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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

Die Tankstellen-Abzocke

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Warum die hohen Benzinpreise nicht gerechtfertigt sind.

09.03.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Kaum war am vorvergangenen Wochenende der erste Schuss am Persischen Golf gefallen, sprangen hierzulande die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen nach oben. Der „Benzinpreis-Schock“ bewegt Deutschland. Schnell kam der Verdacht auf, die Ölkonzerne würden die Situation ausnutzen, um schnell Kasse zu machen. Derzeit prüft das Kartellamt, ob es Preisabsprachen gab. Auch Finanzminister Lars Klingbeil will durch Spezialisten untersuchen lassen, ob die Preiserhöhungen unverhältnismäßig sind – und eventuell von staatlicher Seite geahndet werden könnten. Letzteres ist reiner Aktionismus – und natürlich Quatsch. Die Ölkonzerne haben einfach das gemacht, was sie immer machen. Preissprünge von 20 Cent innerhalb eines Tages sind ja inzwischen normal. Leider. Man fragt sich dann manchmal, welche Logik dahintersteckt. Diesmal aber liegt der Fall ganz klar: Die jüngsten Preiserhöhungen, nicht selten bis zu 40 Cent gegenüber dem Vortag, sind reine Abzocke. Dafür brauchte es auch keine unbotmäßigen Absprachen zwischen den Ölkonzernen. Gelegenheit macht eben Diebe. Natürlich können Tankstellenbetreiber und Ölkonzerne darüber jammern, dass die Meerenge von Hormus derzeit wegen des Krieges am Golf nicht befahrbar ist. Doch um zu verstehen, welch geringen Einfluss das eigentlich auf die Preisgestaltung von Benzin und Diesel an deutschen Tankstellen haben dürfte, lohnt es sich, ein wenig in die Materie einzutauchen. Es fängt damit an, dass nur etwa die Hälfte des Preises, den Autofahrer an der Zapfsäule bezahlen, tatsächlich auf den Spritpreis zurückzuführen ist. Der Rest sind Steuern. Wenn ein Liter Diesel zwei Euro kostet, kassiert der Staat davon 1,04 Euro.

Energiesteuer und Co2-Abgabe sind dabei fixe Beträge und nicht prozentual zu zahlen. Nur die Mehrwertsteuer wird auf den Gesamtbetrag inklusive Energiesteuer und Co2-Abgabe erhoben. Durch die Preiserhöhungen in der vergangenen Woche um etwa 19 Prozent gegenüber den Vortagen konnten Konzerne und Tankstellenbetreiber so ihre Gewinnmarge um durchschnittlich 45 Prozent erhöhen. 

Die Mär vom unvermeidlich schnellen Ölpreisanstieg 

Wieso Gewinnmarge? Der Preis für Öl ist ja tatsächlich an den Rohstoffmärkten in die Höhe geschossen! Das ist die derzeitige Argumentation der Krisengewinner. Diese Argumentation hat eine erhebliche Schwäche: Öl wird nicht bar bezahlt, tagesaktuell ge- und verkauft und von einem Tank in den anderen gefüllt. Öl wird über Terminkontrakte an der Rohstoffbörse gehandelt. Mai-2026-Kontrakte werden im Mai dieses Jahres erfüllt, Juni-2027-Kontrakte im Juni des nächsten Jahres. Und so weiter. Diese Monatskontrakte werden unabhängig voneinander gehandelt. Und so ergeben sich unterschiedliche Preise für Öl, je nach Lieferdatum. Die sogenannten Forward-Kurven, die die verschiedenen Preisniveaus in einem Chart verbinden, geben einen Eindruck davon, ob die Marktteilnehmer in Zukunft steigende oder fallende Ölpreise erwarten. 

Sieht man sich die aktuelle Forwardkurve an, erkennt man, dass zwar die Preise für den aktuellen Aprilkontrakt in der vergangenen Woche in die Höhe geschossen sind. Aber zum einen nicht um 45 Prozent, sondern nur um 28 Prozent. Zum anderen tanken Autofahrer derzeit nicht Benzin und Diesel, das aus Öllieferungen vergangener Monate stammt. Und auch die kommenden Monate müsste die aktuelle Preisspitze eigentlich nicht komplett auf die Benzinpreise durchschlagen. Denn Untersuchungen zeigen, dass die aktuellen Preissteigerungen vor allem durch Spekulanten ausgelöst wurden. Diese werden spätestens dann Kasse machen, wenn der April-Kontrakt am 20. März fällig wird. Schon beim Mai-Kontrakt, der Ende April fällig wird, sieht die Lage deutlich entspannter aus. Tendenz weiter deutlich fallend. Die Forwardkurve zeigt, dass sich der Preis pro Barrel der europäischen Standard-Sorte Brent Crude Oil schon bald wieder dem Durchschnittswert des Jahres 2025 annähern könnte.

In dem Augenblick, in dem die Straße von Hormus wieder frei wird, könnte es sogar sehr, sehr schnell gehen. Denn die Lager der Ölförderer rund um den Persischen Golf sind randvoll. Mit dem Ende der Kriegshandlungen werden diese Lagerbestände kurzfristig den Ölmarkt fluten. Vor allem die Preise für kurzfristige Kontrakte werden dann in den Keller rauschen. Spekulanten, die derzeit noch auf einen langwierigen Krieg setzen, müssen in diesem Szenario ihre Kontrakte schnell abstoßen, um ihre Verluste zu begrenzen – was den Preisverfall beschleunigt.

Der Krieg wird vermutlich nicht so lange dauern, wie viele derzeit befürchten

Die Angst vor dem „Flächenbrand“ in Nahost wird aktuell dadurch genährt, dass der Iran seine Nachbarstaaten mit Drohnen und Raketen terrorisiert. Doch nüchtern betrachtet, spricht Einiges gegen einen langen Krieg. Erstens: Durch die Sperrung der Meerenge von Hormus zerstört der Iran seine wichtigste Einnahmequelle selbst – und trifft damit, zweitens, zugleich auch seinen größten Kunden, China. Die Regierung in Peking macht bereits entsprechend Druck auf die Mullahs, die Transportwege möglichst bald wieder freizugeben. Auch die USA wollen keinen langen Krieg, aus verschiedenen Gründen. Um nur einige zu nennen: Die Waffenlager des US-Militärs leeren sich zusehends. Trump gerät zudem zunehmend in Erklärungsnot, wozu er diesen sehr teuren Krieg überhaupt vom Zaun gebrochen hat. Gleichzeitig führt die Offensive zu einer strategischen Schwäche: Ein Drittel der US-Flotte ist derzeit rund um den Persischen Golf versammelt und kann keine weiteren Aufgaben übernehmen, zum Beispiel in Asien. Dass China ausgerechnet jetzt auf dem Volkskongress der KP von der offensiven Wiedervereinigung mit dem „separatistischen“ Taiwan spricht, ist sicherlich kein Zufall. Und dann wären da noch die Midterms in den USA. Trump muss seiner Wählerbasis einen schnellen Erfolg präsentieren. Einen langwierigen Krieg kann der US-Präsident nicht gebrauchen.

Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb groß, dass sich Israel und die USA auf ihre Hauptziele beschränken werden: die Vernichtung der Nuklear- und Raketenkapazitäten des Iran. Ein Regime-Change ist mit Bombardierungen nicht zu erreichen und deshalb wohl eher nicht zu erwarten. Am Ende könnten fast alle Beteiligten mit dem Erreichten zufrieden sein. Israel und die USA könnten einen Sieg verkünden. Das iranische Regime könnte sich dafür feiern, überlebt zu haben. China würde wieder Öl von seinem größten Lieferanten erhalten. Anleger würden vom Rückgang der Ölpreise profitieren – und Autofahrer vermutlich wieder etwas weniger an der Zapfsäule zahlen. Natürlich mit Verzögerung. Denn erfahrungsgemäß sinken die Preise nicht so schnell, wie sie steigen.

Sollte es tatsächlich so kommen, gäbe es nur einen Verlierer, nämlich das iranische Volk. Politik kann sehr zynisch sein.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag findet in Nürnberg ein Online Media-Talk zur NIM-Studie „US-Marken unter Druck?“ statt. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Fragen: Ändert sich das Konsumverhalten der Deutschen aufgrund der transatlantischen Spannungen? Kommt es durch die anhaltend angespannte Lage zu einer bewussten Kaufzurückhaltung oder gar zu Boykottbestrebungen von amerikanischen Produkten? Was können US-Unternehmen tun, damit die Verbraucher sie nicht für die Politik der US-Regierung zur Verantwortung ziehen? Veranstalter ist das Nürnberger Institut für Marktentscheidungen (NIM).

Am Mittwoch stellt das Deutsche Aktieninstitut seine Studie „Altersvorsorge in Deutschland und Frankreich“ vor. Das Institut will Handlungsempfehlungen für eine flexible, ertragsstarke und flächendeckende betriebliche Altersvorsorge geben. In der Studie werden Modelle der betrieblichen Altersvorsorge in Frankreich und Deutschland analysiert und Reformempfehlungen abgeleitet.

Am Donnerstag veröffentlicht das Ifo-Institut in Berlin seine aktuelle Konjunkturprognose Frühjahr 2026. Ifo-Präsident Clemens Fuest und Konjunkturchef Timo Wollmershäuser kommentieren die Ergebnisse der Umfragen und Entwicklungen.

Am Freitag eröffnet in Hamburg die Internorga. Auf der Internationalen Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie präsentieren nationale und internationale Aussteller ihre Produkte, Trends und Innovationen. Begleitet wird die Fachmesse durch Kongresse wie das Internationale Foodservice-Forum und der Branchentag der Gemeinschaftsgastronomie sowie Branchenwettbewerbe. Dazu zählen der INTERNORGA Zukunftspreis, der Next Chef Award und der Deutsche Gastro-Gründerpreis.

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