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Warten auf die Fed

Die Märkte haben hohe Erwartungen an die US-Notenbank Fed, bis zu drei Zinssenkungen halten sie in diesem Jahr für möglich. Auf ihrer aktuellen Zinssitzung könnten die obersten Währungshüter diese Hoffnungen allerdings erst einmal enttäuschen – mit möglicherweise heftigen Folgen für die Kapitalmärkte.

19.06.2019 | 07:16 Uhr von «Alexandra Jegers»

Auf der heutigen Zinssitzung dürfte Fed-Chef Jerome Powell seine Worte noch sorgfältiger wählen als gewöhnlich. Denn jede auch noch so kleine Äußerung birgt das Potential, die Kapitalmärkte in Aufruhr zu versetzen. Zwar rechnet die Mehrheit der Marktbeobachter nicht damit, dass die US-amerikanische Notenbank tatsächlich den Leitzins senkt, sie warten aber sehr wohl auf ein Signal, dass ein derartiger Schritt in den nächsten Monaten kommt. „Nach den sehr moderaten Äußerungen von einigen Fed-Mitgliedern und insbesondere des Vorsitzenden Jerome Powell wird auf Maßnahmen der Notenbank gelauert“, sagt Olivier de Berranger, Chefanlagestratege beim französischen Fondsanbieter La Financière de L’Echiquier. Investoren rechnen damit, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) die Äußerungen von Powell bestätigen wird. Damit wäre der Weg für eine Senkung der Leitzinsen im Juli frei.

Auch wenn er ein solches Szenario für wahrscheinlich hält: de Berranger warnt vor übertriebenen Optimismus. „Anleger müssen weiterhin misstrauisch sein“, sagt der Anlagestratege. Gegen sinkende Zinsen spricht: Die Wirtschaft in den USA hat sich zuletzt wieder stabilisiert. Auch im Handelsstreit mit China sendete US-Präsident Donald Trump jüngst positive Signale: In der kommenden Woche will er sich auf dem G20-Gipfel mit Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping über die Handelsfrage austauschen. „Das wird, denke ich, wahrscheinlich ein sehr ergiebiges Treffen“, sagte Trump im Vorfeld des Treffens. „Wir handeln mit ihnen. Wir haben eine sehr gute Beziehung“. Sollte das Treffen friedlich verlaufen, dürfte das die US-Wirtschaft weiter beflügeln – und die Fed möglicherweise von Zinsmaßnahmen im Sommer abbringen. Powell könnte dieses Szenario schon jetzt bei seiner Rede berücksichtigen und damit die Hoffnungen der Anleger auf baldige Zinsschritte dämpfen.

Enttäuschung für Anleger

Die Mehrheit der Marktbeobachter rechnet für die kommenden zwölf Monate mit drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte. Auch Franck Dixmier, Leiter des Anleihegeschäfts bei Allianz Global Investors, ist zuversichtlich, dass die Fed die Zinsen als nächstes senken wird. „Präsident Trump will die Wirtschaftsleistung um jeden Preis aufrechterhalten“, sagt der Anlagestratege. Der politische Druck auf die Notenbank sei hoch, Fed-Chef Powell werde daher „entsprechend austarieren müssen“.

Auf der aktuellen Zinssitzung dürfte die Zentralbank die Zinssenkung jedoch eher nicht bekannt geben. „Powell muss geldpolitische Fehler vermeiden: Auch wenn es unwahrscheinlich ist, kann ein förderliches Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staa­ten und China nicht ausgeschlossen werden“, sagt Dix­mier. Der Notenbankchef dürfte sich daher weniger „dovish“, also geldpolitisch weich äußern, prognostiziert der Investmentexperte. Aktien- und Rentenanleger dürfte das zunächst enttäuschen. Langfristig aber sieht der Anlageprofi in der Politik der Notenbanken Chancen. „Wir glauben, dass jede Korrektur der US-Zinsen eine Gelegenheit bietet, die Duration in US-Anleihen zu erhöhen“, sagt Dixmier.

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