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Wetten auf den CO2-Preis könnten sich lohnen

Die Preisrally bei CO2-Emissionsrechten in den vergangenen Monaten lockt auch Investoren auf den Plan. Hedgefonds sind längst aktiv, doch nicht jeder darf direkt am Terminmarkt mitmischen. Alternativ können Investoren mit kleingestückelten Zertifikaten vom Preisauftrieb profitieren.

02.08.2021 | 07:15 Uhr von «Anna-Maria Borse»

Ein Plus von fast 70 Prozent seit Jahresanfang – der Preis für CO2-­Emissionsrechte an der Leipziger Strombörse EEX ist dieses Jahr durch die Decke gegangen. Anfang Mai wurden erstmals 50 Euro je Tonne erreicht, kurz darauf ein Rekordwert von über 56 Euro – nach 33 Euro Anfang Januar. So mancher Investor rechnet mit noch viel mehr. Etwa die Berenberg Bank, die einen Preis von 110 Euro für Herbst/Winter prognostiziert.

Der mit Rohstoffwetten reich gewordene Hedgefondsmanager Pierre Andurand von Andurand Capital Management erwartet eine Verdoppelung auf 100 Euro in diesem Jahr, und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung geht davon aus, dass sich der CO2-Preis bis 2030 auf 130 Euro pro Tonne erhöhen wird.

Nicht nur Andurand Capital Management, sondern auch andere Hedgefonds mischen längst mit, etwa Lansdowne Partners UK und Northlander Commodity Advisors. Auch institutionelle Investoren sind hellhörig geworden. Jüngster Auslöser für den Preisanstieg: Die EU hat im Dezember 2020 ihre Klimaziele verschärft. Statt um 40 Prozent soll der CO2-Ausstoß bis 2030 nun um 55 Prozent gegenüber 1990 schrumpfen.

Die Kalkulation der Investoren: Will die EU ihre Klimaziele tatsächlich erfüllen, dürfte das Angebot an Emissionszertifikaten noch stärker als bislang geplant verknappt werden – mit entsprechenden Folgen für den Preis.

Der Markt soll es richten

Das EU-Emissionshandelssystem (Emission Trading System/ETS) gibt es schon seit 16 Jahren. Es gilt als wichtigstes Instrument der EU zur Reduktion der Treibhausgase in der Energiewirtschaft, in energieintensiven Industrien und im innereuropäischen Luftverkehr. Der Mechanismus: Emittiert ein Unternehmen CO2, muss es dafür Emissionsrechte (European Union Allowance/EUA) erwerben. Eine EUA berechtigt dabei zum Ausstoß einer Tonne CO2. Andere Treibhausgase werden in CO2-Äquivalente umgerechnet.

Die betroffenen Unternehmen können überschüssige Emissionsrechte verkaufen, wer mehr Bedarf hat, kann zukaufen. So soll ein Anreiz zur Emissionsreduzierung geschaffen werden.

Andere Länder haben übrigens ähnliche Systeme implementiert, etwa Kanada, Japan, Neuseeland, Südkorea, die Schweiz, die USA und auch China. Großbritannien gab im Mai den Startschuss für ein eigenes Post-Brexit-Emissionssystem.

Gehandelt werden die Emissionsrechte an speziellen Börsen. Die wichtigste für die europäischen Varianten ist die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig mit Spotmarkt und Terminmarkt. Auch an der Londoner Terminbörse ICE werden Futures auf die EU-Emissionsrechte gehandelt.

CO2-Preis verzehnfacht

Lange Zeit galt das System als Totalausfall: Jahrelang pendelte der Preis um fünf Euro je Tonne, zeitweise waren es sogar weniger als drei Euro – die EU-Staaten hatten zu viele Emissionsrechte ausgegeben. Als Gegenmaßnahme wurde die sogenannte Marktstabilitätsreserve eingeführt, nach der überschüssige Emissionszertifikate aus dem Markt genommen werden. Seit 2021 wird die Menge der Emissionen jedes Jahr um 2,2 Prozent gesenkt.

Die nun erwartete stärkere Reduzierung der Emissionszertifikate durch die verschärften Klimaschutzziele ist allerdings nicht der einzige Grund für den zuletzt starken Preisanstieg. Ein anderer ist die Konjunkturerholung nach der Corona-Krise. Und eben die wachsende Präsenz von Investoren im Markt. Marcus Ferdinand, Analyst des auf Energierohstoffe und Chemie spezialisierten Researchhauses ICIS, geht davon aus, dass aktuell gut sechs Prozent der im Umlauf befindlichen Zertifikate spekulativ gehaltene Positionen sind.

Partizipation über Trackerzertifikate

Investoren setzen zum einen auf einen Preisanstieg, zum anderen lockt sie auch der Diversifikationsaspekt: Denn die Emissionsrechte korrelieren – soweit man das bislang sagen kann – kaum oder gar nicht mit anderen Assetklassen wie Aktien und Anleihen.

Längst nicht jeder kann selbst aktiv werden: Die Zulassungsvoraussetzungen sind hoch, an der Leipziger EEX ist etwa der Nachweis von haftendem Eigenkapital von mindestens 50 000 Euro und die technische Anbindung an die Handelssysteme nötig. Es sind daher vor allem Hedgefonds aktiv, speziell solche, die sich ohnehin auf Energiemärkte spezialisiert haben.

Leichter ist der Weg über Zertifikate, mit denen Anleger an der Kursentwicklung der Emissionsrechte oder der Futures partizipieren können. So hat die Société Générale diverse Open-End-Zertifikate auf den ICE-ECX-EUA-Futures-Kontrakt aufgelegt: „Die Nachfrage ist zuletzt stark gestiegen“, berichtet Anouch Wilhelms, Derivateexperte bei der Société Générale.

Kein Wunder: Selbst das ungehebelte Papier brachte seinen Investoren in den vergangenen sechs Monaten rund 100 Prozent Kursgewinn. Wie bei vielen Indextrackern, die auf Futures basieren, leiden jedoch auch diese Zertifikate regelmäßig unter Rollverlusten, denn für die Abbildung der Preisentwicklung müssen auslaufende Terminkontrakte ständig durch neue ersetzt werden. Doch der neue Future ist mitunter etwas teurer als der auslaufende. „Es entsteht ein Rolleffekt, der unterschiedlich stark ausfallen kann“, bemerkt Wilhelms.

Allerdings muss beim Kontraktwechsel nicht zwangsläufig ein Verlust entstehen. In manchen Marktsituationen kommt es auch zu Rollgewinnen: immer dann, wenn der Markt in Backwardation-­Situation ist und Futures mit späteren Lieferterminen einen niedrigeren Preis haben als der Future mit dem naheliegenden Lieferzeitpunkt.

EU kann den Stecker ziehen

Abgesehen davon läuft die Preisentwicklung natürlich in beide Richtungen – und Preisrückgänge gab es bei den Emissionsrechten schon oft. Pessimisten sehen denn auch heute schon ein Ende des Preis­anstiegs. Schließlich handelt es sich um ein hochpolitisches Thema: Steigt der CO2-Preis weiter, könnte die EU eingreifen, weil ein zu hoher CO2-Preis schnell für ganze Branchen das Aus bedeuten könnte – Arbeitsplatzverluste inklusive.

Befürchtet wird zudem, dass die Unternehmen die Kosten auf die Verbraucher abwälzen. Auch der Kohleausstieg in Deutschland könnte die Nachfrage schnell reduzieren. Und abgesehen von der Kohle­industrie gilt: Langfristig müssen eigentlich die Preise für die Emissionsrechte wieder fallen. Spätestens dann, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, weil die Unternehmen so klimafreundlich wie gewünscht produzieren.

Auch die Rolle von Investoren im CO2-­Emissionshandel ist nicht ganz unumstritten. Zwar könnten sie mit ihren Positionen die Energiewende beschleunigen, oder zumindest für mehr Liquidität am Markt sorgen. So mancher Marktteilnehmer sieht das alles nur als Anfang einer riesigen Bewegung hin zu klimabezogenen Handels­instrumenten. Andere betrachten dies wesentlich kritischer.

„Der Markt könnte dadurch peu à peu von einem umweltpolitischen Instru­ment zu einer Marionette in der Hand von Händlern werden“, fürchtet Marcus Ferdinand von ICIS. Das könne den Hauptzweck des Marktes unterminieren: die Emissionen zum geringst möglichen Preis zu reduzieren.

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