Anant Kumar von Benefit Street Partners, erklärt, welche Strategie der Pionier im Bereich alternativer Kredite in Deutschland verfolgt, warum deutsche Investoren den datengetriebenen Private Debt Ansatz schätzen und wie sich die Finanzierung von Banken unterscheidet.
08.01.2026 | 14:00 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM FundResearch: Welche konkrete Rolle spielt Deutschland derzeit in Ihrer Wachstumsstrategie bei Benefit Street Partners, sowohl auf der Investoren- als auch auf der Kreditnehmerseite?
Anant Kumar: Die kombinierte Plattform von Benefit Street Partners (BSP) und Alcentra, die sich beide im Besitz von Franklin Templeton befinden, hat eine bedeutende Präsenz in Deutschland. Wir verwalten Kapital im Auftrag einer Vielzahl institutioneller Anleger, darunter Finanzinstitute, Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen. Franklin Templeton hat kürzlich seine Plattform für alternative Kredite erweitert und im Oktober 2025 eine Mehrheitsbeteiligung an Apera Asset Management erworben. Vor kurzem wurde bestätigt, dass Apera künftig die Marke von Franklin Templeton für die Mittelbeschaffung für das europäische Direct-Lending-Geschäft sein wird. Apera finanziert eine Reihe von Wachstumsunternehmen in Deutschland und leistet damit einen indirekten Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur wirtschaftlichen Entwicklung. Auch auf der Investorenseite spielt Deutschland eine wichtige Rolle: Der erste Apera-Fonds wurde überwiegend von deutschen Anlegern unterstützt. Der konservative, datengestützte und stark prozessorientierte Anlagestil von Apera wird von deutschen Anlegern besonders geschätzt und genießt ihr Vertrauen.
Wie setzen Sie Ihre Private-Debt- und Special-Situations-Strategien in Deutschland um: In welchen Segmenten des Sektors kleine und mittlere Unternehmen (KMU-Sektior) sind Sie derzeit aktiv?
Die Umsetzung von Private-Debt- und Special-Situations-Strategien in Deutschland durch BSP-Alcentra und Apera basiert auf einer breiten und stabilen Investorenbasis. Für BSP-Alcentra verwalten wir Kapital im Auftrag einer Vielzahl institutioneller Investoren, darunter Finanzinstitute, Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen. Ihre Prioritäten liegen auf risikoadjustierten Renditen, Kapitalerhalt, Diversifizierung und der Anpassung an langfristige Verpflichtungen. Zu unseren am stärksten nachgefragten Strategien gehören CLOs, europäische Kredite, Direct Lending in Europa und den USA, sowie europäische Sondersituationen. Bei Apera stammen rund 40 Prozent der gesamten LP-Basis aus Deutschland, darunter Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen und zahlreiche andere institutionelle Investoren. Diese starke Grundlage ermöglicht es Apera, gezielt und nachhaltig im deutschen KMU-Sektor tätig zu sein.
Wie unterscheiden sich die Finanzierungsstrukturen von BSPs von der traditionellen Hausbankfinanzierung?
Die Finanzierungsstrukturen von BSP unterscheiden sich in mehreren wesentlichen Punkten von der traditionellen Hausbankfinanzierung. Zum einen ist die Finanzierung mit BSP deutlich schneller: Dank eines spezialisierten Teams und weniger bürokratischer Hürden kann Kapital schnell zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen zeichnet sich das Modell durch ein hohes Maß an Flexibilität aus, da es die bei Banken üblichen starren Leverage-Beschränkungen und verzögerten Zahlungsmechanismen vermeidet. Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt im partnerschaftlichen Ansatz. BSP setzt auf langfristige Beziehungen und hat dies insbesondere während der COVID-Pandemie unter Beweis gestellt. Als viele Unternehmen aufgrund vorübergehender EBITDA-Einbrüche gegen bestehende Vereinbarungen verstießen, verzichtete BSP auf Strafzahlungen und unterstützte die Unternehmen aktiv. Diese Haltung führte dazu, dass viele dieser Unternehmen für Folgefinanzierungen wieder zu BSP zurückkehrten.
BSP gehört zu Franklin Templeton und ist eng mit Alcentra vernetzt: Was bedeutet diese Vernetzung konkret für deutsche institutionelle Anleger – beispielsweise in Bezug auf das Produktangebot, die Unternehmensführung und das Risikomanagement?
Für BSP-Alcentra, eine integrierte Plattform, vereint die Zugehörigkeit zu Franklin Templeton das Beste aus beiden Welten. Wir profitieren von institutioneller Größe und Ressourcen und behalten gleichzeitig unsere vollständige Unabhängigkeit in Bezug auf Investitionen und das Tagesgeschäft, sodass wir unseren fachlichen Fokus mit globaler Reichweite verbinden können.
Was heißt das konkret?
Einerseits bedeutet dies, dass wir über einen unveränderten Anlageausschuss und vollständige Autonomie verfügen, wodurch die Nähe zum Markt und zu unseren Kunden gewährleistet ist. Andererseits profitieren wir auch von der globalen Infrastruktur von Franklin Templeton, insbesondere von seiner robusten Technologie, seinem umfangreichen internationalen Vertriebsnetz und seinem starken europäischen Vertriebs- und Supportapparat.
Welche Vorteile bringt das mit sich?
Dieser Ansatz wird oft mit der Kunst der Uhrmacherei verglichen: Während unabhängige Hersteller höchste Qualität bieten, aber nicht skalieren können, verbindet ein globaler Anbieter Qualität mit weltweiter Unterstützung. BSP verbindet somit fachliche Spezialisierung mit globaler Stärke. Die Technologie und Systeme von Franklin Templeton haben sich während der COVID-Pandemie als besonders wertvoll erwiesen. Auch heute noch bietet die Zugehörigkeit zur Gruppe klare Vorteile: Franklin Templeton stellt moderne Technologie, darunter spezialisierte KI-Tools, zur Verfügung, eröffnet über sein Vertriebsnetz Zugang zu globalen Anlegern und unterstützt neue Strategien mit eigenem Bilanzkapital. Diese drei Säulen – Technologie, Vertrieb und Kapital – stellen einen bedeutenden strategischen Mehrwert für deutsche institutionelle Anleger dar.
Über Anant Kumar:
Anant Kumar arbeitete, bevor er 2015 zu BSP kam, in der Kapitalmarktberatung bei Lazard Frères und in der Leveraged-Finance-Gruppe bei der Deutschen Bank. Er hat einen Master of Business Administration der University of Chicago, einen Master of Science der Stanford University und einen Bachelor of Engineering der Visvesvaraya Technological University in Indien.
Über Benefit Street Partners:
Benefit Street Partners (BSP)-Alcentra ist ein Pionier im Bereich alternativer Kredite mit einem verwalteten Vermögen von 91 Milliarden US-Dollar. Als hundertprozentige Tochtergesellschaft von Franklin Templeton konzentriert sich BSP-Alcentra ausschließlich auf Kredite. Das Unternehmen verwaltet Strategien in den Bereichen Private Debt, Real Estate Debt, Structured Credit und Liquid Loans.
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