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Hüfner: Trendwende in der Bevölkerungsentwicklung

Trendwende in der Bevölkerungsentwicklung
1/2018
Martin Huefner
Assenagon (Website)

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Jeder redet von der Alterung der Gesellschaft. Es tut sich aber noch etwas Anderes in der Demografie.

10.01.2018 | 11:21 Uhr





  • Neuer Trend in der Demografie: Es gibt nicht nur immer mehr Alte, es gibt auch immer mehr Junge.
  • Das mildert die negativen Folgen der Überalterung für Wachstum, Innova-tionskraft und Zinsen.
  • Es bringt aber neue Belastungen. Die jetzt Aktiven werden zur "Sandwich-Generation".



Alle klagen, dass die Gesellschaft immer älter wird. Wenn man sich auf der Straße umsieht, trifft man jedoch nicht nur Alte, sondern zunehmend auch Frauen und Männer mit Kin­derwägen. Die Kindertagesstätten sind überfüllt. Was ist nun richtig: Sind wir eine eher aussterbende Spezies oder löst sich das Problem durch den neuen Nachwuchs schon wieder von selbst?

Die Antwort ist: Wir haben beides. Es gibt nicht nur, wie wir schon lange wissen, mehr Alte. Über ein Viertel der Bevöl­kerung ist inzwischen 65 Jahre oder älter. In der Rentenver­sicherung müssen statistisch 2,1 Erwerbspersonen für ei­nen Rentner aufkommen. Diese Probleme gibt es in vielen Industrieländern. Sie bleiben bestehen, beziehungsweise werden sich in den kommenden Jahren sogar noch ver­schärfen.

 

Es gibt daneben aber auch – und das ist das Neue – immer mehr Kinder. 2016 sind in Deutschland über 790.000 Kinder geboren worden, die höchste Zahl seit dem Jahr 2000. Die Grafik zeigt, wie die Geburtenziffer in Deutschland gerade in den letzten Jahren beschleunigt steigt. Sie war in den 90er Jahren bis auf 1,2 Kinder pro Frau gefallen. Das war die Zeit, in der sich der Pessimismus hinsichtlich der demogra­fischen Alterung immer mehr breitmachte. Jetzt geht es wie­der nach oben. 2015 lag sie bei 1,5, etwa auf dem Niveau von vor 35 Jah­r­en. Für 2016 ist ein weiterer Anstieg zu erwarten.

Das ist zum Teil sicher durch temporäre Sonderfaktoren be­dingt. Die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter hat in letzter Zeit zugenommen. Es handelt sich hier um die Töch­ter der Babyboomer Generation, die Ende der 80er Jahre geboren wurden. Zudem wirkt sich aus, dass sich das gene­tische Verhalten der Frauen verändert hat. Sie bekommen heute nicht weniger, dafür vielfach aber später Kinder. Die Geburtenziffer ist daher in einer Übergangszeit zunächst zurückgegangen, erhöht sich jetzt aber umso stärker. Schließlich spielen auch die Flüchtlinge eine Rolle.

Es sind aber nicht nur Sonderfaktoren, die hier zu beobach­ten sind. Wir haben es auch mit einer Trendwende in der Bevölkerungsentwicklung zu tun. Die Kinderlosigkeit geht zurück. Vor allem Akademikerinnen bekommen häufiger ein oder mehrere Kinder. Hier wirkt sich unter anderem aus, dass das berufliche Umfeld kinderfreundlicher geworden ist. Es gibt flexiblere Arbeitszeiten. Unternehmen haben zum Teil Betriebskindergärten. Auch Väter nehmen Elternzeit und kümmern sich mehr um den Nachwuchs.

 


 

»Die demografischen Belastungen, von denen derzeit immer die Rede ist, werden nicht so schlimm wie befürchtet.«

 


 

Dass es neben den Älteren jetzt auch mehr Junge gibt, ist erfreulich. Es mildert die negativen Effekte der demogra­fischen Alterung. Die Bevölkerungszahl wird nicht so stark zurückgehen. Wir brauchen weniger Einwanderer. Das Wachstum wird sich nicht so stark verlangsamen. Es kommt neue Dynamik in die Gesellschaft. Die Innovations­kraft der Unternehmen verbessert sich. Damit könnte auch die Pro­duktivität wieder stärker zunehmen. Die Belastungen der Sozialversicherungen werden geringer, wenn es mehr Bei­tragszahler gibt. Am Kapitalmarkt müssen die Zinsen nicht ewig so niedrig bleiben, wenn es mehr Wachstum gibt.

Andererseits sollten wir uns nicht die Illusionen machen, dass damit alle Probleme der Alterung gelöst wären.

Manches wird zwar leichter, manches aber auch schwerer.

Erstens dauert es 20 und mehr Jahre bis die jetzt Gebore­nen in das Berufsleben einsteigen und zum Sozialpro­dukt beitragen können. Jetzt erhöhen sie das Wachstum nur von der Nachfrageseite, aber nicht vom Angebot.

Zweitens ist kaum zu erwarten, dass die Geburtenziffer bis auf das Niveau steigt, das für eine vollständige Reproduk­tion der Bevölkerung erforderlich wäre. Das wären rechne­risch 2,1 Kinder pro Frau. So stark ist der Kinderwunsch trotz aller Ver­bes­serungen in der Arbeitswelt nicht. Es gibt innerhalb der OECD-Länder nur ganz wenige Staaten, die eine Geburten­ziffer von 2,1 oder mehr haben (etwa Israel). Das bedeutet, dass die Bevölkerungszahlen trotz höherer Geburtenziffern weiter zurückgehen werden.

Drittens wird die Solidarität der Gesellschaft in Zukunft noch stärker strapaziert. Die Menschen im erwerbsfähigen Alter müssen nicht nur die wachsende Zahl der Älteren un­terhalten (was ohnehin schwer wird, wenn die Baby­boomer-Generation in Rente geht). Sie müssen darüber hinaus auch für die zunehmende Zahl der Kinder sorgen. Sie sind gewis­sermaßen die "Sandwich-Generation", die sowohl von den Jüngeren als auch von den Älteren in An­spruch genommen wird.

Bereits heute liegt der Abhängigkeitskoeffizient (Gesamt­zahl der "Inaktiven" relativ zur Gesamtzahl derer im er­werbsfähigen Alter) bei 52 %. Das heißt: Je zwei Erwerbsfähige müssen für eine inaktive Person sorgen. Da­rüber hinaus müssen sie bei den niedrigen Zinsen auch noch Geld für ihr eigenes Alter zurücklegen.

Viertens: Die steigenden Geburtenzahlen erfordern hohen Investitionsbedarf bei Kindertagesstätten, Schulen und wei­terbildenden Institutionen. Sie machen die ohnehin anste­hende Bildungsaufgabe der Gesellschaft noch schwieriger.

Für den Anleger

Die demografischen Belastungen, von denen derzeit immer die Rede ist, werden nicht so schlimm wie befürchtet. Das stärkt das Wachstum, erfordert mehr Investitionen und ver­ringert die gesamtwirtschaftliche Ersparnis. Das hilft den Aktien. Zinsen müssten eher steigen. Allerdings dauert es noch eine Zeit, bis die neuen Trends wirksam werden.

 

Dr. Martin Hüfner,

Chief Economist bei Assenagon

 

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