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Kein Zweifel an sinkenden Zinsen

Beobachter gehen fest davon aus, dass die US-Notenbank in ihrer heute beginnenden Sitzung den Leitzins erneut senken wird. Ob es danach weitere Zinssenkungen geben wird, ist aber angesichts robuster US-Wirtschaftskennzahlen fraglich.

18.09.2019 | 08:26 Uhr von «André Schmidt-Carré»

Heute und morgen sind die Blicke der Finanzwelt einmal mehr nach Washington D.C. gerichtet, wo die Chefs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zu einem zweitägigen Treffen zusammenkommen. Die wichtigste Neuigkeit scheint dabei schon vor Beginn der Sitzung festzustehen: Niemand bezweifelt, dass die Fed den Leitzins senken wird. „Ich wette, dass die Märkte Recht haben“, sagt Alan Murray, Chef des US-Wirtschaftsmagazins Fortune. „Es wäre viel zu teuer, sie zu enttäuschen.“ Hinzu kommt die schwache Stimmungslage im verarbeitenden US-Gewerbe, Anfang des Monats in Kraft getretene Strafzölle sowie die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Handelskriegs und in der Folge auch vor einer Rezession. „Wir erwarten daher, dass die Fed bei ihrem kommenden Treffen den Leitzins nochmals um 25 Basispunkte auf eine Bandbreite von 1,75 Prozent bis zwei Prozent senken wird“, sagt Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea. Zudem hat die Europäische Zentralbank vergangene Woche vorgelegt und damit den Druck auf die Fed erhöht.

Fraglich ist allerdings, ob es danach zu weiteren Zinssenkungen kommt. Präsident Trump fordert zwar immer wieder massive Zinssenkungen, am besten bis auf null Prozent, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Kritiker bezweifeln allerdings, ob er Fed-Chef Powell mit seinen Twitter-Forderungen dabei hilft – schließlich soll die Notenbank eigentlich unabhängig von der Politik agieren. Auf Dauer könnten sich die obersten Währungshüter genötigt sehen, Trump eben demonstrativ nicht nachzugeben und zumindest vorerst keine weiteren Zinsschritte in Aussicht zu stellen. „Der anhaltende Druck von Präsident Trump ist nicht hilfreich“, sagt Esty Dwek, Anlagestrategin bei der Dynamic Solutions Gruppe von Natixis Investment Managers.

Zinssenkung fundamental nicht gerechtfertigt

Zumal Experten bezweifeln, ob die jetzt erwartete Zinssenkung nach der letzten Herabstufung im Juli überhaupt gerechtfertigt ist. „Tatsächlich sehen wir ein Risiko darin, dass die Fed zu sehr markt- statt datengetrieben wird, den Markterwartungen folgend, anstatt die Märkte zu führen“, sagt Dwek weiter. Andere Beobachter teilen diese Einschätzung: „Unter Berücksichtigung fundamentaler Aspekte besteht keine Veranlassung, die US-Leitzinsen erneut zu senken“, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Dafür laufe die US-Wirtschaft derzeit schlicht zu gut, allen Sorgen vor Handelskrieg und Rezession zum Trotz: Der Arbeitsmarkt ist nahezu voll ausgelastet und der für die US-Volkswirtschaft besonders wichtige Konsum brummt nach wie vor – trotz Rückgang einiger Stimmungsindikatoren im Unternehmenssektor. Zuletzt sprang sogar die Kernrate der Inflation in den USA auf 2,4 Prozent an. Eine Steigerung der Verbraucherpreise nahe zwei Prozent und ein dynamisches Wirtschaftswachstum sind die Zielvorgaben der Fed. „Diese Kriterien sind beide schon heute erfüllt“, sagt Mumm. So gesehen könnte die Fed schon jetzt auf Zinssenkungen verzichten – zumindest aber auf weitere Schritte in den kommenden Monaten.

 

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