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Oliver Kastner: „Das Vertrauen kommt zurück“

Schwellenländerbonds sind wieder gefragt. „Staaten wie Russland oder Indonesien können sich aus eigener Kraft gegen den Abschwung stemmen“, sagt Kastner. Auch Kredite des IWF reduzieren das Risiko.

14.08.2020 | 10:45 Uhr von «Jörg Billina »

Herr Kastner, in Reaktion auf die Corona-Krise haben Anleger erhebliche Mittel aus Schwellenländeranleihen abgezogen. Steigt die Risikobereitschaft mittlerweile wieder?

Oliver Kastner: Ja, das Interesse an der Anlageklasse nimmt seit April sukzessive zu. Die Verluste wurden zu einem Teil wieder aufgeholt. Die Investoren haben das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen durchaus erkannt. Andererseits erfahren die besonders stark betroffenen Länder vom Internationalen Währungsfonds, ­supranationalen Organisationen sowie ­seitens der Industriestaaten kräftig finanzielle Unterstützung. Das mindert die ­Risiken und schafft Vertrauen.

Die Ratingagenturen haben dennoch eine Reihe von Ländern herabgestuft. Drohen vermehrt Zahlungsausfälle?

Der Libanon, Argentinien und Ecuador mussten sich bereits auf eine Umschuldung mit den Gläubigern einigen. Ob weitere Länder hinzukommen, hängt nicht zuletzt von der Entwicklung der Rohstoffpreise ab. Gefährdet sind generell Staaten, die hohe Budget- und Leistungsbilanz­defizite aufweisen.

In der Vergangenheit wirkten die im ­Gegenzug zu finanzieller Hilfe geforderten Bedingungen des IWF kontraproduktiv. Sind die Währungshüter in Washington mittlerweile konzilianter geworden?

Aufgabe des IWF ist es unter anderem, die Schuldentragfähigkeit eines Landes sicherzustellen. Er muss daher die Mittelvergabe an Konditionen knüpfen, die ­regelmäßig überprüft werden. Das ist ja auch der Grund, warum die Zusammen­arbeit eines in die Krise geratenen Schwellenlands mit dem IWF von den Investoren positiv bewertet wird. Im Gegensatz zu früheren Jahren räumt der Währungsfonds inzwischen den Regierungen jedoch längere Zeiträume ein, die Vorgaben zu erfüllen. Das hat sich jüngst in den Verhandlungen mit Argentinien oder in der Beziehung zu Ägypten gezeigt. Der neue Kurs des IWF muss Investoren aber nicht beunruhigen.

Können sich die Länder auch mit eigener Kraft gegen den Abschwung wehren?

Ja. Staaten wie Indonesien oder Russland haben Währungsreserven aufgebaut und Defizite abgebaut. Auch ihre Notenbanken schieben aktiv die Konjunktur an. Wir haben diese beiden Länder im Portfolio aktuell hoch gewichtet.

Zinssenkungen schwächen in der Regel die Währung. Sind daher Anleihen in lokaler Währung für Investoren derzeit riskanter als Hartwährungsanleihen?

Das ist so einfach nicht zu beantworten. Aufgrund des Wirtschaftsabschwungs mussten richtigerweise die Zentralbanken die Zinsen senken, was teilweise auch zu schwächeren Währungen führte. Tatsächlich lagen die Renditen von Hartwährungsanleihen in der Hochphase der Spread-Ausweitung über denen von lokalen Investitionen. Investoren konzentrieren sich auf die vermeintlich liquideren Hartwährungsanleihen. Die realen Budgetdefizite, Wachstumsentwicklung als auch die Fallzahlen der Pandemie wirken sich auf den Lokalmarkt stärker aus, trotz der positiven Frühindikatoren vielerorts, somit ist das Risiko im lokalen Markt ­aktuell etwas höher zu beurteilen.

Welchen Kriterien muss ein Land generell genügen, um ins Portfolio des Deka-EM Bond zu kommen?    

Als fundamental orientierte Investoren verfolgen wir sowohl einen Top-Down- als auch einen Bottom-up-Ansatz. Top-Down bedeutet, dass wir auch die wirtschaft­liche Lage in den Industrieländern analysieren, von denen die Schwellenländer ja immer noch sehr stark abhängen. Bottom-up wiederum bedeutet, dass wir uns die Wachstumsdynamik, Verschuldung, die Leistungsbilanz und die politische Situation eines Landes sehr genau anschauen. Je besser die Daten ausfallen, desto höher fällt meist die Gewichtung eines Landes im Portfolio aus.

Ist die weitgehend politische Unabhängigkeit einer Notenbank auch ein Kriterium?

Ja. Das signalisieren wir ja auch immer wieder Regierungsvertretern, mit denen wir ins Gespräche kommen.

Agiert die türkische Notenbank Ihrer ­Ansicht nach unabhängig?

Sie hat jedenfalls den Vorstellungen der Regierung entsprochen, was nicht wirklich zum Erfolg führte. Abzulesen ist dies an der Volatilität der Währung. Aufgrund der Marktgröße kann man die Türkei als großen Markt nicht außen vor lassen, allerdings stärkt der Einfluss der Politik auf die Zentralbank nicht das Vertrauen, zumal die Inflation weiterhin hoch ist. Hingegen hat sich das Leistungsbilanzdefizit sukzessive reduziert, was auch den Rückgang von Rohstoffpreisen und damit der Importseite geschuldet ist.

Die russische Zentralbank dagegen erfährt von den Investoren Lob.

Ja, sie hat sich von der Politik emanzipiert. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina agiert ökonomisch klug und hat die Inflation im Blick, dass schafft Vertrauen.

Ihr Fonds hat in den vergangenen drei ­Monaten um 15 Prozent zugelegt. Hält die positive Entwicklung an?

Die Zuwächse der vergangenen Monate lassen sich sicherlich nicht fortschreiben. Die Anleihen haben auf positive Früh­indikatoren reagiert, die müssen sich erst einmal bestätigen. Kommt es dazu, dann sind bis zum Jahresende weitere Prozentpunkte drin.

Zur Person

Oliver Kastner ist seit 1998 bei Deka Investment als Portfoliomanager und Analyst tätig. Er ­verantwortet im Team Renten Global die Anleihemärkte Afrika und Mittlerer Osten und managt den Deka-EM Bond verantwortlich..

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