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Das Krisenmetall steckt in der Krise

Wer sich Gold ins Depot legt, vertraut darauf, dass das Edelmetall in Krisenzeiten Verluste abfedert. Doch in der Corona-Krise wurde der vermeintlich sichere Hafen bisher schwer in Mitleidenschaft gezogen. Warum der Goldpreis fällt – und wie es für das Metall weitergeht.

19.03.2020 | 15:10 Uhr von «Alexandra Jegers»

Sein Vermögen in Gold zu investieren, ist eigentlich wirtschaftlicher Unsinn. Es liegt herum, bringt keine Zinsen und verursacht oft sogar noch Lagerkosten. Dass Gold trotzdem in fast allen Portfolios zu finden ist, liegt im Prinzip nur an einem einzigen Grund: Es soll in Krisen seinen Wert behalten oder sogar noch wertvoller werden. Geht es an den Kapitalmärkten bergab, etwa im Zuge einer Wirtschafts- oder Finanzkrise, gilt Gold als sicherer Hafen. Sein Preis soll anziehen, wenn alle anderen Vermögenswerte in den Keller rauschen. Dadurch soll das Edelmetall wenigstens einen Teil der Verluste kompensieren.

Doch die Corona-Krise stellt dieses Versprechen auf eine harte Probe. Nicht nur, dass der Goldpreis auf Monatssicht sieben Prozent an Wert verloren hat. An Tagen, an denen es an den Kapitalmärkten besonders turbulent zuging, rauschte zudem auch der Goldpreis in die Tiefe. Allein in der vergangenen Woche schmolz der Preis pro Feinunze um 144 US-Dollar. Momentan notiert das gelbe Metall bei rund 1.470 US-Dollar. „Die üblichen Absicherungsstrategien zur Risikominderung funktionieren derzeit nicht“, sagt Axel Botte, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Ostrum Asset Management.

Marktbeobachter erklären sich die paradoxe Entwicklung beim Gold unter anderem damit, dass der Börsencrash eine Flucht in Bargeld ausgelöst hat. Viele Anleger mussten ihre Gold-Bestände zuletzt gezwungenermaßen verkaufen, um Verluste in anderen Asset-Klassen auszugleichen. Experten sprechen von sogenannten Margin Calls: Bei stark fallenden Aktienkursen verlangen viele Banken und Aktienbroker von ihren Kunden zusätzliche Bargeldreserven, um nicht auf Verlusten sitzenzubleiben. Das gilt vor allen dann, wenn sich Kunden zuvor bei der Bank Geld geliehen haben, um spekulative Wetten auf Kursentwicklungen einzugehen.

Positive Rahmenbedingungen

Hinzu kommt: Durch das Coronavirus liegt die Kauflust der Menschen brach, nicht zuletzt wegen der auf breiter Front angeordneten sozialen Distanzierung. Das setzt nicht nur Tourismus und Gastronomie unter Druck, sondern auch die Luxusgüterindustrie. In wichtigen Absatzländern wie China und Indien ist die Nachfrage nach Schmuckwaren eingebrochen. Auch das belastet den Goldpreis.

Dennoch sollten Investoren nicht den Glauben an Gold verlieren, sagen Experten. Selbst wenn das Krisenmetall zuletzt enttäuscht hat: „Anleger werden in den kommenden Wochen und Monaten mehr denn je Vermögenswerte benötigen, die objektiv weniger von dieser Gesundheits­krise betroffen sind“, schreiben Analysten der Fondsgesellschaft Baker Steel in einem aktuellen Marktkommentar. Anleger sollten zudem berücksichtigen, dass die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen Gold mittelfristig sogar attraktiver machen als vor der Corona-Krise. „Die politische Ausrichtung deutet auf ein makroökonomisches Umfeld mit anhaltend niedrigen Realzinsen und einer signifikanten Ausweitung der Staatsverschuldung hin“, heißt es in dem Bericht. In der Vergangenheit hat sich der Goldpreis in einem solchen Umfeld meist gut entwickelt.

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