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EZB enttäuscht in der Corona-Krise

Die Hoffnungen waren groß: Nachdem die US-Notenbank in der vergangenen Woche als Reaktion auf die Corona-Krise überraschend den Leitzins gesenkt hat, haben Anleger fest damit gerechnet, dass Europas Notenbank nachzieht. Doch der erhoffte Befreiungsschlag für die Märkte ist ausgeblieben.

13.03.2020 | 14:46 Uhr von «Alexandra Jegers»

Die Corona-Krise hat die Finanzwelt mit voller Wucht erreicht. Rund um den Globus sind in dieser Woche die Aktienkurse eingebrochen – so heftig wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayer, verglich die Folgen der Virus-Epidemie für die Wirtschaft mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Jahr 2008. Das Coronavirus könne sich als „Lehman-Moment“ erweisen, sagte der Ökonom.

Die Notenbanken sind sich dieser Bedrohung durchaus bewusst. Vergangene Woche gab die US-amerikanische Fed überraschend bekannt, als Reaktion auf die Corona-Krise den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf eine Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent zu senken. Marktbeobachter rechneten fest damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) diesem Beispiel folgen würde. Viele hielten es sogar für möglich, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung eine Neuauflage ihres berühmten „Whatever it takes“-Programms vom Sommer 2012 starten würde. Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise kündigte Ex-Notenbankchef Mario Draghi mit diesen Worten an, alles Notwendige zu tun, um die Eurozone zusammenzuhalten. Mit Erfolg: Die Kombination aus milliardenschweren Anleiheläufen und Leitzinssenkungen war mächtig genug, um die Währungsunion vor dem Kollaps zu bewahren.

Diesmal warteten Anleger vergeblich auf den „Whatever it takes”-Moment. Auf der Sitzung am Donnerstag (12. März) ließ Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde den Leitzins unangetastet auf dem Rekordtief von null Prozent. Stattdessen verkündete sie, mit einem umfassenden Maßnahmenpaket auf die Corona-Krise zu reagieren. Bis zum Jahresende will die EZB 120 Milliarden Euro zusätzlich in Anleihekäufe stecken und sich stärker auf Unternehmensanleihen konzentrieren. Parallel dazu lockert die EZB-Bankenaufsicht vorübergehend ihre Kapitalvorgaben für Banken. Den Instituten ist nun ausnahmsweise erlaubt, die sonst gültigen Vorgaben für Kapital- und Liquiditätspuffer zu unterschreiten. Besonders günstige Notenbankkredite sollen Europas Geldhäuser zudem dazu bewegen, mehr Geld an Unternehmen zu verleihen und so die Wirtschaft zu stützen.

Begrenzte Möglichkeiten

Für die Finanzmärkte ist das EZB-Programm eine Enttäuschung. „Auch wenn eine Zinssenkung der Wirtschaft nicht direkt geholfen hätte, wäre sie doch zumindest ein unterstützendes Signal gewesen und hätte wahrscheinlich die finanziellen Bedingungen verbessert“, sagt Frank Häusler, Chefanlagestratege beim Fondsanbieter Vontobel. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund, dass sich das Zinsniveau laut Lagarde noch nicht in der Nähe vom unteren Band befinde – Handlungsspielraum also noch vorhanden sei.

Die EZB-Chefin erklärte ihr moderates Handeln damit, dass die Notenbank diesmal nicht allein die Wirtschaft retten könne. „Christine Lagarde hat gleich zu Beginn der Pressekonferenz klargestellt, dass in diesem wirtschaftlichen Umfeld Fiskalpolitik gefordert ist. Sie rief entsprechend die europäischen Regierungen zu einer koordinierten und substanziellen Fiskalpolitik auf, mit Flankierung seitens der EZB“, sagt Ulrike Kastens, Volkswirtin bei der DWS. Es sei allerdings schon kein Rufen mehr gewesen, sondern beinahe ein Flehen, was man „wiederum als Eingeständnis werten kann, wie begrenzt die Möglichkeiten der EZB in diesem Fall sind.“

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