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Institutionelle setzen vermehrt auf ETF

Institutionelle Anleger in der EU haben die ETFs in ihren Portfolios im vergangenen Jahr um 50 Prozent aufgestockt. Damit liegt der Anteil der passiven Produkte unter ihren Assets bei über 15 Prozent.

14.03.2019 | 14:07 Uhr von «Thomas Gräf»

"Nicht trotz der turbulenten Marktsituation sondern wegen der unruhigen Märkte setzen institutionelle Anleger vermehrt auf passive Anlageprodukte", erklärt Andrew McCollum, Managing Director bei Greenwich Associates, einem Research-Unternehmen, das sich auf Finanzdaten spezialisiert hat. Greenwich Associates hat 127 institutionelle Investoren zum Einsatz passiver Fonds befragt. Das Ergebnis: Der Anteil von ETFs und passiven Produkten in deren Portfolios ist von 7,6 Prozent im Jahr 2017 auf 15 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.

Rund 42 Milliarden Euro flossen 2018 europaweit in ETFs, rund die Hälfte weniger als im Vorjahr (94,7 Mrd. €), dennoch das drittbeste jemals erzielte Ergebnis der Branche. Und dieser Rückgang bei den Zuflüssen muss vor dem Hintergrund eines volatilen Marktumfelds und eines umfangreichen Ausverkaufs an den globalen Aktienmärkten betrachtet werden, so McCollum.

Nettoabsatz ETF in Europa
Nettoabsatz ETF in Europa

Quelle: Refinitif

Das Wachstum sei vor allem auf drei Faktoren zurückzuführen: Volatilität, eine Revolution in der Index-Landschaft und ESG. Die Studie von Greenwich Associates zeigt, dass drei Viertel der institutionellen Investoren befürchten, das Ende des Wirtschaftszyklus sei erreicht und eine Rezession stünde bevor. Aus Sorge vor geopolitischen Veränderungen stellten die europäischen Institutionellen ihre Portfolios jetzt neu auf, um sich gegen eine Verschärfung der Notenbankpolitiken und Handelskriege zu wappnen. 

Ein passendes Mittel bei der Portfoliokonstruktion sei der Einsatz von ETFs, da Transaktionen hier schneller ausgeführt werden könnten, die Diversifikation einfacher und die Liquidität höher sei. Greenwich Associates zitieren einen niederländischen Portfoliomanager, der behauptett: "ETFs sind kosteneffizient und leicht einsetzbar, wenn ein Exposure schnell hoch- oder heruntergefahren werden soll."

Auch die Entwicklung bei den Indizes ist ein Treiber für den wachsenden Anteil der ETFs. Bislang werden nur 25 Prozent der Assets bei den befragten Investoren durch Indexstrategien allokiert – obwohl die Portfoliomanager selbst angeben, der optimale Anteil läge bei 37 % für Aktien- bzw. 34 % für Rentenportfolios. Die Differenz erklärt sich aber aus "geerbten" Wertpapierpositionen und werde von Jahr zu Jahr kleiner.

Mittlerweile haben 40 Prozent der befragten Investoren herkömmliche Investmentvehikel in ihren Portfolios gegen Index-Produkte ausgetauscht, heißt es bei Greenwich Associates. ETFs böten mehr Möglichkeiten, in Nischen zu investieren, während aktiv gemanagte Fonds nur eine Grundversorgung bei Core-Strategien böten.

Ein interessanter Aspekt ist auch der Einsatz von ETFs zur Umsetzung von Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Strategien: So haben im vergangenen Jahr 44 Prozent der Befragten aufgrund von ESG-Vorgaben passive Produkte eingesetzt. Laut den Report werden es in den nächsten fünf Jahren sogar 50 Prozent sein, die ESG-Kriterien mittels ETFs realisieren. Denn das Umweltbewusstsein der Institutionellen nehme deutlich zu:

"Investoren müssen heute mehr denn je Themen wie Klimawandel und Gleichberechtigung in Angriff nehmen, weil die Regierungen nicht genug unternehmen",

heißt es in der Studie. Allerdings erfolgten solche Investments nicht aus reinem Altruismus: 44 Prozent der institutionellen Investoren sind sich einig, das ESG-Anlagen langfristig höhere Renditen abwerfen werden.

Der ETF-Promoter der Wahl ist übrigens BlackRock, dem 94 Prozent der Investoren vertrauen; DB Xtrackers rangieren mit einer Zustimmung von 56 Prozent auf Platz zwei und Lyxor belegt mit 47 Prozent den dritten Platz.

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