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Parallelwelten

TiAM FundResearch blickt auf die vergangene Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Eindrücke aus Berchtesgaden.

22.11.2021 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Berchtesgaden. Mitten im Auge des Corona-Taifuns. Die Gemeinde im äußersten Südosten Deutschlands gehört 2020 und auch dieses Jahr zu den Gegenden mit den höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen. Die Referenten der FondsConsult Investment-Konferenz reden darüber, wie man weltweit Geld anlegt, in Anleihen, Aktien, Immobilien, Gold. Es geht darum, Vermögen über Kontinente zu verschieben, in Fonds zu investieren, die je nach Entwicklungen auf dem Kapitalmarkt ein paar Prozentpunkte steigen oder fallen. Es ist für alle Anwesenden der Tagung und vor allem für die meisten Anleger, die den Ratschlägen der Experten vertrauen und folgen, eine abstrakte Materie. Investieren ist so einfach wie niemals zuvor. Ein Klick, und das Geld sucht sich über Assetklassen und Kontinente hinweg seinen Weg. Irre. Wenn man bedenkt, was eigentlich dahintersteckt. Hinter den Fonds stecken Aktien und Anleihen von Unternehmen, die Mitarbeiter beschäftigen, die Rohstoffe kaufen, die rund um die Welt aus der Erde und aus den Weltmeeren gefördert werden. Es sind Parallelwelten. Auf der einen Seite die Analysten und Investoren, die die echte Welt sehr abstrakt umsetzen und in Zahlen definieren. Auf der anderen Seite das wahre Leben. Unternehmer, Selbstständige und Angestellte in Büros, in Fabriken, an Verkaufstheken, in Kohleminen, auf Kartoffelfeldern, als Strandverkäufer. Das wahre Leben hat im vergangenen Jahr für ein paar Monate fast komplett den Atem angehalten. Die Investorenwelt funktionierte derweil weiter. Die Märkte brummten.

Es sind diese zwei Welten, die auch in den beiden Konferenztagen in der vergangenen Woche in Berchtesgaden seltsam spürbar aufeinandertreffen. Vor einem Jahr war die Investmentkonferenz die letzte Veranstaltung im Kempinski Berchtesgaden. Am Tag danach kam der Lockdown. Als wir das Hotel am Freitag verließen, stand schon der nächste vor der Tür. Am Dienstag wird das Kempinski erneut schließen. Es fühlt sich an wie ein Déjà-vu.

In den 13 Monaten zwischen diesen beiden Veranstaltungen ist allerdings etwas passiert, was nicht nur das Hotel und die Gegend rund um Berchtesgaden, sondern ganz Deutschland nachhaltig verändert hat – und auch für die Zukunft nicht ohne Folgen bleiben wird: Angestellte aus den Bereichen Tourismus, Hotel und Gastronomie sind entlassen worden. Viele haben den Weg nicht mehr zurückgefunden, sondern anderweitige Beschäftigungen gefunden. Andere Branchen bieten mehr Geld, geregelte Arbeitszeiten, freie Wochenenden. Der Berliner Flughafen ist vor wenigen Wochen noch unter dem Ansturm der Herbsturlauber zusammengebrochen, weil nur noch zwei von drei Planstellen besetzt sind. Jeder dritte ehemalige Mitarbeiter aus der Abfertigung, Gepäckkontrolle oder Catering arbeitet heute bei DHL, Amazon oder anderen Arbeitgebern, die in der Coronakrise Personal neu aufgebaut haben. Die wenigsten von ihnen wollen in ihre alten Jobs zurück.

Auch Hotellerie und Gastronomie haben in den Sommermonaten mühsam um die Rückkehr in den Markt gekämpft. Die Nachfrage der Konsumenten war riesig, die Menschen urlaubshungrig und begierig, wieder auszugehen. Die Bremse für den Aufschwung war der Arbeitsmarkt. Servicekräfte sind Mangelware. Allerorten. Auch in Berchtesgaden. Als Euro Advisor Services im Herbst wegen des Wasserschadens an einem Veranstaltungsort nach einer Alternative suchte, sagten infrage kommende Hotels reihenweise ab. Wegen Personalmangel.

Und jetzt das. Am Freitag verabschiedete der Bundestag ein neues Gesetzespaket. Vermutlich werden in den kommenden Wochen wieder Lockdowns für Hotels, Veranstaltungen und Restaurants kommen. Wer es erfolgreich geschafft hat, in den vergangenen Monaten wieder Personal zu finden, hat das Recht, jetzt zu verzweifeln. Das ist die eine Welt.

Die Teilnehmer der Investment-Konferenz denken derweil noch darüber nach, mit welcher Asset Allocation sie den inflationären Tendenzen an den Kapitalmärkten begegnen können. Die Zinsen sind niedrig, die Preissteigerungsraten hoch. An den Märkten gibt es schon lange eine Inflation fast aller Anlageklassen. Das Geld muss angelegt werden. Das ist die andere Welt. Beide trafen sich vergangene Woche in Berchtesgaden. Und natürlich nicht nur dort. Wir leben in merkwürdigen Parallelwelten.

Ausblick auf interessante Termine in dieser Woche

Am Dienstag veröffentlicht das Statistische Bundesamt aktuelle Berechnungen zum Bruttoinlandsprodukt. Deutschland wird am Ende des Jahres wohl auf ein Wachstum von etwa 2,5 Prozent kommen. Die Wirtschaft könnte mehr leisten, die Nachfrage ist hoch. Was fehlt, sind Arbeitskräfte und Rohstoffe.

Am Mittwoch veröffentlicht die neuseeländische Notenbank ihre Zinssatzentscheidung. Neuerdings sind solche Statements wieder spannend. Die Notenbanken etlicher kleinerer Länder haben in den vergangenen Monaten ihre Leitzinsen erhöht. Ist das schon ein Trend?

Am Donnerstag veröffentlicht die Statistikbehörde Islands den Verbraucherpreisindex für Island. Die Preise stiegen zuletzt im Jahresvergleich um 4,5 Prozent. Das kleine Eiland im Nordwesten Europas liegt damit voll im EU-Trend. Die Isländer haben im Gegensatz zu den meisten EU-Staaten aber noch die Kontrolle über eine eigene Währung. Steigen auch dort bald die Zinsen?

Am Freitag erzählt uns die Europäische Zentralbank, wieviel Euro derzeit im Umlauf sind. Die Geldmenge M3 misst den Wert aller Banknoten, Münzen, Bankguthaben, Wertpapierpensionsgeschäfte und Anleihen (bis 2 Jahre Laufzeit). Das gigantische Geldmengenwachstum der vergangenen Jahre ist Fluch und Segen zugleich. Die nächsten Monate werden wohl zeigen, ob das viele Geld, das in die Märkte gepumpt wurde, tatsächlich ein Segen ist. Oder ein Fluch, der uns noch lange verfolgen wird. In beiden Welten. Der echten und der Welt der Kapitalmärkte.

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