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ETFs: Chance oder Risiko?

Börsengehandelte Indexfonds stehen immer wieder in der Kritik. Die Bundesbank hält ETFs gar für Brandbeschleuniger bei Börsencrashs. Franklin Templeton Investments widerspricht und lobt die hohe Liquidität und Flexibilität der Indexfonds. Derweil mehren sich Anzeichen, dass das Interesse an ETFs bald schrumpfen könnte.

11.07.2019 | 15:15 Uhr von «Carina Winter»

Höher, schneller, weiter: Börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), erlebten in der vergangenen Zeit einen wahren Höhenflug. Viele Anleger erliegen dem Charme der Anlageform, die leicht zu handeln ist und ohne teuren Fondsmanager auskommt. Ein weiterer Vorteil: ETFs sind börsennotiert, mithin jederzeit handelbar und immer verfügbar. Doch was, wenn auf einen Schlag viele Investoren die Lust an einem ETF verlieren? Experten sorgen sich vermehrt um die Liquiditätslage in angespannten Marktphasen, manche sprechen gar davon, ETFs könnten in schwierigen Zeiten als Brandbeschleuniger wirken.

So kommt beispielsweise die Bundesbank in einer Studie zu dem Schluss, dass die immer stärkere Verbreitung von ETFs eine Gefahr darstelle. Preisentwicklungen, egal ob positiv oder negativ, werden an den Finanzmärkten verstärkt, heißt es in der Analyse: „Die Analyse verschiedener Flash Crashs deutet darauf hin, dass Potenziale zur kurzfristigen Verstärkung von Phasen ausgeprägter Anspannungen an den Finanzmärkten bestehen“

Jason Xavier, Leiter des EMEA-ETF-Geschäfts der Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments, widerspricht. Er sagt: „Märkte sind irrational und schon immer gestiegen und gefallen.“ Der enorme Aufstieg der ETFs habe dieses Phänomen nicht verursacht. Im Gegenteil: ETFs böten in der aktuell turbulenten Zeit, die so sehr von Brexit-Verhandlungen, Schuldenkrisen und Handelskonflikten geprägt ist, sogar eine besonders hohe Flexibilität und Markttransparenz.

ETF-Boom ist womöglich vorbei

Sein Argument stützt er auch auf die unterschiedlichen Handelschancen für Anleger. „Eine der zentralen Eigenschaften eines ETFs ist die Tatsache, dass das Angebot an Anteilen flexibel ist“, sagt er. So können Investoren ETFs nicht nur über die Börse kaufen und verkaufen, sondern auch direkt mit anderen Marktteilnehmern in den Handel treten. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger auf ihren Vermögenswerten sitzen bleiben, falls sich einmal keine Käufer an der Börse finden. In diesem Fall hätten Anleger immer noch die Möglichkeit, Anteile an einen befugten Teilnehmer zu verkaufen. Diese Sekundärliquidität werde von Kritikern oft übergangen.

Die Sorgen der ETF-Kritiker vor einem immer stärkeren Einfluss der ETFs auf die Märkte könnten zudem übertrieben sein. So schrumpfte das in ETFs gebundene Anlegerkapital zuletzt. Allein im Mai flossen unterm Strich 8,4 Milliarden Euro aus den Produkten ab, meldete jüngst die Fondsgesellschaft Amundi. Besonders stark verloren Aktien-ETFs, die 18,3 Milliarden Euro an Mittelabflüssen verzeichneten.

Auch Zahlen des US-Finanzdienstleisters Broadridge Financial Solutions weisen darauf hin, dass der ganz große ETF-Boom womöglich vorbei sein könnte. Danach legten Investoren in den USA im ersten Quartal 2019 erstmals seit drei Jahren mehr Geld in klassische Indexfonds an als in börsengehandelte ETFs. Den traditionellen Fonds flossen dabei zum ersten Mal seit einem Jahr überhaupt wieder Netto-Mittel zu. „Es wird interessant sein zu sehen, ob das nur ein saisonaler Trend ist, oder ob er sich bestätigt“, heißt es in der Marktanalyse.

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