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Jacqueline Hunt: „Aktien sind sehr hoch gepreist“

Jacqueline Hunt, Chefin der Allianz Vermögensverwalter-Sparte

Die Chefin der Allianz Vermögensverwalter-Sparte über einen Vergleich der Finanzmärkte mit Opern, die Aussichten für 2021 und warum der prominente Fonds Pimco Total Return Fund sein Rekordvolumen voraussichtlich nicht mehr erreichen wird.

29.01.2021 | 12:30 Uhr von «Martin Reim und Klaus Schachinger»

Jacqueline Hunt meldet sich online aus Großbritannien. An den Aktienmärkten wurden zum Jahresende trotz der vorübergehenden Verunsicherung durch die virulentere Mutation des Coronavirus neue Rekordstände erreicht. Die Vermögensverwalter-Sparte des Versicherers Allianz avancierte unter Führung der Südafrikanerin Hunt, die in München lebt, zum weltweit größten Asset Manager aktiv verwalteter Fonds. Die Sparte legt 2,3 Billionen Euro an. Die Summe entspricht in der Größe der Wirtschaftsleistung Frankreichs oder Großbritanniens.

Frau Hunt, Sie sind eine große Liebhaberin von Opern. Wie wird 2021 klingen, mehr nach Freude und Glück wie in ­Mozarts „Hochzeit des Figaro“ oder mehr nach tragischer Oper wie in Wagners „Ring des Nibelungen“?

Jacqueline Hunt: Ich schätze, es wird eine Mischung sein. Die Grundlagen dafür hängen von einer Reihe von Faktoren ab: der neuen Regierung in den Vereinigten Staaten, dem künftigen Verhältnis zwischen Großbritannien und der Europäischen Union, dem Aufstieg Chinas, den Auswirkungen des Klimawandels, dem weltweiten Anstieg des Populismus oder auch von diversen technologischen Herausforderungen. Es gibt viele Möglichkeiten für eine holprige Reise, aber ich denke, die Flugbahn ist gut. Ich bin keine, die sagt, dass am Ende alles wunderbar sein wird. Aber wir haben viel bessere Perspektiven als noch vor sechs Monaten.

Was ist das größte Risiko?

Wenn das Vertrauen der Investoren in Impfstoffe aus irgendeinem Grund nachlassen würde, hätte dies das Potenzial, die Finanzmärkte kurzfristig am schnellsten zu stören. Ein großer Faktor wäre auch, wenn es zu weiteren Eskalationen zwischen den USA und China käme.

Lassen Sie uns auf den Corona-Einbruch im Frühjahr zurückblicken. Wie hat die Vermögensverwaltung der Allianz diese Wochen mit solch starken Turbulenzen erlebt?

Unser Geschäft war recht gut positioniert. Natürlich kam es während der so noch nie da gewesenen Bedingungen im Markt in einigen Bereichen zu Verschiebungen und zum Versiegen der Liquidität, aber wir waren sehr vorausschauend und hatten uns für alle kommenden Ereignisse positioniert. Seit März haben wir uns erholt, und unsere jüngsten Zahlen zum dritten Quartal zeigen, dass wir sehr gut aufgestellt sind. Jetzt schauen wir, wie wir weiter wachsen können, sowohl ­organisch als auch anorganisch.

Die Allianz hat in der Vermögensverwaltung für Dritte ihren Aktienanteil in der ersten Jahreshälfte nicht gesenkt, während es bei den Anlagen auf eigene Rechnung deutlich nach unten ging. Warum?

Als Vermögensverwalter für Dritte halten wir kein Kapital, um sämtliche Marktrisiken abpuffern zu können, da wir als Treuhänder für unsere Auftraggeber tätig sind — seien es verschiedene Versicherungs­gesellschaften oder Pensionsfonds. Wir würden nicht versuchen, aus einer bestimmten Anlageklasse auszusteigen, es sei denn, wir würden von unseren Kunden darum gebeten. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass sich die Mandate, die wir beispielsweise von Drittkunden haben, stark von der Anlagestrategie der Allianz-Gruppe hinsichtlich der Portfoliokonstruktion unterscheiden. Und wie schon erwähnt, sind wir im März defensiv positioniert in diese turbulenten Zeiten gegangen.

Werden Sie mit den besseren Aussichten und den höheren Margen bei Aktieninvestments den Anteil der Anlage in Aktien erhöhen?

Die ultraniedrigen Zinssätze in Verbindung mit einer gelockerten Fiskalpolitik zur Förderung der wirtschaftlichen Erholung haben die Allokation von Kapital stark verändert und damit auch die früher gültige These einer besonderen Risikoprämie für eine bestimmte Anlageklasse. So wurden früher Risiken bei Handelsgeschäften mit höheren Aktieninvestments abgesichert. Heute ist es viel nuancierter.

Mit welchen Auswirkungen?

Wir haben bei Pimco und Allianz GIobal Investors (AGI) ein beträchtliches Geschäft mit Alternativen Investments aufgebaut, zu dem auch Private Equity gehört. Die gesamte Branche bewegt sich in diese Richtung. Viel und günstiges Kapital führt in einigen Bereichen zu Vermögensblasen, auch an den Aktienmärkten. Wir sind der Ansicht, dass Aktien sehr hoch gepreist sind. Deshalb werden wir unseren Anteil an Aktieninvestments nicht erhöhen.

Alternative Investments sind im Vergleich zu Aktien kein so großer und liquider Markt. Große Anteile aufzubauen ist damit schwieriger.

Der Bereich jenseits öffentlicher Märkte ist vielschichtiger und abgegrenzter als Aktien. Er schließt Immobilien, Infrastruktur, erneuerbare Energien, Private Equity, ­Hedgefonds und viele Kapitalmarktinstrumente ein, etwa Beteiligungen oder Schuldverschreibungen. Es gibt bei Alternativen Investments viele verschiedene Vermögenswerte. Wir sind hier weltweit einer der größten Akteure.

Wie kam das?

Wir sind stark gewachsen. Vor zwei Jahren kam Allianz Capital Partners (erneuerbare Energien, Infrastruktur und Private Equity) zu Allianz Global Investors (AGI). Jüngst wurde Allianz Real Estate bei Pimco integriert. Wir verlagern gruppeninterne Gesellschaften, die nur Vermögen der Allianz Gruppe betreuten, in den Bereich Asset Management, um sie auch für die Vermögen externer Kunden zugänglich zu machen.

Wie passt die Integration von Allianz Real Estate zu dieser Strategie?

Unsere US-Tochter Pimco verwaltet Immobilien im Wert von 30 Milliarden Euro. Das sind spezielle Investments überwiegend in den USA. Das Geschäft der Allianz Real Estate, rund 70 Milliarden Euro, ist auf Core- und Core-Plus-Liegenschaften in Europa und Asien ausgerichtet. Wir möchten das Portfolio auch Kunden anbieten. Das wird das Wachstum im Segment beflügeln.

Dennoch sind Spezialinvestments und Core stark verschiedene Ansätze im Immobilieninvestment

Wir streben deshalb keine vollständige Integration an. Die Bereiche haben unterschiedliche Fähigkeiten und Kompetenzen.

Gibt es weitere Bereiche, in denen Sie Ihr Geschäft diversifizieren?

Wir schauen uns bei Spezialisten für Alternative Investments um, vieles dort würde unser Geschäft ergänzen. Übernahmen von Teams liefern häufig einen höheren Mehrwert als der Kauf von Unternehmen.

Was zeichnet die beiden Marken Pimco und AGI im Asset Management der Allianz aus?

Pimco ist aus einem kleinen Team mit einer starken zentralen Kultur hervorgegangen, ausgerichtet auf partnerschaftliche Prinzipien. AGI, wo ein eher eigenständiger Ansatz verfolgt wird, ist aus mehreren Übernahmen hervorgegangen: verschiedene Kulturen, Technologien und Systeme sowie verschiedene Positionierungen und Weltanschauungen. Die Führung der AGI hat während der vergangenen Jahre vieles integriert. Dennoch bleiben kulturelle Unterschiede. AGI wird von einer Aktienkultur dominiert. Pimco hat hingegen eine Anleihen- und Kreditkultur. Das Immobiliengeschäft liegt sehr nahe an Krediten und damit auch an Pimcos Kultur. Finanzierungen spielen beim Immobiliengeschäft eine wichtige Rolle. Damit sind die Ansichten von Pimco und Allianz Real Estate in Bezug auf die Ertragsmöglichkeiten ähnlich. Sie betrachten die Welt auf makroökonomische Weise.

Wenn also beschlossen würde, ein aktienbezogenes ETF-Geschäft aufzubauen, würde das bei AGI sein?

Nein. Wir sehen ETFs nicht als aktives oder passives Aktien- oder Anleihe-Geschäft. ETFs sind für uns Investitionsvehikel. So hat Pimco viele ETFs, um festverzinsliche Anlagen aktiv zu verwalten. Einige Kunden wollen in Form von ETFs anlegen — aus Liquiditätsgründen oder weil sie unter bestimmten Steuersystemen besser funktionieren.

Wie verändern Global Player wie Blackrock, Weltmarktführer und Nummer 1 bei passiven Anlagen, sowie die Blackstone Group, führend bei alternativen Anlagen, die Märkte der Vermögensverwaltung?

Aufgrund des Niedrigzinsumfelds während der letzten zehn Jahre sind große und auf Passivanlagen ausgerichtete Unternehmen entstanden. Einige von ihnen verdienen Geld mit ihrer Technologie, ein paar mehr durch Zusatzdienstleistungen. Das dominiert die Investmentströme. Der Aufstieg der Alternative Investments ist der zweite große Trend. Das alles erhöht den Druck auf die Geschäftsmodelle von kleinen und mittelgroßen Vermögensverwaltern, die versuchen, alles gleichzeitig zu sein. Viele werden zur Konsolidierung gezwungen.

Wie reagiert Allianz Asset Management auf diesen Druck im Markt?

Wir sind nicht im passiven Bereich tätig und haben auch nicht vor, hier einzusteigen. Wir sind im aktiven Asset Management sehr stark. Mit 2,3 Billionen Euro Vermögen sind wir einer der größten Vermögensverwalter weltweit und der größte oder zweitgrößte mit Portfolios, die aktiv verwaltet werden. Das machen wir zwischen uns und Fidelity aus. Wir ergänzen aktiv verwaltete festverzinsliche Wertpapiere und Aktien mit Multi-Asset-Lösungen und alternativen Investments. So haben wir Größe aufgebaut. Wir konzentrieren uns auf die margenstarken Bereiche.

Beim wichtigsten Pimco-Fonds Total Return ist es gelungen, die jahrelangen Abflüsse zu stoppen. Die investierte Summe in den Fonds beträgt jedoch nur ein Viertel dessen, als der Total Return der größte Fonds der Welt war. Was ist nötig, um wieder die Spitze zu erreichen?

In erster Linie wollen wir den Bedürfnissen unserer Kunden gerecht werden und in jeder Marktlage den richtigen Fonds haben. Das ändert sich mit der Zeit. Es könnte sein, dass der Total Return Fonds nie wieder die frühere Größe erreicht. Damit habe ich kein Problem.

Weshalb?

Wir wollen sicherstellen, dass wir als Organisation insgesamt wachsen. Mit Anlagen von 2,3 Billionen Euro sind wir so groß wie noch nie. Pimco verzeichnet seit einiger Zeit netto wieder Zuflüsse. Trotz der Marktstörung im vergangenen Jahr erwarten wir für 2020 netto Zuflüsse. Das ist es, worauf wir uns konzentrieren: Gesamtwachstum, die Rentabilität aufrechterhalten und für unsere Kunden angemessene Anlageergebnisse erzielen.

Eine Börsennotierung könnte Allianz Asset Management aufwerten.

Allianz Asset Management trägt 25 Prozent zum Betriebsergebnis der Gruppe bei. Wir legen die überwiegende Mehrheit der Vermögenswerte des Konzerns aus dem Versicherungsgeschäft an. Aus der Sicht der Allianz ist das Asset Management ein sehr ertragsstarkes Geschäft, gut positioniert und ein integraler und sehr wertvoller Teil des Geschäfts der Gruppe. Sollte jemals die Situation kommen, in der wir der Meinung sind, dass es nicht ausreichend hoch bewertet wird, würden wir alles prüfen um sicherzustellen, dass das Geschäft angemessen bewertet wird. Das ist jedoch kein spezifischer Kommentar zu einem möglichen Börsengang.

Ihre börsennotierten Konkurrenten stemmen große Zukäufe.

Bei Akquisitionen in der Vermögensverwaltung waren wir nie eingeschränkt. Wenn ein Geschäft wirtschaftlich sinnvoll ist, wären wir in der Lage, es zu finanzieren. Ich glaube nicht, dass ein Börsengang ein schnelleres oder anderes Wachstum ermöglichen würde.

Inwieweit ist das Umfeld mit den historisch niedrigen Zinssätzen ein Handicap für Vermögensverwalter? Und wie lange werden die Zinsen nach Ihrer Ansicht niedrig bleiben?

Ich denke, es wird noch lange so bleiben. Der Konsens ist, dass die US-Zentralbank Fed die Zinssätze voraussichtlich erst Ende 2023 anheben wird. In Europa wird es sogar noch länger dauern. Niedrige Zinssätze sind die neue Normalität an den Märkten. Als Reaktion auf dieses Niedrigzinsumfeld haben wir unser Profil geändert. Es hilft dem Unternehmen, dass Pimco — und zunehmend auch AGI mit seinem Fokus auf Aktien — über Know-how und Produkte für festverzinsliche Wertpapiere und Kreditanlagen verfügen. Unser Engagement in privaten Märkten und illiquiden Anlagen im Bereich alternative Investments ist ebenfalls von Vorteil.

Es scheint auf der ganzen Welt für die expansive Geldpolitik der Zen­tralbanken keine Grenzen zu geben. Allerdings wirkt das so, als ob den Instituten die Möglichkeiten ausgehen, den Volkswirtschaften zu helfen, sich zu erholen. Machen Sie sich deshalb Sorgen?

Das Gesamtwachstum der Schulden im Verhältnis zum Bruttoinlands­produkt ist besorgniserregend. Es verkompliziert die globalen Aussichten für die Märkte insofern, als dass es zum Weiterleben von Unternehmen beiträgt, die nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Auf lange Sicht wird das die Innovation der Märkte sowie ihre Fähigkeit beeinträchtigen, zwischen qualitativ hochwertigen Unternehmen und den anderen zu unterscheiden. Dennoch habe ich großes Verständnis dafür, dass niedrige Zinssätze kurzfristig zur Unterstützung der Realwirtschaft beitragen. Wir müssen realistisch sein und einsehen, dass die Pandemie eine riesige menschliche Krise ist. Viele Leute sind arbeitslos, sie sorgen sich um ihre Zukunft und um ihre Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung.

Sie sind Südafrikanerin und haben zuvor auch in vielen anglo-amerikanischen Unternehmen gearbeitet. Nun sind Sie bei der Allianz in Deutschland. Suchen die Deutschen mehr nach sozialer Sicherheit, als es die Amerikaner, Briten oder Südafrikaner tun?

Was mir an Deutschland sehr gefällt, ist das Gefühl eines Gesellschaftsvertrags, auch wenn andere Länder ein gewisses Maß davon haben. In Deutschland hat man einen generellen Glauben an die Gesellschaft und daran, dass alle gemeinsam daran beteiligt sind. Das ist hier im Vergleich zu anderen Ländern viel ausgeprägter, und das ist bewundernswert. Ich bin in Südafrika aufgewachsen, wo es so gut wie kein soziales Netz gab, um diejenigen aufzufangen, die weniger Glück im Leben haben. Das möchte ich nicht mehr haben. Ein wohlhabendes Industrieland sollte sich um die Schwächsten kümmern.

Dieser Artikel erschien zuerst am 18.01.2021 auf boerse-online.de

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