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Das Coronavirus-Tagebuch: Stefan Mayerhofer, Vermögensverwalter

FundResearch dokumentiert den derzeit nicht alltäglichen Alltag von Finanzprofis. Heute: Stefan Mayerhofer. Der Vorstand der Bayerische Vermögen AG hofft darauf, dass sich Europa angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie wieder auf seine Stärken besinnt.

03.04.2020 | 09:02 Uhr von «Matthias von Arnim»

Herr Mayerhofer, wie sieht Ihr Tag aus?

Stefan Mayerhofer: Ich arbeite von meinem Homeoffice aus. Wir haben den Vorstand und die Mitarbeiter-Teams aufgeteilt, sodass wir immer handlungsfähig bleiben. Nur vier Kollegen sind im Büro. Der Rest ist zu Hause. Wir hatten den Notfall-Plan in der Schublade und waren auch technisch gut vorbereitet. Das ist jetzt ein Vorteil.

Stefan Mayerhofer, Bayerische Vermögen AG

Was hat sich in den vergangenen Wochen für Sie verändert?

Stefan Mayerhofer: Das Leben in München und Umgebung fühlt sich derzeit sehr merkwürdig an. Wenn man spazieren geht, weichen einem die Leute aus. Man tanzt auf Abstand umeinander herum. Das hat etwas Surreales. Gleichzeitig grüßt man sich gegenseitig. Das ist in einer Großstadt eigentlich nicht üblich. Aber es scheint so, als ob die Menschen, wenn sie sich nicht in Massen bewegen, mehr Respekt voreinander haben und Höflichkeit dann wieder einen Wert hat. Was meine Tätigkeit angeht, gibt es neben der räumlichen Verlegung weniger eine Veränderung als eine Verschiebung von Präferenzen. Ich telefoniere im Moment viel und sehr intensiv mit unseren Kunden.

Werden Sie jetzt häufiger angerufen?

Stefan Mayerhofer: Nein, nein. Wir gehen proaktiv auf unsere Kunden zu. Das ist jetzt die Zeit, in der wir unseren Wert als Vermögensverwalter unter Beweis stellen können. Unsere Depots haben je nach Risikoklasse im März zwischen drei und acht Prozent an Wert verloren. Das ist normalerweise kein Grund, sich auf die Schulter zu klopfen. Aber wenn man das während eines härtesten Blitz-Crashs seit 1987 schafft, dann ist das schon okay. Wir können unseren Kunden mit guten Argumenten erklären, dass diese Verluste verkraftbar sind, und dass man diese Performance-Delle wieder ausbeulen kann.

Was war Ihre Strategie, mit der Sie die Verluste begrenzt haben?

Stefan Mayerhofer: Die war nicht wirklich kompliziert. Wir haben keine Derivate eingesetzt, sondern ganz klassisch Aktien verkauft – und zwar bevor die Aktienmärkte kollabiert sind.

Besitzen Sie eine Glaskugel?

Stefan Mayerhofer: Nein. Wir haben Anfang Februar die Lage als kritisch eingestuft. Da haben sich die Ereignisse in Italien bereits überschlagen, und es gab auch schon einen ersten Rücksetzer an der Börse. Zu diesem Zeitpunkt war zwar offiziell noch nicht von einer Pandemie die Rede, aber es bedurfte keiner Glaskugel, um zu erkennen, dass ein Virus, der erst das chinesische Wirtschaftszentrum lahmlegt und dann ungebremst in Italien grassiert, für ganz Europa ein Problem werden könnte. Dass die Entwicklung uns dann mit einer solchen Heftigkeit treffen würde, haben wir natürlich auch nicht vorhersehen können. Schließlich waren die Aktienkurse Anfang Februar ja auch nochmal gestiegen. Wir hätten uns, was die Auswirkungen der Epidemie betrifft, also auch irren können. Aber wir waren uns einig, dass das Coronavirus nicht das einzige Problem ist, sondern eher als Brandbeschleuniger wirken könnte. An den Kapitalmärkten war schon länger etwas Grundsätzliches faul.

Klären Sie uns auf.

Stefan Mayerhofer: Die Hausse, insbesondere in den USA, bewegte sich zuletzt auf sehr wackeligen Beinen. Es waren vor allem große Unternehmen wie Amazon, Apple und Alphabet, die die Indizes nach oben trieben. Die Mehrzahl der in den Indizes vertretenen Aktien blieb schon länger zurück. Dazu kam der Effekt, dass immer mehr Kurssteigerungen darauf zurückzuführen waren, dass immer mehr Unternehmen große Kredite aufgenommen haben, um eigene Aktien zurückzukaufen. Das trieb zwar den Aktienkurs und die Manager-Boni, gleichzeitig aber auch den Verschuldungsgrad der Unternehmen nach oben. Zudem ist so eine Strategie nicht unbedingt zukunftsorientiert. Unternehmen sollten investieren, um ihre Produkte und ihren Service zu verbessern und nicht, um ihren eigenen Wert künstlich aufzublasen. Das ist in jeder Hinsicht kontraproduktiv und auch nicht im Sinne der Aktionäre. Ein weiterer Faktor, der uns schon länger Sorgenfalten auf die Stirn getrieben hat, sind die nach wie vor ungelösten Handelskriege und der fallende Ölpreis, der insbesondere US-amerikanische Fracking-Unternehmen in arge Bedrängnis bringt. Die können bei Preisen um die 25 bis 30 US-Dollar pro Ölfass nicht mehr kostendeckend arbeiten. Dass sich Investoren über diese Situation ernsthafte Sorgen machen, konnte man in den vergangenen Monaten an der Entwicklung der Anleihen dieser Unternehmen sehen. Das alles zusammengenommen, hat uns Anfang Februar schließlich zu dem Entschluss gebracht, den Aktienanteil im Depot stark zu reduzieren.

Wenn Sie Aktien verkauft haben, müssten Ihre Kunden jetzt vergleichsweise viel Liquidität in den Portfolios haben?

Stefan Mayerhofer: Richtig. Gleichzeitig haben wir aber auch deutsche Anleihen und Gold gekauft. Die Depots sind jetzt sehr defensiv aufgestellt. Wir schauen uns die Entwicklung nun vom Spielfeldrand aus in Ruhe an und entscheiden dann, wo und wie wir sukzessive am Aktienmarkt wieder einsteigen.

Seit Mitte März steigen die Aktienkurse wieder. Haben Sie keine Bedenken, jetzt Chancen zu verpassen?

Stefan Mayerhofer: Wir glauben nicht, dass der Sturm schon endgültig an uns vorbeigezogen ist. Da ist noch eine zweite Schockwelle möglich.

Das klingt pessimistisch.

Stefan Mayerhofer: Nein, überhaupt nicht. Wir sind einfach nur vorsichtig. Wir machen keine Prognosen. Darauf kann man keine Strategie aufbauen. Wir haben einen Anlageprozess mit solidem Risiko-Management. Wir folgen unseren Regeln, die wir uns selbst gegeben haben. Alles andere spielt keine Rolle. Ob es draußen regnet oder die Sonne scheint, interessiert uns kaum. Den Schirm behalten wir immer in der Hand. Das hindert uns nicht, ein optimistisches Lächeln im Gesicht zu tragen. 

Mal abgesehen von Anlagestrategien: Glauben Sie, dass die Corona-Krise etwas Grundsätzliches verändern wird?

Stefan Mayerhofer: Das ist schwer zu sagen. Aber es gibt ja Dinge, die einem schon jetzt auffallen, obwohl in den meisten Ländern das öffentliche Leben erst vor knapp zwei Wochen heruntergefahren wurde. Wir in Europa sollten spätestens jetzt spüren, wie wichtig Zusammenhalt und Solidarität sind und wie gut sich offene Grenzen anfühlen.

Die EU-Länder blicken derzeit nur auf sich, und die Schlagbäume sind unten. Hat sich die europäische Gemeinschaft in der Krise nicht gerade furchtbar blamiert?

Stefan Mayerhofer: Genauso ist es. Und da man ja oft erst spürt, wie wichtig etwas ist, wenn es mal nicht mehr da ist, sollte uns das eine Lehre sein. Ich denke, man wird im Nachhinein die Ereignisse sehr gut analysieren und zu dem Schluss kommen, dass so etwas nicht noch einmal passieren darf. Europa war völlig unvorbereitet. Da haben die nationalen Reflexe gegriffen, zum Teil mit verheerender Wirkung. Als sich die LKWs an den Grenzen gestaut haben, hat man aber zumindest, was den Warenverkehr betrifft, schnell reagiert. Und auch die Zusammenarbeit auf medizinischer Ebene funktioniert wieder. In deutschen Krankenhäusern werden jetzt Patienten aus Italien und Frankreich behandelt. Vor zwei Wochen hatten Deutschland und Frankreich noch die Ausfuhr von wichtigem medizinischem Material nach Italien untersagt. Dafür flogen dann werbewirksam Helfer aus Russland und China ein. Das sind Bilder, die die Italiener später in Erinnerung behalten werden. Da wird man im Europäischen Parlament noch drüber diskutieren, meine ich. Denn spätestens jetzt dürfte Jedem in Europa klar geworden sein, dass wir nicht zwischen den politischen und wirtschaftlichen Interessen Chinas, Russlands und der USA aufgerieben werden dürfen. Jeder einzelne europäische Staat ist mit den internationalen Herausforderungen, sei es medizinisch oder politisch, überfordert. Da müssen wir zusammenstehen. Vielleicht trägt diese Krise dazu bei, dass wir das noch besser verstehen.

Herr Mayerhofer, vielen Dank für dieses Gespräch.

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