• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----
Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

Tanken Sie nur, oder hedgen Sie schon?

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Zocken auf den Dieselpreis.

31.08.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die zurückliegende Woche

Ich fahre Diesel. Ja, ich gebe es zu. Ich kann mich von meinem mittlerweile 16 Jahre alten Schätzchen nicht trennen. 160.000 Kilometer weit hat er mich bisher klaglos vor sich hin gluckernd über die Straßen dieser Republik und darüber hinaus getragen. Und er ist immer noch gut in Schuss. Nur der Lack ist mittlerweile von der Sonne gebleicht und von unvorsichtigen Parknachbarn sichtbar angekratzt. Darüber kann ich nonchalant hinwegsehen. Die Augen zu verschließen, hilft jedoch nicht, wenn ich an der Zapfsäule stehe. Wegen der Zahl, die da oben auf der Anzeige steht. Zwei Komma irgendwas. Tendenz steigend. Ich stehe da, Zapfpistole in der Hand, und rechne. Ich kann nicht anders. Ich bin Wirtschaftsjournalist. Ich frage mich: Was, wenn man Diesel nicht einfach nur tankt, sondern auch ins Wertpapierdepot füllt? Kann man dann an der Preissteigerung mitverdienen, anstatt nur unter ihr zu leiden?

Die Idee klingt auf den ersten Blick vielleicht ein wenig nach Finanz-Voodoo und Zockerei. Rohstoffhandel ist schließlich nichts für Anfänger. Beim zweiten Hinsehen hat der Gedanke jedoch einen gewissen Charme. Man muss dafür auch nicht an die Terminbörse gehen. Es gibt einen Diesel-ETC (ISIN DE000PB6D1Z6), aufgelegt von der BNP Paribas, der sich mit einem Mausklick ins Depot hieven lässt. Das Papier bildet eins zu eins die Terminkurve von Diesel und dessen Vorprodukt Gasöl ab.

Die Logik dahinter ist bestechend simpel: Steigt der Dieselpreis, leiden Sie als Dieselfahrer zwar an der Zapfsäule. Aber Ihr Anlegerherz jubelt, falls Sie den ETC im Depot haben. Der Schmerz an der einen Stelle wird an anderer Stelle mit barer Münze betäubt. Sie versichern sich mit dem ETC quasi selbst gegen das Zapfsäulen-Roulette an der Tanke.

Was Ihnen solche eine Versicherung bisher gebracht hätte, zeigen die Zahlen der vergangenen Monate eindrücklich. Als im Frühjahr 2026 im Zuge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran die Straße von Hormus geschlossen wurde, schoss der deutsche Diesel-Durchschnittspreis laut ADAC innerhalb weniger Wochen auf über 2,30 Euro – nur einen Cent unter dem Allzeithoch aus dem Ukraine-Kriegsjahr 2022. Wer in diesen Wochen zufällig den Diesel-ETC im Depot hatte, durfte zusehen, wie sich dessen Kurs binnen weniger Wochen mehr als verdoppelte. Ein nettes Polster für den nächsten Tankstopp.

Auch der Sommer hat Anschauungsunterricht für Preiskapriolen geliefert: Zwischen Ende Mai und Ende August hat der Diesel-Median an deutschen Zapfsäulen um rund 17 Prozent zugelegt, von etwa 1,89 auf etwa 2,21 Euro. Und der ETC im selben Zeitraum so? Phasenweise über 30 Prozent im Plus. Mit Ausschlägen, die die Diesel-Kurve wie eine sanfte Hügellandschaft aussehen lassen. Siehe Grafik.

Die Zeichen stehen sogar auf weitere Preissteigerungen. Denn die in der vergangenen Woche von der Internationalen Energieagentur (IEA) veröffentlichten Statistiken zeigen, dass die Dieselexporte aus rohstoffverarbeitenden Ländern seit Beginn des Irankriegs um 15 Prozent gesunken sind. Russland könnte zudem aufgrund erfolgreicher ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien bald selbst zum Dieselimporteur werden könnte. Das kommt erschwerend hinzu. Die Preissprünge an deutschen Zapfsäulen dürften also weiterhin für Verdruss sorgen.

Also: Vorbeugen und ab mit dem Diesel-ETC ins Depot? Könnte sich auszahlen.

Ein Hinweis auf die Risiken sollte an dieser Stelle jedoch nicht fehlen: Die Sache hat auch eine Kehrseite. Was nach oben wirkt, wirkt natürlich auch nach unten – und zwar überproportional. Fällt der Ölpreis wieder, dann sinkt auch Ihr Dieselpreis an der Zapfsäule. Schön für Sie, wenn Sie nicht schon längst auf E-Stromer umgestiegen sind. Aber der Kurs Ihres Diesel-ETCs rauscht leider mit nach unten, und zwar erfahrungsgemäß deutlich heftiger als die Ersparnis beim Tanken. Dieser konkrete ETC ist zudem ein Leichtgewicht: Mit einem Fondsvolumen von nur rund 0,14 Millionen Euro und an den meisten Handelstagen ganz ohne Umsatz, weist er einen entsprechend breiten Spread und manchmal Kursbewegungen auf, die deutlich stärker ausschlagen als der zugrunde liegende Rohstoffpreis selbst. Aus der vermeintlichen Versicherung wird dann schnell eine zusätzliche Wette, die im falschen Moment mehr kostet, als sie am Zapfhahn je hätte sparen können. Ende des Risikohinweises.

Der Zapfhahn klickt. Ich hänge den Schlauch wieder ein und streichele meinem Auto noch einmal liebevoll übers gebleichte Dach, bevor ich zur Kasse gehe und zahle. Vielleicht wird mein nächstes Auto ein Stromer.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag geht die chinesische Mode-Onlineplattform Shein an die Hongkonger Börse. Shein versucht schon seit Jahren, sich an einer großen internationalen Börse zu listen. Der Start mit den Anteilen der Shoppingplattform wird für den Handelsbeginn ab 9.00 Uhr (3.00 Uhr MESZ) erwartet. Shein plant, bis zu 13,86 Milliarden Hongkong-Dollar (derzeit etwa 1,5 Milliarden Euro) einzusammeln. Gelingt der Börsengang wie geplant, wäre das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 23 Milliarden Euro aktuell deutlich niedriger bewertet als noch vor vier Jahren. Aus den damaligen Finanzierungsrunden hatte sich eine Bewertung von rund 86 Milliarden Euro ergeben. Sind Shein-Aktien also ein Schnäppchen? Das muss, wie auch bei der von Shein angebotenen billigen Wegwerf-Kleidung, jeder für sich selbst entscheiden. Ende Juli hat Shein in seinem Börsenprospekt für die ersten drei Monate dieses Jahres einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar ausgewiesen.

Am Mittwoch feiern Opel und Stellantis Deutschland in Rüsselsheim das Richtfest für das neue Verwaltungsgebäude Green Campus. Den aktuellen Baufortschritt des künftigen neuen Firmensitzes sehen sich Opel-CEO Florian Huettl, VGP-Chef Jan Van Geet und Patrick Burghardt, Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim, hoffentlich bei Sonnenschein und froher Laune genau an. Gute Stimmung. Bei Opel. In Rüsselsheim. Wer hätte es gedacht? In Wolfsburg soll es übrigens am Mittwoch mit hoher Wahrscheinlichkeit regnen.

Am Donnerstag findet in der serbischen Botschaft in Berlin der Sommerempfang der „berliner wirtschaftsgespräche e.V.“ statt. Inhaltlich wird ein besonderer Schwerpunkt auf die deutsch-serbischen Beziehungen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder sowie die Rolle Serbiens und des Westlichen Balkans im europäischen Kontext gelegt. Dabei sollen insbesondere die Perspektiven für eine weitere Vertiefung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sowie neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Vernetzung diskutiert werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Abends wird zudem auf der EXPO 2027 in Belgrad liegen. Hintergrund der Gespräche: Die EU ist aktuell der wichtigste Handelspartner Serbiens. Im vergangenen Jahr konnte das Land gegenüber Deutschland erstmals einen Handelsüberschuss im Warenaustausch erzielen.

Am Freitag startet in Berlin die Elektronikmesse IFA 2026. Die Messe bezeichnet sich selbst als das weltweit größte Event für Home und Consumer Tech. Besonders spannend dürften die Themen KI, Robotik, vernetztes Wohnen und nachhaltige Mobilität werden. Dieselfahrzeuge werden vermutlich nicht ausgestellt.

Diesen Beitrag teilen: