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„Aktien und Gold sind in Zeiten hoher Unsicherheit die beste Wahl“

Georg von Wallwitz ist von Aktien und Gold überzeugt

Georg von Wallwitz managt seit vielen Jahren erfolgreich die Phaidros Fonds. TiAM Fundresearch sprach mit ihm über Inflation, Rezession und wie er darauf in seinen Fonds reagiert.

11.08.2022 | 09:00 Uhr von «Jörn Kränicke»

TFR: Herr von Wallwitz, ihr Buch „Die große Inflation“ erschien bereits im vergangenen Jahr. Haben Sie da bereits geahnt, dass Inflationsraten von über acht Prozent drohen?

Georg von Wallwitz: In dem Maße habe ich dies nicht erwartet. Das Buch ist sicherlich etwas zu früh erschienen und konnte die aktuellen Entwicklungen nicht aufgreifen. Das Thema Inflation hat seitdem deutlich an Relevanz gewonnen. Zudem ist durch den Krieg in der Ukraine das Thema der steigenden Energie- und Rohstoffpreise auf dem Radar erschienen. Wir wussten zwar bereits im vergangenen Jahr, dass das Thema Inflation länger aktuell bleiben wird, aber nicht, dass wir solch hohe Inflationsraten sehen werden und es eine Inflationsspirale geben würde.

Sehen Sie eine Möglichkeit, die Inflation noch einzufangen und eine Rezession zu vermeiden?

Die Erfahrung zeigt uns, dass eine Inflation, wie wir sie derzeit sehen, oft in einer Rezession endet. Da eine Volkswirtschaft sich ab einem gewissen Komplexitätsgrad der Feinsteuerung entzieht – wie die chinesische Führung derzeit erfährt–, sind weiche Landungen eher die Ausnahme als die Regel. Die bisherigen und zukünftigen Zinsanhebungen werden weithin spürbar sein. Ob Zentralbanken noch Zweitrundeneffekte verhindern können, ist fraglich. Denn der Druck auf die Zentralbanken für eine restriktivere Geldpolitik in der westlichen Welt ist weiterhin hoch. Dies führt zu steigenden Zinssätzen am kurzen Ende. Die langfristigen Zinsen werden hingegen bereits durch die schwächelnde Konjunktur stabilisiert. Eine Rezession für Europa ist nun weitgehend Konsens am Markt – und die US-Wirtschaft befindet sich bereits in einer „technischen“ Rezession, denn die Wirtschaftsleistung ging das zweite Quartal in Folge zurück. Für Europa sowie die USA stellt sich insgesamt die Frage, wie stark eine (mögliche) Rezession tatsächlich ausfällt. Die Gewinnschätzungen der Unternehmen für das laufende Jahr werden in der Mehrheit nach unten korrigiert werden müssen. Der Markt hat zwar einen Rückgang eingepreist, aber eine tiefe Rezession ist in den Kursen noch nicht enthalten.

Wie reagieren Sie etwa im Phaidros Funds Balanced auf die derzeitige Marktsituation?

Obwohl wir in den vergangenen Monaten aufgrund der Marktturbulenzen die Risiken im Fonds verringerten, konnte er sich vor allem im zweiten Quartal der Abwärtsbewegung nicht komplett entziehen. Neben einer verringerten Aktienquote auf ca. 50% im Mai und Juni erhöhten wir als Krisenversicherung die Goldquote. Sie beträgt aktuell gut sechs Prozent. Als ein knappes Gut, das von konjunkturellen Schwankungen weitgehend entkoppelt ist, stellt es auch jetzt einen vergleichsweise sicheren Hafen dar. Neben Gold haben wir auch stärker in konjunkturunabhängige und dividendenstarke Aktien umgeschichtet. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die auch in Krisenzeiten verlässliche Gewinne erzielen. Wichtig ist, dass es sich dabei um sogenannte „Short-Duration-Assets“ handelt, die weniger zinssensitiv sind, weil sie bereits jetzt hohe Gewinne erwirtschaften und nicht erst in fernerer Zukunft. Im Juli haben wir die teilweise sehr günstigen Bewertungen für Zukäufe genutzt und die Aktienquote auf zuletzt 56% erhöht. So konnte der Fonds überdurchschnittlich von den steigenden Kursen auf der Aktien- sowie Anleihenseite profitieren. Neben 27% im Anleihenbereich verschafft uns die aktuelle 10%ige Liquiditätsquote weiterhin Spielraum für Nachkäufe.

Gibt es derzeit auch interessante Anleihen?

High-Yield-Papiere erachten wir als aussichtsreich. Denn eine Fortsetzung des Zinsanstiegs scheint unserer Meinung nach bei Hochzinzsanleihen nun vollständig eingepreist zu sein. In einem Umfeld der konjunkturellen Abschwächung in Europa und sich langfristig stabilisierenden Zinsen sollten diese Anleihen für eine gewisse Entspannung sorgen. Daher haben wir dieses Segment mit rund 27 Prozent gewichtet. Im Schnitt rentieren diese Titel bezogen auf ihre Endfälligkeit mit knapp zehn Prozent Rendite. Das ist aus unserer Sicht ein sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.

Müssen Anleger angesichts der schwierigen Wirtschaftslage pessimistisch sein oder gibt es Lichtblicke am Horizont?

Das Sentiment war vor allem im Juni „im Keller“. Aber davon sollte man sich nicht beeinflussen lassen, denn es gibt auch weiterhin gute Gründe, optimistisch für Aktien zu bleiben – siehe der angesprochene Juli. Sie sind reale Assets, das heißt, steigende Preise können grundsätzlich zu einem höheren Umsatz führen. Und es gibt Unternehmen, die ihre gestiegenen Kosten an die Verbraucher weiterreichen können. Bei ihnen wird auch der Gewinn steigen. Dazu zählen etwa Gesundheitstitel oder auch Luxusgüterhersteller wie etwa LVMH oder Kering, deren Kunden zu den „oberen“ fünf Prozent gehören und von der steigenden Inflation weniger betroffen sind. Daher können sie problemlos die Verkaufspreise steigern und erzielen dann insgesamt sogar einen höheren Gewinn. Softewarehersteller zählen auch dazu. Etwa das amerikanische Softwareunternehmen Palo Alto Networks. Sie sind führend im Bereich Netzwerksicherheit. Es profitiert ebenfalls von einer unelastischen Nachfrage seiner Produkte. Denn Unternehmen werden auch bei steigenden Preisen ihre IT-Systeme und Daten weiter absichern. Hinzu kommt, dass die steigenden Rohstoff- und Konsumpreise sich auf Corporate Software kaum auswirken.

Ist die prekäre Wirtschaftslage kein Problem?

Die makroökonomische Situation ist weitgehend eingepreist. Die letzte Leitzinsanhebung der US-Notenbank in Höhe von erneut 0,75 Prozent im Juli hatte keine negativen Auswirkungen mehr. Selbst eine weitere Eskalation der Russland-Ukraine-Krise wäre – bis zu einem gewissen Grad – kein Schock mehr. Nicht zuletzt bleiben ausgesuchte Aktien langfristig ein „sicherer Hafen“. In Zeiten hoher Unsicherheit sind sie als reale Vermögenswerte neben Gold immer noch die beste Wahl.

Zur Person

Dr. Georg von Wallwitz ist seit 2004 geschäftsführender Gesellschafter von Eyb & Wallwitz. Im aktiven Portfoliomanagement verantwortet er vorrangig die Alpha-Strategie. Zu den vorherigen Stationen zählen die DWS und die Privatbank Hauck & Aufhäuser. Hier managte er fünf Jahre lang schwerpunktmäßig Spezialfonds. Von Wallwitz hat Mathematik und Philosophie studiert. Als leidenschaftlicher Publizist kommentiert er in seinen Büchern und Publikationen die Wechselfälle der Finanzmärkte mit Sachverstand und einer starken Prise philosophischen Humors.

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