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Family Offices sehen neue Chancen bei Sachwerten

Immobilien: Für Family Offices nach wie vor die wichtigste Anlageklasse im Portfolio
Family Office

Geopolitische Unsicherheit verändert die Vermögensallokation nachhaltig. Family Offices setzenzunehmend auf resiliente Sachwertstrategien statt auf kurzfristige Renditechancen. Infrastruktur entwickelt sich dabei zum bevorzugten Investmentziel.

04.09.2026 | 07:30 Uhr von «Edmund Pelikan»

Wer verstehen möchte, wohin sich langfristige Vermögensstrategien entwi­ckeln, sollte den Blick auf Family Offices richten. Sie verwalten Vermögen nicht für Quartale, sondern für Generationen und gelten deshalb als verlässlicher Seismograf und Frühindikator für strukturelle Veränderungen an den Kapitalmärkten.

Die im Juli 2026 veröffentlichte Roland-Berger-Studie „Family Office Study – New Asset Allocation in Challenging Times“ bestätigt diesen Eindruck. Sie wurde bei 88 überwiegend in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum ansässigen Family Offices durchgeführt. Etwa zwei Drittel waren Single Family Offices. Während in der allgemeinen monetären Berichterstattung vor allem die geopolitischen Herausforderungen hervorhoben wurden, liegt eine weitere Erkenntnis für den Sachwertmarkt von besonderer Bedeutung darin, dass Family Offices ihre Portfolios konsequent an langfristiger Resilienz ausrichten und dabei reale Vermögenswerte weiter an Bedeutung gewinnen.

"Rund 88 Prozent der befragten Family Offices betrachten geopolitische Verwerfungen inzwischen als größte Herausforderung für ihre Vermögenssteuerung.“

Quelle: Roland Berger „Family Office Study – New Asset Allocation in Challenging Times“ 2026

Die Ausgangslage ist eindeutig. Rund 88 Prozent der befragten Family Offices betrachten geopolitische Verwerfungen inzwischen als größte Herausforderung für ihre Vermögenssteuerung, gefolgt von den Zinsänderungsrisiken und der Digitalisierung. Damit haben weltpolitische Unsicherheiten die Zinsentwicklung als dominierenden Einflussfaktor abgelöst. Bemerkenswert ist jedoch weniger diese Einschätzung als die Reaktion darauf. Anstatt sich aus den Märkten zurückzuziehen, professionalisieren Family Offices ihre Entscheidungsprozesse, erweitern ihren Risikoblick und passen ihre Asset Allo­cation kontinuierlich an. Das Beratungsunternehmen Roland Berger beschreibt sie deshalb ausdrücklich als widerstandsfähige, langfristige Investoren mit disziplinierten Allokationsprozessen.

Diese strategische Ausrichtung spiegelt sich unmittelbar in den Portfolios wider. Immobilien bleiben mit einer Bedeutung von 97 Prozent die wichtigste Anlageklasse für das Portfolio. Ebenfalls fest eta­bliert sind Private-Equity-Fonds mit 88 Prozent sowie Direktbeteiligungen an jungen Unternehmen mit 83 Prozent. Edelmetalle erreichen 78 Prozent und gewinnen ebenfalls weiter an Bedeutung.

Zugleich stellt die Studie fest, dass insbesondere Private Equity und Edelmetalle zu den Anlageklassen gehören, deren Gewicht künftig weiter steigen und Venture Capital ablösen soll. Die Autoren interpretieren diese Entwicklung als Verschiebung hin zu mehr Stabilität, Kontrolle und defensiver Portfolioausrichtung.

Noch deutlicher wird der Wandel beim Blick auf die künftigen Investitionsschwerpunkte. Infrastruktur entwickelt sich mit Abstand zum bevorzugten Ziel neuer Investitionen. 69 Prozent der befragten Family Offices planen hier einen Ausbau ihres Engagements, nachdem dieser Wert im Vorjahr noch bei 41 Prozent gelegen hatte. Roland Berger begründet diese Entwicklung mit stabilen, häufig inflationsgebundenen Erträgen sowie einer hohen Resilienz dieser Anlageklasse. Dahinter folgt der Gesundheitssektor, während Zukunftsfelder wie künstliche Intelligenz zwar an Bedeutung gewinnen, jedoch deutlich selektiver betrachtet werden.

Insbesondere für institutionelle Anleger lohnt sich daher ein genauer Blick auf diese Ergebnisse. Denn Versorgungswerke, Stiftungen oder Pensionskassen stehen vor vergleichbaren Herausforderungen wie Family Offices: geopolitische Unsicherheit, regulatorischer Druck und die Suche nach stabilen Ertragsquellen. Die Studie liefert keine allgemeingültigen Kaufempfehlungen, wohl aber einen interessanten Orientierungsrahmen. Sachwertinvestments werden dort nicht als kurzfristige Renditechance verstanden, sondern vielmehr als Bausteine einer langfristig tragfähigen Vermögensarchitektur.

Diese Perspektive gewinnt speziell vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um Immobilienfonds und den Portfolioproblemen von Versorgungswerken und Krankenkassen an Bedeutung. Einzelne Marktprobleme stellen die grundsätzliche Funktion von Sachwerten aber nicht infrage. Sie verdeutlichen vielmehr, wie entscheidend die Qualität der Auswahl, die Governance der Produkte und ein professionelles Risikomanagement für den langfristigen Anlageerfolg sind.

Genau darin liegt die eigentliche Aussage der Roland-Berger-Studie. ­Erfolgreiche Family Offices investieren nicht deshalb ver-stärkt in Immobilien, Infrastruktur oder Private Equity, weil sie kurzfristigen Trends folgen. Sie investieren, weil diese Anlageklassen – eingebettet in eine disziplinierte und transparente Investmentstrategie – einen wesentlichen Beitrag zur Stabilität des Gesamtvermögens leisten können.

Monetäres Vertrauen entsteht somit nicht allein durch die Wahl der richtigen Anlageklasse, sondern durch eine nachvollziehbare Entscheidungsarchitektur. In einer Zeit wachsender Unsicherheit könnte genau diese Erkenntnis die wichtigste Botschaft der Studie für institutionelle Sachwertinvestoren sein

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