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Wettbewerb ist gut für unsere Soziale Marktwirtschaft

Die Idee der Sozialen Marktwirtschaft ist über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Im Gespräch mit FundResearch erklärt Prof. Dr. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, wie sich diese Idee auch im Zeitalter der Digitalisierung behaupten kann.

06.06.2019 | 09:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Herr Professor Fuest, der Begriff der Sozialen Marktwirtschaft wurde Mitte der Vierzigerjahre erfunden und unter Ludwig Erhard Ende der Fünfzigerjahre populär. Ist das Modell heute überhaupt noch zeitgemäß?

Clemens Fuest: Die grundsätzliche Idee stößt in Deutschland auch heute noch auf hohe Akzeptanz. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass wir hierzulande den wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg gedanklich eng mit dem Begriff der Sozialen Marktwirtschaft verbinden. Gleichzeitig lässt der Begriff genug Spielraum für Interpretationen. Je nach politischem Lager wird mehr staatlicher Eingriff oder mehr Freiheit für die Marktwirtschaft gefordert. Beide Komponenten sind in dem Modell enthalten. Deshalb wird auch aktuell heftig darüber gestritten, ob wir in Deutschland überhaupt noch eine Soziale Marktwirtschaft haben.

Und wie sehen Sie das?

Clemens Fuest: Für mich besteht kein Zweifel daran, dass es uns nach wie vor gelingt, ein hohes Wohlstandsniveau mit sozialem Ausgleich zu verbinden. Aber in der breiten Bevölkerung schwankt die Stimmung zu diesem Thema. Dazu ein Beispiel: Im Jahr 2006 war die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland der Meinung, dass unsere Marktwirtschaft nicht wirklich sozial sei. Das war wohl kein Zufall. Damals herrschte hohe Arbeitslosigkeit. Mit der Verbesserung der Arbeitsmarktlage hat sich seitdem auch die Wahrnehmung verändert. Heute ist die Mehrheit der Meinung, dass unsere Wirtschaft die Bezeichnung Soziale Marktwirtschaft verdient.

Gelten die Gesetze und Ideen der Sozialen Marktwirtschaft auch noch in Zeiten der sogenannten Industrie 4.0?

Clemens Fuest: In der Tat gibt es Entwicklungen, die für unser Wirtschaftsmodell eine Herausforderung darstellen. Auch in einer Sozialen Marktwirtschaft ist Wettbewerb ein essentieller Faktor. Eine fortschreitende Globalisierung wäre vor diesem Hintergrund eigentlich förderlich. Doch die zunehmende Digitalisierung hat zu Geschäftsmodellen geführt, die den Wettbewerb eher wieder einschränken. Denn je mehr Kunden ein Plattform-Unternehmen gewinnt, umso stärker wird es. Das führt letztlich zu Quasi-Monopolen. Aktuelle Untersuchungen aus den USA bestätigen das. Sie zeigen, dass die Intensität des Wettbewerbs in den vergangenen Jahren abgenommen hat.

Wie sieht die Entwicklung in Deutschland aus?

Clemens Fuest: Im Kreditgewerbe zeigt sich ein deutlicher Trend zu mehr Konzentration. In den meisten anderen Branchen ist das nicht so zu beobachten. Man muss allerdings abwarten, ob das so bleibt.

Könnte die Soziale Marktwirtschaft also zum Exportschlager werden? Zum Beispiel für ganz Europa?

Clemens Fuest: Die Soziale Marktwirtschaft ist zwar eine gute Idee. Aber sie ist in Deutschland unter sehr speziellen historischen Voraussetzungen gewachsen. In einer Zeit, in der man fast alles infrage gestellt hat. Das war in anderen Ländern nicht nötig. Die skandinavischen Länder beispielsweise haben für sich und ihre Volkswirtschaften eigene gute Wege gefunden. Und Siegermächte wie Großbritannien haben sich und ihre Geschichte niemals ernsthaft hinterfragen müssen. Deshalb würde auf der Insel auch niemand auf die Idee kommen, ein deutsches Wirtschaftsmodell als Vorbild zu nehmen.

So, wie es im Moment aussieht, verabschiedet sich Großbritannien ja jetzt sogar aus dem EU-Verbund. Welche Folgen wird das für Deutschland haben?

Clemens Fuest: Das lässt sich nur schwer vorhersagen. Schließlich sind bis heute noch nicht einmal alle Fragen des Austritts Großbritanniens aus der EU geklärt. Fest steht nur: Ein harter Brexit ist für Niemanden von Interesse. Er könnte irreparable politische und wirtschaftliche Schäden verursachen. Es ist zu hoffen, dass das Vereinigte Königreich und die EU es schaffen, eine enge wirtschafts- und handelspolitische Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Eine interessante Option für den Handel würde darin liegen, eine neue Europäische Zollassoziation gründen, die ähnlich funktioniert wie die EU-Zollunion. Eventuell kann man ein Abkommen auch in der bestehenden Zollunion umsetzen. Das würde erlauben, Zollkontrollen an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland zu vermeiden. Das ist wichtig, um den Friedensprozess nicht zu gefährden.

Glauben Sie an eine gütliche Einigung?

Clemens Fuest: Es gibt dazu noch viele offene Fragen. Vielleicht bleibt Großbritannien am Ende ja doch noch in der EU. Derzeit erscheint alles möglich.

Herr Professor Fuest, vielen Dank für das Gespräch.


Clemens Fuest spricht am 27.6.2019 beim FUND FORUM in München zum Thema „Deutsche Wirtschaft zwischen Trump, Brexit und Eurokrise" 

Hier geht's zur Veranstaltung.

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