Erfolgreich konzentriert auf Europa

Der Carmignac Grande Europe investiert unter Berücksichtigung von ESG & SRI-Kriterien in die aussichtsreichsten europäischen Unternehmen.

Europa wird unterschätzt. Davon ist Mark Denham, Fondsmanager des Carmignac Grande Europe überzeugt. Seit Jahren beweist Denham nicht nur, dass er Recht hat, sondern auch, dass ein Fonds, der strenge Nachhaltigkeits-Kriterien berücksichtigt, außerordentlich erfolgreich sein kann.

05.11.2019 | 11:00 Uhr

Mark Denham ist in der Fondsbranche kein unbeschriebenes Blatt. Seit rund dreieinhalb Jahren managt er den Carmignac Grande Europe. Zuvor setzte er schon in verantwortlicher Position bei der Fondsgesellschaft Aviva bemerkenswerte Akzente. Wer ihn kennt, beschreibt seine markantesten Eigenschaften als Fondsmanager so: Konzentration aufs Wesentliche, Unbeirrbarkeit und vor allem Geduld. Mit diesen Tugenden hat Denham in den vergangenen Jahren auch den Carmignac Grande Europe bemerkenswert erfolgreich gemanagt. Als durchschnittliche 3-Jahresperformance weist der Fonds derzeit rund 8,5 Prozent per annum aus. Seine Benchmark, den Stoxx 600 NR, hat Denham über jeden Zeitraum hinweg in dieser Zeit geschlagen. 

Ein Grund dafür ist wohl, dass Denham sich nicht wirklich an diesem breit aufgestellten Europa-Index orientiert. Er darf im Rahmen seiner Anlagestrategie, die sich im Wesentlichen auf europäische Qualitäts- und Wachstumswerte konzentriert, frei agieren. Freiheit begreift Denham hier als das Recht, sich selbst zu beschränken. Konzentration aufs Wesentliche, das heißt für den erfahrenen Fondsmanager, ein gut austariertes Scoring-Modell anzuwenden, um aus mehr als 1.600 europäischen Aktien die Essenz der aussichtsreichsten Titel herauszufiltern. 

Denham verwendet dafür sein sogenanntes Dashboard. Dabei handelt es sich um ein Screening-Tool, mit dem er Titel aussortiert, die seinen hohen Ansprüchen an nachhaltiger Rentabilität nicht genügen. Zu diesen Ansprüchen gehören unter anderem langfristige Wachstumsaussichten, eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Euro sowie eine Reihe von Finanzindikatoren. Denham nutzt zur Bewertung eigene Parameter, die in bestimmten Bewertungsbereichen wichtige Schwerpunkte setzen. Dazu gehört beispielsweise eine außerordentlich hohe Reinvestitionsquote. Das Motto: Je höher der Score, desto besser.

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben

Schon in diesem ersten Bewertungs-Schritt fallen in der Regel um die tausend Werte durch. Unternehmen, die es in die nächste Auswahlrunde geschafft haben, werden daraufhin überprüft, ob sie den strengen Nachhaltigkeits-Kriterien von Carmignac entsprechen. So fallen etwa Kohleförderer, Rüstungskonzerne und Glücksspiel- und Tabakunternehmen durchs Raster. 

Die übrig gebliebenen Unternehmen werden in der Folge gemäß MSCI ESG Rating fein sortiert: MSCI vergibt, ähnlich wie bei der Bewertung von Anleihen, für die Berücksichtigung verschiedener ESG-Kriterien Noten, die von AAA bis CCC reichen. Die Benotung umfasst die Bereiche Grundbedürfnisse, Mitwirkungsmöglichkeit, Klimawandel und Naturkapital. Je nach ESG-Rating kommen die von Denham bis hierhin ausgewählten Titel für sein Portfolio in Betracht. Der Fondsmanger und sein dreiköpfiges Team achten penibel darauf, dass Unternehmen mit guter ESG-Bewertung überproportional im Fonds vertreten sind. Unter dem Strich weisen die im Fonds-Portfolio enthaltenen Unternehmen in der Summe deutlich weniger Kohlenstoff-Emissionen aus als der Referenzindikator und der MSCI Europe Low Carbon Target Index.

Research gibt den Ausschlag

Entscheidend dafür, ob ein Titel in den Fonds aufgenommen wird, gibt letztlich die Unternehmens-Analyse. Sein Ansatz ist benchmark-unabhängig und aktiv. Aktuell liegt sein Active Share bei 90 Prozent. Wichtig sind starke Geschäftsmodelle, die nur wenig vom makroökonomischen Umfeld abhängen. Ist Denham von einem Titel überzeugt, hat er Geduld. Der erfahrene Experte setzt grundsätzlich darauf, dass der breite Aktienmarkt die Qualität eines Unternehmens erkennt und irgendwann entsprechend bewertet. 

Denham setzt sich dafür allerdings auch klare Verkaufsziele. „Billig einkaufen und teuer verkaufen“ ist für den studierten Mathematiker nicht nur eine Börsenfloskel. Für die Substanz seines sehr konzentrierten Portfolios ist das wichtig. Eben die Konzentration aufs Wesentliche.

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