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Defino-Chef fordert Standardisierung der Finanzberatung

Individuelle Beratung sei oft nur Selbstverwirklichung der Berater. Eine Standardisierung der Finanzberatung dagegen sei im Sinne der Kunden, erklärt Defino-Vorstand Dr. Klaus Möller auf einer Preisverleihung in Berlin. Klare Worte.

13.11.2019 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Die DIN-Preisverleihung gehört zu den sehr besonderen Festen auf diesem Planeten. Einmalig, unkopierbar. Die Deutsche Industrie-Norm ist so etwas wie das Aushängeschild dieser Republik, eng verbunden mit der Marke „Made in Germany“. Deutsche Wissenschaftler, Industrie- und Lobby-Verbände basteln mittlerweile seit Jahrzehnten an immer neuen Normen für den dicken DIN-Katalog, der zwar nicht bindend ist, aber doch sehr dazu ermuntert, die darin definierten Regeln in der Praxis anzuwenden. Und es ist ja auch so: Die Berücksichtigung von Industrienormen hat enorme Vorteile. Vor allem: Man kann sich darauf verlassen, dass das, was draufsteht, auch drin ist. Und zwar immer.

Und so wird den DIN-Preisträgern am Montagabend in Berlin vor 300 geladenen Gästen eine besondere Ehre zuteil. Die fünf Gewinner werden für ihr Engagement gewürdigt, mit dazu beigetragen zu haben, dass Normung und Standardisierung weiterhin ein wichtiger Wert für Wirtschaft und Gesellschaft seien. An diesem Abend werden wichtige DIN-Projekte in drei Kategorien ausgezeichnet: Nachwuchspreis, Innovatorenpreis und Anwenderpreis.

Der Gewinner des Anwenderpreises ist Dr. Klaus Möller von der DEFINO Institut für Finanznorm AG. Sein Verdienst: Mit der von ihm initiierten DIN SPEC zur Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte hat er die Grundlage für DIN 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ gelegt. Die Norm soll durch einen objektiven, reproduzierbaren und transparenten Analyseprozess Kundenvertrauen schaffen.

Eine Norm mit nur wenigen Fans

Möller hat in den vergangenen Jahren viel geleistet. Ein DIN-Projekt ist kein Spaziergang. Es dauert Jahre, bis eine Norm druckreif ist. Umso ärgerlicher ist es für einen DIN-Entwickler, wenn er nach Jahren der Mühe feststellen muss, dass sich eine Branche gar nicht so besonders über die verabschiedete Normung freut. Konkret in diesem Fall: die Branche der Finanzberater, die durch die Anwendung von MiFID II ohnehin unter Druck steht. Höhere Kosten und mehr Administration stehen aktuellen Umfragen zufolge aus Sicht der Berater nicht im richtigen Verhältnis zur Wirkung der EU-Regulierung. Die Branche hat genug mit den Folgen zu kämpfen. Die Anwendung einer zusätzlichen DIN tun sich deshalb bisher nur wenige Finanzberater an. Zwar geben laut einer aktuellen Poolstudie von BrunotteKonzept rund 60 Prozent der befragten Pools und Verbünde in Deutschland an, dass sie eine DIN-konforme Basis-Finanzanalyse in ihre Prozesse implementiert haben oder die Einführung vorbereiten. Doch bei den freien Beratern findet die Normung bislang kaum Beachtung.

Aus Sicht von Dr. Klaus Möller von der DEFINO Institut für Finanznorm AG ist das ein Fehler. Und so hält Möller an diesem Montagabend nicht nur eine Dankesrede für die Auszeichnung, sondern richtet einen Appell an die Branche. In der Feierstunde des Deutschen Instituts für Normung nimmt Möller den Anwenderpreis 2019 aus den Händen von DIN-Chef Christoph Winterhalter entgegen und dankt zunächst allen, die „den Mut gehabt haben, sich bereits auf die DIN SPEC und die noch junge DIN-Norm 77230 einzulassen“. Sie alle würden von ersten messbaren Erfolgen berichten. Dann kritisiert der Defino-Vorstand die aus seiner Sicht in der Finanzbranche immer noch weit verbreitete wenig kundenorientierte Definition des Begriffs „Individualität“. „Anders als in den technischen Sparten der Wirtschaft wollen viele Protagonisten unserer Branche noch nicht begreifen, dass standardisierte Prozesse kundenindividuelle Ergebnisse nicht behindern, sondern tatsächlich ermöglichen und gewährleisten. Viele Vermittler und Finanzberater verwechseln bei dem Begriff Individualität nach wie vor das vollständige Eingehen auf den kundenindividuellen Bedarf mit persönlicher Selbstverwirklichung“, holt Möller in seiner Rede aus. Diese Sichtweise führe zu einem in sich verkehrten Beratungsansatz.

Neben seiner Kritik ermuntert Möller schließlich die Finanzbranche auch dazu, den Vorbildern zu folgen und den Paradigmenwechsel zu wagen, den die Umstellung vom ausschließlichen Produktverkauf zur bedarfsorientierten Finanzanalyse für viele Vermittler bedeutet. 

Für Möller steht die Normung der Finanzberatung übrigens erst am Anfang. Der Arbeitsausschuss, der schon die DIN 77230 erarbeitet hat, tagt bereits seit Mitte des Jahres, um die DIN SPEC 77223 „Vermögens- und Risikoanalyse für Privatanleger“ zu einer Norm weiterzuentwickeln und sie dabei auf MiFID- und FinVermV-Konformität zu trimmen. Der Ausschuss ist nach Angaben von DEFINO mit Repräsentanten wichtiger Marktteilnehmer aus den Bereichen Bank und Versicherung, aus Vertrieben, Verbänden und Initiativen sowie aus Verbraucherschutz und Wissenschaft besetzt. Bis zur Preisverleihung für dieses Projekt dürften erneut ein paar Jahre vergehen. Die Zeit wird zeigen, ob sich Möllers Engagement gelohnt haben wird.

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