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Mit den passenden Fonds können Anleger auf die steigende Inflation reagieren. (AI-Grafik © 2026 by MvA)
Inflationsindexierte Anleihen

Fonds gegen die Inflation

Warum Inflation-Linked-Bond-Fonds gerade jetzt wieder in den Mittelpunkt rücken – und welche Produkte überzeugen.

23.06.2026 | 10:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Christine Lagarde und ihre Kollegen im Frankfurter EZB-Turm hatten sich auf ihrer Jahresabschlussfeier 2025 den Verlauf des Jahres 2026 wohl anders vorgestellt. Man hoffte auf eine sich stabilisierende Konjunktur im Euroraum. Und vor allem: Keinen neuen Ärger an der Inflationsfront. Es gab auch wenig Grund dafür. Europaweit schwankten die Inflationsraten Anfang des Jahres durchschnittlich um rund zwei Prozent. Die Tendenz: stabil. Wie wir heute wissen, ist aus dem Sommermärchen einer Preisstabilität bei gesundem Wachstum nichts geworden – Donald Trumps unseligem Golfkrieg sei Dank.

Die Inflation im Euroraum ist wieder auf dem Vormarsch, getrieben von hohen Energiepreisen. Im Mai lag die Gesamtinflation bei 3,2 Prozent – weit über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank. Am 11. Juni 2026 hat die EZB deshalb ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben – die erste Zinserhöhung seit 2023. Und es ist nicht ausgemacht, dass damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Es deutet einiges darauf hin, dass die Inflation hartnäckig bleiben wird. Entsprechende Reaktionen der Zentralbank könnten folgen. Die Währungshüter haben unmissverständlich klargemacht, dass der Schutz des Euro für sie wichtiger ist als die Stabilität der Wirtschaft. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel brachte die Lage auf den Punkt. Auf einer Konferenz der Bank of Korea in Seoul sagte sie Anfang Juni: „Wir können diesen Schock nicht länger einfach ausblenden." Und auf die Frage, wie viele Zinserhöhungen noch folgen könnten, antwortete sie mit bemerkenswerter Zurückhaltung: „Es ist zu früh, um zu sagen, dass es eine bestimmte Anzahl von Erhöhungen sein wird und dann ist es vorbei." Die EZB-Projektionen, die mit dem Zinsentscheid im Juni veröffentlicht wurden, sprechen eine klare Sprache: Für 2026 erwartet die Notenbank eine durchschnittliche Gesamtinflationsrate von 3,0 Prozent – ein voller Prozentpunkt über dem Zielwert. Für 2027 sind es noch 2,3 Prozent, bevor die Inflation 2028 laut Projektion wieder auf das Zwei-Prozent-Ziel sinken soll. Die Kerninflation, also ohne Energie und Nahrungsmittel, bleibt mit 2,5 Prozent in den Jahren 2026 und 2027 ebenfalls erhöht. Das Bild ist damit ungewohnt deutlich: Die Inflation ist zurück, und diesmal nicht als vorübergehendes Phänomen.

Für Anlageberater und Vermögensverwalter bedeutet das: Es lohnt sich, einen genauen Blick auf Fonds zu werfen, die in inflationsindexierte Anleihen investieren – sogenannte Inflation-Linked Bonds, kurz ILBs.

Wie Inflation-Linked Bonds funktionieren – und wann sie sich lohnen

Bevor wir zu den Fonds kommen, ein kurzer Blick auf das Grundprinzip: ILBs sind Staatsanleihen, bei denen sowohl der Nennwert als auch die Zinszahlungen an einen Inflationsindex – im Euroraum meist den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – gekoppelt sind. Steigt die Inflation, wächst der Nennwert der Anleihe mit. Damit steigen automatisch auch die absoluten Zinszahlungen. Fällt die Inflation dagegen, schützt ein eingebauter Boden (Floor) davor, dass der Rückzahlungswert unter den ursprünglichen Nennwert sinkt.

Entscheidend für die relative Attraktivität von ILBs gegenüber normalen Staatsanleihen ist die sogenannte Break-Even-Inflation: die Inflationsrate, die der Markt für die Laufzeit eingepreist hat. Liegt die tatsächliche Inflation höher als diese Schwelle, entwickeln sich Linker besser als vergleichbare Nominalanleihen. Im Euroraum liegt die Break-Even-Inflation für zehnjährige Anleihen derzeit bei rund 2,6 Prozent. Bei einer EZB-Projektion von 3,0 Prozent für 2026 liegt die Messlatte also schon jetzt über diesem Wert.

Kurzum: Entscheidend ist nicht die Höhe der Inflation, sondern die Abweichung von den Erwartungen. Sprich: ILBs lohnen sich dann besonders, wenn die tatsächliche Inflation die eingepreisten Erwartungen übersteigt – und genau das ist derzeit der Fall.

Die besten Fonds der vergangenen zwölf Monate und ihre Strategien

Ein Blick auf die Wertentwicklung von 14 in Deutschland und Österreich gängigen Inflationsschutzfonds zeigt, wer in den vergangenen zwölf Monaten am besten abgeschnitten hat. Die drei Spitzenreiter sind ein passiver ETF, ein aktiv gemanagter österreichischer Spezialist und ein global ausgerichteter Anleihefonds mit langer Tradition.

Ausschüttende Euro-Inflationsanleihen-Fonds

ISIN Kurzname Auflegung Fondsvolumen in Mio. Euro Perf. 1 Jahr Perf. 3 Jahre p.a. Perf. 5 Jahre p.a. TER
LU1645380368 UBS BB Euro Infl Link 1-10 ETF € dis 31.10.17 389,21 3,54% 2,78% 2,20% 0,08%
AT0000A0LSH4 Gutmann Glo Inflation-Linked Bonds A € 01.12.10 67,94 2,83% 1,62% 0,64% 0,60%
DE0008484361 Nomura Real Return R € 20.10.04 31,47 2,78% -0,75% -4,06% 0,93%
LU0251658703 AXA WF Euro Inflation Bonds A auss € 17.04.06 230,82 2,76% 1,39% 0,43% 0,72%
LU0988442017 Allianz Euro Inflation-linked Bond A € 02.10.14 165,98 2,65% 1,14% 0,26% 0,83%
AT0000622006 Raiffeisen-Inflationssch-Anleihen R A 25.05.04 61,36 2,55% 2,01% 1,67% 0,90%
LU1910939849 Amundi Glo Gov Infl-Lnk Bd 1-10Y ETF Dis 23.01.19 228,13 2,24% 2,26% 2,72% 0,09%
AT0000600663 Kepler Realzins Plus Renten A 01.03.05 158,99 2,18% 1,93% 0,74% 0,65%
DE000DK0AYK1 Deka-RentenReal 02.11.04 68,37 1,65% 1,72% -0,23% 1,04%
LU0103555594 KBC Bonds Inflation-Linked Bonds auss 01.12.99 28,31 1,47% 0,33% 0,04% 0,88%
DE0008484452 Nomura Real Protect I € 29.04.09 7,46 1,32% 0,87% 0,79% 0,49%
LU1645381689 UBS BB Euro Infl Link 10+ ETF A € d 31.10.17 18,1 0,95% -2,26% -3,48% 0,20%
AT0000672258 Schoellerbank Realzins Plus A 02.09.02 62,25 0,51% -0,36% -2,03% 0,79%
LI0114576429 LGT Sustainable Bond Glo Inf Ld € A 02.09.10 139,11 -0,40% -2,18% -2,48% 1,14%

Quelle: FVBS professional, Stand: 18. Juni 2026

Der zuletzt erfolgreichste inflationsgebundene Fonds ist ein ETF von UBS Asset Management. Der UBS Core BBG Euro Infl Link 1-10 UCITS ETF (LU1645380368) investiert in inflationsindexierte Euro-Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating und einer Restlaufzeit von einem bis zehn Jahren. Zu den größten Emittentenländern im Index zählen Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien. Die Stärke dieser Strategie liegt in ihrer Schlichtheit: Keine Wetten auf einzelne Länder oder Laufzeiten, keine aktiven Positionierungen, minimale Kosten. Mit einem ausgewiesenen TER von 0,08 Prozent ist der UBS-ETF einer der günstigsten seiner Art im Markt. Entscheidend für die gute Zwölfmonatsperformance war vor allem die Wahl des Laufzeitensegments: Mit einer Beschränkung auf Anleihen bis zehn Jahre Restlaufzeit hat der ETF eine deutlich geringere Zinssensitivität als Fonds mit langen Laufzeiten. Das spielt ihm in einem Umfeld zugute, in dem die EZB die Zinsen wieder erhöht: Kurze und mittlere Laufzeiten reagieren weniger empfindlich auf steigende Marktzinsen. Gleichzeitig profitieren sie voll von der Inflation, die sich im kürzeren Laufzeitsegment schneller in die Kurse einpreist. Der Vergleich im eigenen Haus ist aufschlussreich: Der UBS-ETF auf das 10+-Jahres-Segment derselben Indexfamilie (LU1645381689) hat im gleichen Zeitraum nur 0,95 Prozent erzielt. Die Laufzeitenwahl war also der entscheidende Performance-Hebel. 

Gut abgeschnitten hat in den zurückliegenden zwölf Monaten auch der Gutmann Global Inflation-Linked Bonds A (AT0000A0LSH4). Bei dem Fonds handelt es sich um ein aktiv gemanagtes Anleihenportfolio der Wiener Privatbank Gutmann Kapitalanlagegesellschaft. Die Strategie unterscheidet sich grundlegend vom ETF-Ansatz: Der Fonds investiert in Anleihen internationaler Emittenten – Staaten, Unternehmen und andere Körperschaften – deren Kupon und/oder Nennwert an die Euro-Inflation oder die Inflation einzelner Länder gebunden ist. Daneben darf das Management auch in nicht inflationsgebundene Anleihen investieren, wenn dies dem Anlageziel dient. Die Besonderheit: Der Fonds verfolgt eine aktive Strategie ohne Bezugnahme auf einen Referenzindex. Das gibt den Fondsmanagern mehr Freiheiten bei der Länder- und Laufzeitenauswahl – aber auch mehr Verantwortung. Das Fondsmanagement-Team der Gutmann KAG strebt für das Gesamtportfolio ein Investment-Grade-Rating an, setzt dabei aber keine starren Schranken für einzelne Positionen. Das ermöglicht es, auch Anleihen mit niedrigerem Rating beizumischen, sofern das Gesamtbild stimmt. Im Vergleich zum ETF bringt der Gutmann-Fonds zwar höhere Kosten mit (TER 0,60 Prozent), bietet dafür aber die Möglichkeit, auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Ein Übergewicht in Märkten mit attraktiverer Inflationsdynamik oder eine gezielte Durationssteuerung kann in turbulenten Phasen einen echten Mehrwert schaffen. 

Der Nomura Real Return R (DE0008484361) ist der Veteran unter den drei Spitzenreitern. Und einer der erfahrensten aktiv gemanagten ILB-Fonds im deutschsprachigen Markt überhaupt. Die Nomura Asset Management Deutschland KAG betreibt diese globale ILB-Strategie seit 2004 und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Das Anlageziel ist breit gefasst: Der Fonds investiert in ein diversifiziertes Portfolio aus inflationsgeschützten Staats- und Unternehmensanleihen hoher Bonität aus dem gesamten Laufzeitenspektrum der OECD-Länder. Mindestens 51 Prozent müssen inflationsindexiert sein. Daneben können zur aktiven Risikosteuerung nominale Anleihen und Anleihe-Futures beigemischt werden. Fremdwährungspositionen werden weitgehend in Euro gesichert. Die eigentliche Stärke liegt im aktiven Managementansatz: Nomura positioniert das Portfolio aktiv entlang der realen Zinsstrukturkurve und steuert die Gewichtungen zwischen verschiedenen Inflationszyklen unterschiedlicher Länder. Das Team analysiert fundamentale makroökonomische Zusammenhänge – insbesondere Kredit- und Inflationszyklen – und baut darauf seine Positionierungen auf. Typischerweise liegt der Tracking Error gegenüber einem passiven Vergleichsportfolio bei bis zu zwei Prozent per annum. Die Fünfjahresbilanz offenbart allerdings ein Risiko im Portfolio: Mit minus 4,06 Prozent per annum liegt der Fonds im längerfristigen Zeitraum im negativen Bereich – ein klares Zeichen dafür, dass das breite Laufzeitenspektrum im Zinserhöhungszyklus 2022 bis 2023 die Performance eher belastet hat. Wer langfristige Durations-Risiken scheut, sollte das im Blick behalten.

Warum gerade jetzt?

Die aktuelle Konstellation ist für ILB-Fonds aus mehreren Gründen besonders günstig. Erstens liegt die tatsächliche Inflation mit 3,2 Prozent im Mai 2026 deutlich über der im Markt eingepreisten Break-Even-Inflation von rund 2,6 Prozent. Das ist genau das Szenario, in dem ILBs ihren Mehrwert gegenüber Nominalanleihen voll ausspielen. Zweitens hat die EZB ihre Inflationserwartungen für 2026 nach oben korrigiert und erwartet nun eine Gesamtinflation von 3,0 Prozent. Selbst wenn der Nahostkonflikt tatsächlich morgen enden würde – die EZB selbst hält eine geldpolitische Reaktion für unvermeidlich, wie Isabel Schnabel klar gemacht hat. Drittens zeigt die Laufzeitenanalyse: ILB-Fonds mit kürzeren bis mittleren Laufzeiten (ein bis zehn Jahre) bieten derzeit die beste Kombination aus Inflationsschutz und begrenztem Zinsänderungsrisiko. Angesichts weiterer möglicher EZB-Zinsschritte ist das ein entscheidender Vorteil gegenüber Langläufern.

Fazit: Was Anlageberater ihren Kunden jetzt empfehlen können

Inflation-Linked-Bond-Fonds sind kein Allheilmittel und kein Ersatz für ein ausgewogenes Portfolio. Aber in der aktuellen Lage erfüllen sie eine Funktion, die andere Anlageklassen kaum leisten können: Sie schützen das investierte Kapital nicht nur nominal, sondern auch real vor Kaufkraftverlust – und das mit staatlich besicherten Emittenten und Investment-Grade-Qualität. Für Kunden mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont und einem Rentenbaustein im Portfolio bietet sich jetzt die Gelegenheit, einen Teil der Nominalanleihen gegen ILB-Produkte auszutauschen oder zu ergänzen.

Der Fokus sollte dabei auf kürzeren bis mittleren Laufzeiten liegen, um das Zinsrisiko zu begrenzen. Kostenbewusste Anleger greifen zum UBS ETF – er liefert den günstigsten Zugang zum Euroraum-ILB-Markt im relevanten Laufzeitensegment und ist mit fast 390 Millionen Euro Volumen liquide und handelbar.

Wer aktives Management und etwas mehr Flexibilität bevorzugt, findet im Gutmann Global Inflation-Linked Bonds eine solide Alternative mit überschaubaren Kosten. Der Nomura Real Return Fonds empfiehlt sich für erfahrene Anleger, die auf ein globales, aktiv gemanagtes Portfolio setzen und mit dem damit verbundenen Durationsrisiko umgehen können.

Eines sollte dabei nicht vergessen werden: ILBs sind keine Garantiepapiere für positive Realrenditen. Wie die Fünfjahresbilanz der meisten Fonds zeigt, haben sie im Zinserhöhungszyklus der Jahre 2022 und 2023 erheblich gelitten. Der aktuelle Einstiegszeitpunkt hat das jedoch verändert: Reale Renditen sind positiv, Break-even-Inflationserwartungen liegen unter der tatsächlichen Inflation, und die Notenbank hat klar signalisiert, dass der Preisdruck anhält. In einem solchen Umfeld können Inflationsschutzfonds eine sinnvolle Komponente im Rentenportfolio sein.

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