• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

Das gefährliche Spiel der USA mit dem kurzfristigen Zins

Das gefährliche Spiel der USA mit dem kurzfristigen Zins
Kolumne

Die USA haben ein Schuldenproblem und zunehmend auch ein Laufzeitenproblem. Mitte August 2026 kündigte das US-Finanzministerium an, die Rückkäufe langer Staatsanleihen deutlich auszuweiten.

29.09.2026 | 08:03 Uhr von «Dr. Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der PVV AG, Essen»

Bei Treasuries mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren soll das maximale Volumen der Rückkaufoperationen von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar verdoppelt werden. Offiziell geht es dabei um die Verbesserung der Liquidität am langen Ende des Anleihemarktes. Die Maßnahme kommt jedoch zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt, denn die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen sind kräftig gestiegen, während Washington gewaltige neue Finanzierungsvolumina bewältigen muss.

Laufzeitverkürzungen lösen die Verschuldungsproblematik nicht

Rückkäufe allein reduzieren die Staatsverschuldung nicht. Das Finanzministerium muss die dafür benötigten Mittel letztlich wieder am Kapitalmarkt aufnehmen. Werden Finanzierungsbedarfe verstärkt durch kurzlaufende Treasury Bills gedeckt, verschiebt sich ein Teil des Zinsrisikos in Richtung kurzer Laufzeiten. Das kann zunächst attraktiv erscheinen, schließlich ist eine kurzfristige Finanzierung bei einer normal verlaufenden Zinsstrukturkurve günstiger als die langfristige Festschreibung hoher Zinsen – doch der Preis dafür ist eine steigende Refinanzierungsfrequenz.

Genau damit gewinnt die Federal Reserve (Fed) für den US-Staatshaushalt zusätzlich an Bedeutung. Während langfristige Treasury-Renditen von Inflationserwartungen, Wachstum, Angebot und Nachfrage sowie dem Vertrauen der Kapitalmärkte bestimmt werden, kann die Fed das kurzfristige Zinsniveau über ihren Leitzins unmittelbar beeinflussen. Je kürzer sich Washington finanziert, desto deutlicher schlagen Veränderungen der Geldpolitik auf die Finanzierungskosten des Staates durch.

Der politische Einfluss auf die Fed steigt

Donald Trump hat während seiner Präsidentschaft immer wieder Druck auf die Fed ausgeübt und niedrigere Zinsen gefordert. Die institutionelle Unabhängigkeit der Notenbank soll jedoch gerade verhindern, dass Geldpolitik zur Finanzierung politischer Ziele instrumentalisiert wird. Noch im April warnte der damalige Fed-Chef Jerome Powell ausdrücklich davor, diese Unabhängigkeit aufzuweichen. Unter seinem Nachfolger Kevin Warsh hat die Fed am 16. September 2026 die Leitzinsspanne angesichts weiterhin erhöhter Inflation einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben.

Die Versuchung für die Politik liegt auf der Hand: Je größer der Schuldenberg und je kurzfristiger seine Finanzierung, desto wertvoller werden niedrige Leitzinsen für den Finanzminister. Damit entsteht ein gefährlicher Interessenkonflikt. Eine Regierung, deren Finanzierungskosten unmittelbar von der Geldpolitik abhängen, hat einen immer stärkeren Anreiz, auf die Notenbank einzuwirken. Genau deshalb ist deren politische Unabhängigkeit so wichtig.

Das Verschuldungsausmaß und dessen Zinslast sind inzwischen gewaltig

Für 2026 werden Nettozinsausgaben von mehr als einer Billion Dollar beziehungsweise rund 3,3 Prozent des US-BIP erwartet. Bis 2036 könnten daraus 2,1 Billionen Dollar und 4,6 Prozent des BIP werden. Gleichzeitig soll die öffentlich gehaltene Staatsverschuldung von rund 100 Prozent des BIP auf 120 Prozent im Jahr 2036 steigen.

Amerika kann sich kurzfristig finanzieren und darauf hoffen, dass die Zinsen irgendwann wieder sinken. Es kann aber nicht gleichzeitig dauerhaft hohe Defizite fahren, die Laufzeiten seiner Finanzierung verkürzen und erwarten, dass die Unabhängigkeit der Notenbank politisch bedeutungslos sei. Je kürzer die Laufzeit der Schulden, desto kürzer wird auch der Weg vom Weißen Haus zur Federal Reserve.

Diesen Beitrag teilen: