
Die Sitzung der US-Notenbank war weniger ein „Nicht-Ereignis“ als eine gezielte Botschaft: Der Offenmarktausschuss ließ die Zielspanne für den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent und stimmte mit 10 zu 2 für das Abwarten.
29.01.2026 | 10:18 Uhr
Zwei Notenbanker – Waller und Miran – wollten bereits jetzt eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte. Das kann man als ernst gemeinte geldpolitische Minderheitenposition lesen, weil Waller seit längerem für Zinssenkungen argumentiert. Man kann es aber ebenso als Signal in eigener Sache deuten: Wer sich als künftiger Vorsitzender ins Gespräch bringen will, profitiert davon, früh „Mut zur Lockerung“ zu zeigen. Entscheidend ist: Diese beiden Stimmen bilden nicht die Mehrheit ab.
Der Vorsitzende Powell klang dagegen spürbar straffer, vor allem mit Blick auf die Konjunktur. Er zeichnete ein Bild einer Wirtschaft, die mit solidem Schwung in das Jahr 2026 startet; der Ausblick habe sich seit der letzten Sitzung klar verbessert. Zugleich verwies er auf Anzeichen einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt. Daraus leitete er ab, die Geldpolitik sei „gut ausgerichtet“, Entscheidungen würden von Sitzung zu Sitzung anhand der Daten getroffen. Wer gehofft hatte, die Notenbank sei bereits auf den nächsten Zinsschritt nach unten festgelegt, bekam damit eine Absage.
Besonders aufschlussreich war Powells Einschätzung zur Frage, ob das Zinsniveau die Wirtschaft deutlich bremst. Sinngemäß sagte er: Aus den eingehenden Daten lasse sich schwer ableiten, dass die Geldpolitik „spürbar restriktiv“ sei. Das ist der Kern der Provokation: Ein großer Teil der Erwartungen an spätere Zinssenkungen beruht auf der Annahme, die Zinsen lägen über dem „neutralen“ Niveau. Powell stellt diese Annahme nicht frontal infrage, entzieht ihr aber die Grundlage: Solange Wachstum und Arbeitsmarkt halten, wird die Argumentation für baldige Senkungen schwächer – und damit auch der Zeitplan.
Auch die Formulierungen im Beschlusstext wurden passend nachgeschärft: Das Wachstum wurde von „mäßig“ auf „solide“ hochgestuft, bei der Arbeitslosigkeit wurden „Anzeichen der Stabilisierung“ betont, und der Hinweis auf zunehmende Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt wurde gestrichen. Powell dämpfte zwar Überinterpretationen und wollte aus den Stabilisierungssignalen keine Gewissheit ableiten. Trotzdem ist die Richtung eindeutig: weniger Krisenrhetorik, mehr Selbstvertrauen.
Fazit: Die Notenbank wirkt derzeit nicht wie ein Gremium, das eine Zinssenkung „sucht“, sondern wie eines, das sie erst dann liefert, wenn die Daten sie erzwingen. Solange die Konjunktur solide bleibt und der Arbeitsmarkt nicht sichtbar nachgibt, dürfte die nächste Senkung eher auf sich warten lassen.
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