die Nachfrage nach Batteriekapazität soll sich bis 2030 gegenüber 2020 auf über 1,5 Gigawattstunden in etwa versechsfachen.

Ohne den Rohstoff Lithium geht da nichts. So werden für ein einzelnes E-Auto zwischen drei und zehn Kilo benötigt — abhängig von der Technik und Leistung des Fahrzeugs. Zudem findet sich Lithium auch in zahlreichen weiteren Speichermodulen für Energie, etwa für Solaranlagen. Lithium kommt in zwei unterschiedlichen Formen zum Einsatz: als Hydroxid und als Karbonat. Während das höherwertige Hydroxid für die Autoindustrie essenziell ist, wird Carbonat eher in Batterien für kleinere Geräte wie Staubsauger und Handys verwendet.

Begrenzte Förderkapazitäten

Die Nachfrage ist für beide Varianten groß, kann aber nicht dem Bedarf entsprechend bedient werden, weil die zur Verfügung stehende Fördermenge derzeit nicht ausreicht. Hintergrund: Der Lithium-Markt ist hoch volatil, die Preise dümpelten lange auf niedrigem Niveau. In der Konsequenz drosselten etliche Produzenten ihre Mengen, legten neue Förderprojekte auf Eis. Die Corona-Pandemie verstärkte den Trend zunächst, viele Minen fuhren ihren Betrieb temporär herunter. In den zurückliegenden Monaten aber sorgten das knappe Angebot und die stark steigende Nachfrage dann jedoch für raketenhaft anziehende Notierungen. Der Preis für eine Tonne des Rohstoffs stieg in den vergangenen zwölf Monaten von etwa 18 000 auf über 42 000 Dollar.

Das Gros der Analysten prognostiziert der Branche für die nächsten Jahre enormes Wachstumspotenzial. Die Fördermenge soll laut Marktbeobachter Adroit Market Research im Jahr 2025 auf 570 000 Tonnen steigen, das wäre mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2017. Die Europäische Union geht davon aus, dass die Nachfrage nach Lithium für Autobatterien und andere Energiespeicher bis zum Jahr 2030 um das bis zu 18-Fache klettern wird, bis zum Jahr 2050 sogar um das fast 60-Fache.

Ungeachtet der geplanten Projekte, die etliche Lithium-Player in der Pipeline haben, ist wegen der weiter stark steigenden Nachfrage eine Marktsättigung so schnell nicht zu erwarten. Die Lithium-Förderung ist kostspielig und zeitintensiv. Im Schnitt dauert es vier bis sieben Jahre, bevor eine Mine den Betrieb tatsächlich aufnimmt.

Das kanadische Unternehmen Lithium Americas plant derzeit gleich mehrere Projekte. Im Januar haben die Rohstoffexperten ihr Argentinien-Geschäft durch die Übernahme des Wettbewerbers Millennial ausgebaut. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll in dem südamerikanischen Land das Cauchari-Olaroz-Projekt an den Start gehen, bei dem der chinesische Lithium-Weltmarktführer Ganfeng als Partner mit an Bord ist. Knapp 100 Kilometer entfernt wird zudem ein weiteres Projekt namens Pastos Grandes geplant, mit dem Thacker-Pass-Projekt im lithiumreichen US-Bundesstaat Nevada hat Lithium Americas ein drittes Vorhaben am Start.

Politische Unsicherheiten

Auch bei der Allkem-Aktie liegt Kursfantasie in der Luft, obwohl sich das Papier bereits stark verteuert hat. Das australische Unternehmen, das im Sommer 2021 aus der Fusion der Wettbewerber Orocobre und Galaxy Resources entstanden ist, entwickelt gerade ein Großprojekt in Kanada. Anders als viele andere Player im Lithium-Markt hält sich Allkem mit Engagements in Chile und Peru — zwei der bis dato größten Förderstätten für den Rohstoff — zurück. Dies könnte sich als Vorteil erweisen, denn in Peru gab es im vergangenen Sommer einen politischen Linksruck. Gleiches geschah bei der Präsidentschaftswahl im Dezember in Chile. Der noch junge Linke Gabriel Buric wurde soeben vereidigt. In der Konsequenz könnte die Lithium-Produktion mit Auflagen belegt werden, um Gewinne im Land zu halten und private Investoren auszubremsen.

Das Geschäft in Chile bildet ein wichtiges Standbein der Aktivitäten des US-Spezialchemiekonzerns Albemarle. Hier steht die Wiederaufnahme des Betriebs einer stillgelegten Mine in Western Australia an, die in einem Joint Venture mit Minerals Resources erfolgen soll. Die weltweite Nummer 2 in der Lithium-Produktion hinter Chinas Ganfeng hat sich in den vergangenen Jahren durch geschickte Zukäufe in China gut positioniert. Jüngst enttäuschte das Unternehmen allerdings beim Ausblick.

Die Kursverläufe der Aktien spiegeln das bislang sehr volatile Geschäft wider. Langfristig könnten der Boom der E-Mobilität und der Trend hin zu erneuerbaren Energien neben guten Aussichten auch für etwas mehr Stabilität im Lithium-Geschäft sorgen.

FONDS MIT FOKUS LITHIUM

Rohstoffe 2.0

Bereits 2009 legte Tobias Tretter den Rohstoffaktienfonds Structured Solutions Next Generation Resources auf. Er wollte auf das Thema Elektromobilität setzen und fand, dass der Grundstoff Lithium, der für die Batterien gebraucht wird, der beste Weg sei. Mittlerweile hat er den Fonds um Förderer weiterer Rohstoffe ergänzt, die für grüne Technologien gebraucht werden (Grafit, Nickel, Kupfer). Lithium dominiert mit Unternehmen wie Neo Lithium oder Albemarle aber weiter.

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