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Stephan Albrech: Gold - Schutz vor Inflation? Nein! Kaufen? Ja!

Trotz vier Prozent Inflation in vielen Ländern bleiben die Notenbanken dabei: Die Geldentwertung in dieser Höhe ist vorübergehend und wird bald sinken.

15.11.2021 | 13:00 Uhr von «Stephan Albrech»

Doch viele Anleger sind skeptisch und wollen ihr Vermögen mit Gold schützen: Sollen sie jetzt kaufen? Ja, das sollten sie – aber nicht aus diesem Grund!

Gold gilt als die Anlageklasse, die am besten vor Geldentwertung schützt. Beliebt ist der Vergleich zwischen dem Preis für eine gute römische Tunika und einen guten Anzug heutzutage. Beides war oder ist für je eine Feinunze Gold zu haben. Als Beweis für Gold als idealen Schutz taugt dieser Vergleich leider nicht. Zum einen lebt kein Mensch so lange, um von diesem mega-langfristigen Hedge gegen Inflation zu profitieren. Zum anderen zeigen neuere wissenschaftliche Studien: Auf Sicht von Jahrzehnten haben Inflationsraten und Goldpreis nicht unmittelbar miteinander zu tun.

Warum Privatinvestoren dennoch gut beraten sind, ihren Goldbestand aufzustocken, hat andere Gründe.

  1. Der Preis von Gold hängt weniger von der Inflation ab als vom Realzins. Dieser ergibt sich aus den Nominalzinsen abzüglich der Inflationsrate. Sinkt der Realzins unter die Marke von null Prozent, schlägt die Stunde für Gold, wie Daten der US-Notenbank zeigen. In den 1970er-Jahren explodierte der 1971 freigegebene Goldpreis bei einem Realzins von minus vier Prozent von 35 auf fast 800 US-Dollar. Die Goldhausse der 2000er-Jahre fand ebenfalls in einem Umfeld statt, in dem der Realzins auf bis zu minus vier Prozent abtauchte. Derzeit bewegt sich der Realzins bei etwa minus 2,5 Prozent. Erhöhen die Notenbanken die Zinsen nicht, was wahrscheinlich ist, und/oder verstetigt oder erhöht sich die Inflation, wird der Realzins noch weiter sinken. Dies sollte dem Edelmetall Rückenwind geben.

  2. Gold ist aktuell relativ günstig. Nach der starken Hausse 2019/2020 korrigiert der Preis seit über einem Jahr. Diese Korrektur hält sich preismäßig absolut im Rahmen der Erwartungen und zermürbt die Anleger vor allem durch ihre Dauer und nicht die Dimension der Kursverluste. Dass das Edelmetall prozentual relativ wenig nachgibt, ist in unseren Augen ein Zeichen der Stärke.

  3. Gold ist ein Wertspeicher, dessen Preis oft ansteigt, wenn es an den Aktienmärkten zu knirschen beginnt. Mit einer langfristigen Orientierung lohnt es daher, das Edelmetall in Zeiten der Schwäche einzusammeln – also, wenn die Aktienbörsen
    wie jetzt einen Lauf haben. Dann kann es seine Wirkung als Stabilisator im Portfolio entfalten, wenn Dax, Nasdaq & Co. eine Verschnaufpause einlegen. Und irgendwann wird was wieder der Fall sein.

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