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Cyber-Security: Milliardenboom dank digitaler Attacken

Die globale Cyberkriminalität floriert. Dies führt zu hohen Verlusten bei betroffenen Firmen – und zu einem deutlichen Anstieg der Investitionen in mehr Websicherheit.

21.07.2021 | 09:00 Uhr von «Peter Gewalt»

Nicht mit Waffen, sondern mit Computern gehen moderne Kriminelle heute ihren lohnenden Geschäften nach. Kürzlich sorgten etwa Cyberangriffe der Hackergruppe REvil aus Russland für Furore. Sie attackierte den US-IT-Dienstleister Kaseya und drang in die firmeneigenen Netzwerkrechner ein. Über die Produkte der Konzerns verbreitete sich daraufhin weltweit eine eingeschleuste Software, die die digitalen Daten der Kunden verschlüsselte.

Davon betroffen waren meist kleine bis mittelgroße Unternehmen, darunter auch einige in Deutschland. In Schweden musste eine Supermarktkette ihre Läden aufgrund der Schadsoftware schließen, da die Kassensysteme ausfielen.

Die Angreifer haben mittlerweile 70 Millionen Dollar gefordert. Im Gegenzug soll es einen Generalschlüssel zur Freigabe der Daten geben. Sollte das Geld fließen, wäre es der größte digitale Erpressungserfolg bisher, der öffentlich geworden ist.

Verwundbares Homeoffice

Der Angriff auf Kaseya ist aber längst kein Einzelfall. Immer mehr Unternehmen werden Opfer von Cyberattacken. Für Aufsehen sorgten zuletzt die digitalen Erpressungsversuche beim Ölunternehmen Colonial Pipeline und JBS, dem weltweit größten Fleischproduzenten. Beide US-Konzerne zahlten Millionen US-Dollar an Lösegeld, um die Kontrolle über ihre Computersysteme wiederzuerlangen.

Auch deutsche Unternehmen sind stärker denn je Ziele krimineller Attacken aus dem Web. „Noch nie wurde die deutsche Wirtschaft so stark angegriffen wie heute. Die Anzahl der Angriffe ist in der Corona-Pandemie weiter gestiegen, weil Unternehmen im Homeoffice noch verwundbarer sind“, sagte Matthias Wachter, Leiter der Abteilung Sicherheit beim Bundesverband derDeutschen Industrie, der „Welt am Sonntag“.

Corona hilft Cyberattacken

Da in der Coronavirus-Pandemie weite Teile der Wirtschaft online gehen mussten, floriert die Cyberkriminalität noch stärker als zuvor. Neben Erpressung ist der Datendiebstahl weit verbreitet. So wurden im Jahr 2020 etwa 30 Milliarden Datensätze gestohlen, so ein Bericht von Canalys, einer auf die Technologiebranche spezialisierten Analysefirma. Das ist mehr als in den vorangegangenen 15 Jahren zusammen, schreibt die Fondsgesellschaft Robeco.

Laut dem Center for Strategic and International Studies summierten sich die weltweiten finanziellen Verluste infolge von Cyberkriminalität im Jahr 2020 auf schätzungsweise 945 Milliarden US-Dollar — Tendenz stark steigend. Denn strukturelle Trends wie die Zunahme des Onlinehandels und das Arbeiten von zu Hause aus dürften anhalten. Die Risiken dürften angesichts des sich ausweitenden -Internet der Dinge (IoT) sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen noch weiter zunehmen, meint Rahul Bhushan vom ETF-Anbieter Rize.

Mehr Geld für Sicherheit

Daher dürften auch die Budgets für mehr Schutz im Netz erst einmal weiter steigen. So entwickelten sich die Investitionen in Cybersicherheit im Jahr 2020 besser als in anderen Segmenten der IT-Branche. Sie stiegen global nach Angaben von Canalys um zehn Prozent auf 53 Milliarden US-Dollar. Einzelne Unternehmen wie F-Secure, das Datenschutzlösungen für Privatpersonen und Unternehmen anbietet, profitieren von der globalen Suche nach mehr Sicherheit. Der Börsenkurs der Finnen schoss allein in den vergangenen zwölf Monaten um 50 Prozent in die Höhe.

Laut Bhushan gibt es eine ganze Reihe weiterer Unter-nehmen, die an der steigenden Nachfrage nach Datensicherheit gut verdienen. Dazu zählen etwa Ping Identity, NortonLifeLock, IBM, Sailpoint, Avast, OneSpan und Okta. Außerdem treten neue Anbieter in den Markt ein, darunter ForgeRock, ein US-Unternehmen für Identitätsüberprüfungs-Software, das kürzlich bekannt gegeben hat, dass es seinen Börsengang vorbereite.

Cyber-Security-Fonds

Name ISIN Wertentw. 1 Jahr Wertentw. 5 Jahre
Pictet Security Fund LU0270904781 30,1% 88,7%
CS Global Security Equity LU0909471251 29,7% 109,5 %
L&G Cyber Security ETF IE00BYPLS672 26,3% 156,4 %

Performance auf Euro-Basis, Geordnet nach Wertentwicklung 1 Jahr

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