
“Momentum hat in unterschiedlichsten Marktphasen signifikanten Mehrwert geschaffen.” - Warum bleibt ein gut durchdachter systematischer Momentum-Ansatz unserer Analyse zufolge trotz sich rasch verändernder Märkte langfristig erfolgversprechend?
11.05.2026 | 09:57 Uhr
Mischung aus Unsicherheit und beispielloser Geschwindigkeit geprägt. Geopolitische Spannungen, sich verschiebende Handelsbedingungen, unvorhersehbare politische Entwicklungen und anhaltende makro-ökonomische Volatilität verunsichern Investoren welt-weit. Gleichzeitig verändern sich die Märkte schneller als je zuvor. Ganze Branchen – allen voran KI und Spitzentechnologie – durchlaufen Innovationszyklen, die so rasant voranschreiten, dass es immer schwieriger wird, die zukünftigen Gewinner mithilfe traditioneller Fundamentalanalysen vorherzusagen. In diesem Umfeld stellen sich Anleger einmal mehr dieselbe Frage: Gibt es eine Strategie, die noch funktioniert, wenn die Welt grundsätzlich unvorhersehbar erscheint? Nach unserer Analyse lautet eine Antwort – vielleicht überraschenderweise – Momentum. Allerdings nicht die vereinfachte Form, wie sie in Lehrbüchern steht, sondern ein gut durchdachter, risikokontrollierter und vollständig systematischer Ansatz, der darauf ausgelegt ist, selbst in einem so turbulenten Marktumfeld wie heute zu bestehen.
MOMENTUM UND SICH VERSTÄRKENDE VERHALTENSFEHLER
Momentum beschreibt ein Phänomen, das so einfach wie wirkungsvoll ist: Aktienmärkte bewegen sich in Trends. Aktien, die sich zuletzt gut entwickelt haben, steigen häufig weiter. Umgekehrt setzen Aktien mit zuletzt fallenden Kursen ihren Abwärtstrend meist fort. Ziel einer Momentum-Strategie ist es, diese Trends systematisch zu erkennen und auszunutzen, um eine bessere Wertentwicklung als der Gesamtmarkt zu erzielen..
Was Momentum-Ansätze so interessant macht, ist ihre Einfachheit und Robustheit. Über lange Zeiträume hinweg haben Momentum-Strategien in verschiedenen Regionen den Gesamtmarkt mit bemerkenswerter Konstanz übertreffen können. Aktuelle Studien z. B. des CFA Institute¹ oder von MSCI² belegen dies und bestätigen damit frühere wissenschaftliche Erkenntnisse3: Momentum ist keine vorübergehende Anomalie, sondern seit über 150 Jahren ein beständiger Renditetreiber, der in unterschiedlichsten Marktphasen und -zyklen signifikanten Mehrwert geschaffen hat. In den letzten 50 Jahren erzielten Momentum-Strategien in jedem Jahr-zehnt beständig einen Zusatzertrag gegenüber dem MSCI World Index – und das bemerkenswerterweise unter den verschiedensten Marktbedingungen.
Der Grund, warum der Momentum-Effekt überhaupt existiert, sind menschliche Verhaltensfehler, die sich an den Finanzmärkten immer wieder beobachten lassen. Momentum-Ansätze machen sich diese Erkenntnisse zum Anlegerverhalten zunutze: Psychologische Phänomene wie Herdenverhalten, Ankereffekte, Angst, etwas zu verpassen, oder Selbstüberschätzung führen zu vorhersehbaren Mustern in der Kursentwicklung. So reagieren Anleger zunächst oft zu zögerlich auf neue Informationen und reagieren anschließend über, sobald sich Trends klar abzeichnen. Auf diese Weise verstärken sie genau jene Kursbewegungen, denen sie hinterherjagen.
Besonders deutlich zeigte sich diese Dynamik in den letzten Jahren im Technologie- und KI-Sektor. Hier sorgte die Angst, den „nächsten großen Gewinner“ zu verpassen dafür, dass sich Anleger massenhaft auf eine kleine Auswahl beliebter Aktien stürzten.. Mit wachsender Euphorie lassen sich viele Anleger von jüngsten Erfolgsgeschichten beeindrucken, extrapolieren kurzfristige Durchbrüche weit in die Zukunft und überschätzen ihre Fähigkeit, langfristige Gewinner zu erkennen – selbst wenn die entsprechenden Fundamentaldaten schwer einzuschätzen oder zu volatil sind, um daraus verlässliche Prognosen abzuleiten. Solche blasenähnlichen Marktphasen erhöhen die Kursstreuung und schaffen ein günstiges Umfeld für Momentum-Strategien, die diese Verhaltensmuster systematisch ausnutzen, ohne selbst von den zugrunde liegenden emotionalen Faktoren beeinflusst zu werden.

Historisch betrachtet funktioniert Momentum am besten in Marktphasen, in denen Preistrends stabil, Marktführer vorhersehbar und Regimewechsel selten sind. Doch in den letzten Monaten war genau das Gegenteil der Fall: Geopolitische Spannungen, rasante Veränderungen von Politik und Handelsbeziehungen sowie immer kürzere Innovationszyklen – vor allem im Tech- und KI-Bereich – erhöhten die Volatilität und machten es schwieriger, Marktentwicklungen vorherzusehen. Dieses anspruchsvolle Umfeld erschwert Investoren die Festlegung der passenden Positionierung, und stellt insbesondere Trendfolge-Strategien vor Herausforderungen, da plötzliche Schocks zu abrupten Trendwechseln, unklaren Signalen und rasanten Rotationen führen.
Die gute Nachricht: Eine klug konzipierte, systematische Momentum-Strategie ist genau darauf ausgelegt, mit solchen Turbulenzen umzugehen. Sie folgt klaren Regeln statt Emotionen und setzt auf nachhaltige Stärke statt auf kurzfristige Euphorie, um das richtige Maß zwischen Flexibilität und Stabilität zu finden.
Jedenfalls ist eines ganz klar: Die psychologischen Verzerrungen, die nutzbare Trends an den Märkten verursachen verschwinden in turbulenten Phasen nicht. Eher verstärken sie sich mit wachsender Unsicherheit sogar noch.
Damit kommen wir zum entscheidenden Punkt für Anleger: Woran lässt sich eine Momentum-Strategie erkennen, die wirklich gut konzipiert ist?
Unserer Ansicht nach sollte ein erstes einfaches Grundprinzip stets im Mittelpunkt eines jeden Momentum-Ansatzes stehen: Regeln vor Emotionen! Besonders in volatilen Märkten oder bei rasch wechselnder Marktführerschaft wird menschliches Urteilsvermögen anfälliger, und genau jene Verhaltensfehler, die das Momentum erzeugen, verstärken sich. Anleger stoßen Aktien ab, die mit negativen Nachrichten in Verbindung stehen und schichten übermäßig in Titel um, die sich relativ widerstandsfähig zeigen. Sie „überreagieren“ auf kurzfristige Verluste oder Ereignisse, Analysten passen ihre Prognosen nur zögerlich an, und selbst erfahrene Portfoliomanager überschätzen sich zuweilen selbst, halten an überholten Annahmen fest und ändern ihre Positionierung nicht schnell genug. Herdenverhalten treibt Investoren in ohnehin überkaufte Titel und die Angst, Chancen zu verpassen, heizt blasenähnliche Dynamiken zusätzlich an. Folglich sollte eine gut konzipierte Momentum-Strategie diese Verhaltensfehler von vornherein vermeiden. Sie sollte vollständig systematisch sein und sich ausschließlich auf Daten stützen statt auf Narrative. Sie sollte ihre Regeln konsequent und diszipliniert verfolgen – ohne Spielraum für menschliche Eingriffe, die zu Panikreaktionen führen oder falsche Überzeugungen verfestigen. Nur die disziplinierte Umsetzung der festgelegten Strategie sollte im Zentrum stehen.
Darüber hinaus sollte eine gut durchdachte Momentum-Strategie in der Lage sein, stabile Outperformer zu identifizieren und zugleich vorübergehendes Marktrauschen wie politische Schlagzeilen, kurze Gegenbewegungen oder panikgetriebene Abverkäufe auszublenden. Sie sollte darauf abzielen einen sowohl agilen als auch stabilen Rahmen zu schaffen – eine entscheidende Kombination in Märkten, die sich rasch verändern, in denen sich viele Kursbewegungen allerdings als kurzlebig erweisen.
Und schließlich braucht eine Smart-Momentum-Strategie einen robusten Prozess zur Portfoliokonstruktion. Dieser muss eine angemessene Diversifikation sicherstellen und verhindern, dass Investoren zu stark auf einzelne konzentrierte Positionen oder überlaufene Marktsegmente setzen, wie es insbesondere dann auftreten kann, wenn sich Narrative etwa in den Bereichen KI oder Technologie rasant verbreiten.
Bei ODDO BHF Asset Management wird unsere proprietäre Momentum-Strategie seit mehr als 25 Jahren erfolgreich eingesetzt. In dieser Zeit hat sich die Strategie in unterschiedlichen Marktumfeldern bewährt. Sie hat Bullen- und Bärenmärkte, Finanzkrisen, kräftige Erholungsphasen sowie Episoden tiefgreifender Marktverwerfungen durchlaufen – und sich entsprechend angepasst. Dr. Stefan Braun und Karsten Seier, die Entwickler des quantitativen Modells, verwalten die Portfolios bis heute und stehen damit seit dem Jahr 2000 für Kontinuität und fundierte Expertise.

Unser vollständig systematischer Ansatz gewährleistet konsistente und transparente Entscheidungsprozesse und gliedert sich in zwei Schritte, die bei jeder monatlichen Portfolio-Neugewichtung umgesetzt werden. Zunächst identifizieren wir qualitativ hochwertige Trends und weisen jeder Aktie im Anlageuniversum einen Momentum-Score zu, der mittel- und langfristige Trendmerkmale berücksichtigt. Bei der anschließenden Portfoliokonstruktion liegt ein starker Fokus auf dem Risikomanagement. Das Ergebnis ist ein breit diversifiziertes, risikokontrolliertes Momentum-Portfolio, das darauf abzielt, den Momentum-Effekt gezielt zu nutzen, ohne dabei jedoch unbeabsichtigte und extreme Sektor-, Länder- oder Themenpositionierungen einzugehen. Im Mittelpunkt steht die Aktienselektion; die (Sektor/Länder)-Allokation wird bewusst nahe an der Benchmark gehalten, um Konzentrationsrisiken – klassische Fallstricke naiver Momentum-Ansätze – zu vermeiden. Zudem halten wir das Beta nahe 1. Damit entspricht die Sensitivität gegenüber Marktschwankungen im Portfolio in etwa dem Niveau des breiten Aktienmarktes – ein wichtiger Aspekt für Anleger, die einen verlässlichen Anker suchen.
Mittlerweile setzen wir unseren „Equity-Trend“-Ansatz für mehrere Anlageuniversen wie globale, US- und europäische Aktien, um und verwalten ein Vermögen von rund 5,1 Mrd. Euro. Der Ansatz ist als Kerninvestment mit ausgewogenem Risikoprofil und langfristigem Outperformance-Potenzial konzipiert und über vier verschiedene Vehikel verfügbar. Zur Auswahl stehen klassische Publikumsfonds sowie ein aktiver ETF:
Da diese Fonds den Aktienmärkten ausgesetzt sind, besteht – wie bei allen Anlagen dieser Art – das Risiko eines Kapitalverlusts. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse und unterliegt im Zeitverlauf Schwankungen.
Bei Momentum-Strategien geht es nicht darum vorauszusagen, wohin sich die Märkte als Nächstes bewegen. Es geht vielmehr darum, wie sich Investoren voraussichtlich verhalten werden. Wie in der Vergangenheit beeinflussen Angst, Gier, Herdenverhalten und Selbstüberschätzung auch heute das Marktgeschehen. In Phasen hoher Unsicherheit und rasanter Veränderungen treten diese Verhaltensmuster oft noch deutlicher zutage. Solange dies der Fall ist, bietet eine disziplinierte, systematische und risikokontrollierte Momentum-Strategie Investoren einen wirkungsvollen Ansatz, um in einer zunehmend unvorhersehbaren Welt zu bestehen.
Quelle: ODDO BHF AM SAS | Stand: 31. März 2026
1CFA Institute 2025: Momentum Investing: A Stronger, More Resilient Framework for Long-Term Allocators
2MSCI 2025: Factor Indexing Through the Decades
3Jegadeshand & Titman 1993 : Returns to Buying Winners and Selling Losers ; Asness et al 2013 : Value and Momentum everywhere
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